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Die Grünen: Münchner Stadtvorsitz:Schulze beharrt auf Kandidatur

Umweltreferent Lorenz hat die Olympiagegnerin Katharina Schulze zum Rückzug von ihrer Stadtvorsitz-Kandidatur aufgefordert - und löst damit heftige Proteste in der Partei aus.

D. Hutter

Katharina Schulze, die Chefin der Grünen Jugend, bleibt bei ihrer Kandidatur für den Münchner Stadtvorsitz. "Die Basis soll am Montag entscheiden", erklärte die 25-Jährige, der von Umweltreferent Joachim Lorenz wegen ihres olympiakritischen Auftritts beim Freiburger Bundesparteitag der Rückzug nahegelegt worden war.

Katharina Schulze, 2010

Will für den Stadtvorsitz kandidieren: Katharina Schulze.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Bayerns Grünen-Chef Dieter Janecek sowie der Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann, die beide wie Schulze "München 2018" kritisch sehen, zeigten sich empört über das Vorgehen des Referenten. In der Stadtratsfraktion ist man derweil um Schadensbegrenzung bemüht.

"Ich hoffe, dass es Lorenz schaffen wird, bald wieder von seinem Baum herunterzukommen", erklärte Janecek, für den eine interne Maßregelung von Parteifreunden völlig inakzeptabel ist. Angesichts der verfahrenen Situation hält es jedoch auch der Parteichef für unbedingt erforderlich, dass die neue Münchner Vorsitzende einen ausgleichenden Kurs einschlägt. Basis und Fraktion müssten wieder versöhnt werden.

Hartmann warf dem Münchner Umweltreferenten einen "sehr merkwürdigen Stil" vor. Schulze habe beim Freiburger Bundesparteitag lediglich den olympiakritischen Mehrheitsbeschluss der Münchner Stadtversammlung vertreten. Es könne nicht verwerflich sein, für grüne Positionen zu werben.

Lorenz hatte, wie berichtet, in einer internen Mail an den Stadtvorstand und die beiden Kandidatinnen heftige Kritik an Schulze geübt, die durch ihren Auftritt auf dem Bundesparteitag für die "völlige Isolierung der Stadtratsfraktion in der Frage Olympia" mitverantwortlich sei. Schulze stellt sich gemeinsam mit ihrer Gegenkandidatin Ilga Fink am Montagabend zur Wahl für den weiblichen Part des zweiköpfigen Stadtvorstands. Das Amt war nach dem Rückzug von Hanna Sammüller frei geworden, die Studium und Doktorarbeit nicht mehr unter einen Hut bringen konnte.

Siegfried Benker, der Vorsitzende der grünen Stadtratsfraktion, betonte, dass der Vorstoß Lorenz' keineswegs mit der Fraktion abgesprochen gewesen sei. "Es handelt sich um die persönliche Meinung von Joachim Lorenz", erklärte er. Benker zeigte aber auch Verständnis für den Umweltreferenten, dessen mühevolle Hintergrundarbeit für eine ökologische Ausrichtung der Winterspiele offenbar nicht gewürdigt werde. Da sei eine etwas emotionalere Reaktion durchaus nachvollziehbar. Benker will nun unbedingt vermeiden, dass das Bekanntwerden des Schreibens die Vorstandswahl zu einem Votum für oder gegen die Stadtratsfraktion werden lässt.

Die neue Chefin bleibt zunächst nur bis Mai im Amt, dann stehen die turnusgemäßen Vorstandswahlen an. In den Reihen der Grünen wird aber erwartet, dass die nun gewählte Kandidatin im Mai erneut antreten wird. Nikolaus Hoenning, der Inhaber des "Männerpostens" im Vorstand, ist zu einer weiteren Kandidatur bereit. In der Stadtratsfraktion, die sich in letzter Zeit häufig von der Basis brüskiert fühlt, hofft man auf eine neue Vorsitzende, die die Wogen rund ums Thema Olympia wieder glättet.

Nach SZ-Informationen hat es in den vergangenen Wochen mehrere Versuche gegeben, die für ihre ausgleichende Art bekannte Stadträtin Sabine Nallinger zu einer Kandidatur zu überreden - sie lehnte aber aus privaten Gründen ab. Die Besetzung der Chefposten gilt parteiintern noch nicht als Vorentscheidung für die Aufstellung bei der nächsten Kommunalwahl 2014.

© SZ vom 27.11.2010/isa

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