bedeckt München 19°
vgwortpixel

Eltern in Not:In Neubiberg fehlt Betreuungspersonal

Die Gemeinde hofft, dass sie Kinder in der Krippe der Bundeswehruniversität (im Bild die Eröffnung mit Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen) unterbringen kann.

(Foto: Claus Schunk)

In Neubiberg können einige Krippen- und Kindergartenplätze nicht besetzt werden.

Die Verunsicherung ist groß. "Sehr viele Eltern sind betroffen", sagte eine Frau stellvertretend für viele Mütter und Väter am Montag im Neubiberger Gemeinderat. "Die Situation ist extrem belastend. Unsere Arbeitsplätze sind in Gefahr." Grund für die Aufregung: Zum Betreuungsjahr 2019/2020 bekommen nicht alle Kinder einen Platz in Kindergarten oder Krippe, die einen brauchen.

Allein bis September gehen vier Kinder im Krippenalter und 41 im Kindergartenalter leer aus, obwohl sie Anspruch auf einen Platz hätten.

Insgesamt stehen 17 Krippenkinder und 70 Kindergartenkinder auf der Warteliste. Die Eltern hatten im April Absagen von den Einrichtungen erhalten. "Die große Überraschung ist, dass auch Kindergartenplätze fehlen", sagte die Frau, die sich mit anderen Eltern bereits schriftlich bei der Gemeinde beschwert hatte. Man wünsche sich mehr Unterstützung von der Gemeinde. "Seien Sie versichert, die Situation ist genauso schockierend für uns", sagte Bürgermeister Günter Heyland (Freie Wähler).

Zwar gibt es in Neubiberg gemessen an der Kinderzahl grundsätzlich genügend Betreuungsplätze. Wegen Personalmangels können diese aber nicht alle vergeben werden. Allein im Awo-Kindergarten am Hallstattfeld fehlen derzeit zwei Fachkräfte und eine Ergänzungskraft in Vollzeit sowie eine Teilzeitkraft, wie die Gemeinde bei der Einrichtung erfragte. Auch die Gemeinnützige Gesellschaft für Kinderbetreuung mbH, die Einrichtungen in Neubiberg betreibt, kann aktuell nicht alle Plätze vergeben. Die Situation kam auch für die Verwaltung überraschend.

Fehlende Information über die Lage

Wie Ordnungsamtsleiter Fabian Sass berichtete, hatte das Treffen der Verwaltung mit den Trägern eine Woche vor Vergabe der Plätze stattgefunden und die Träger hatten sie nicht über die prekäre Lage informiert. Thomas Pardeller (CSU) schlug daher vor, so ein Treffen künftig sechs Monate früher anzuberaumen. Sass meinte dazu: "Wenn sie uns nicht informieren, kann ich auch nichts machen." Heyland sagte, dass bei den Trägertreffen normalerweise Probleme angesprochen würden. "Es hat uns auch gewundert, warum sie uns nichts gesagt haben."

Dass die Situation sehr unerfreulich ist und schnell eine Lösung her muss, da waren sich alle einig. Der Gemeinderat beschloss auf Vorschlag der Verwaltung hin einstimmig mehrere Maßnahmen. Die Eltern sollen künftig einen Arbeitszeitnachweis vorlegen, damit gebuchte Stunden, die die Eltern nicht unbedingt brauchen, reduziert werden können. Laut Verwaltung könnten so bei gleichem Personal mehr Betreuungsplätze angeboten werden. Der Vorschlag stieß nicht bei allen Gemeinderäten auf Wohlwollen. Pardeller plädierte dafür, diese Nachweispflicht auf ein Jahr zu beschränken, bis sich die Lage entspannt habe. Kilian Körner (Grüne) warnte vor einem "Hauen und Stechen". Sass verwies darauf, dass die Stadt München das bereits länger erfolgreich praktiziere. Das Gremium einigte sich auf die Begrenzung bis Ende August 2020.

Zudem beauftragte der Gemeinderat Heyland, dass er sich bei der nächsten Bürgermeisterdienstbesprechung beim Landrat dafür einsetzen soll, die Zulage für pädagogische Fachkräfte auf das Niveau der Landeshauptstadt München anzuheben. So soll es leichter werden, im Landkreis Erziehungspersonal anzuwerben. Die Verwaltung soll zudem mit der Awo-München-Land prüfen, ob weitere Kinderbetreuungsplätze in der Großtagespflege geschaffen werden können. Geprüft wird auch, ob der Anstellungsschlüssel in verträglichem Maß angehoben werden kann.

Im Gremium kam auch der Wunsch auf, noch einmal bei dem am Ort sitzenden Chiphersteller Infineon nachzufragen wegen weiterer Plätze in der dortigen Kita für Neubiberger Kinder. Sass sah dafür keine Chance, berichtete aber, dass er mit der Krippe der Bundeswehruniversität "Campus Küken" im Gespräch sei. "Vielleicht bekommen wir da noch mehr Plätze."