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Coronavirus:Seminar auf Stube

Neubiberg, Bundeswehr-Uni, Audimax,

Die Hörsäle der Bundeswehruniversität bleiben in diesem Trimester leer.

(Foto: Angelika Bardehlke)

Die Universität der Bundeswehr hat ihren Betrieb ganz auf digitale Lehre umgestellt. Die Studenten, die auf dem Campus wohnen, kommen mit der Situation gut zurecht - auch weil sie als Soldaten weiterhin bezahlt werden

Leere Hörsäle, kaum Studenten auf den Wegen, Sportstätten wie Tennisplätze und Schwimmbad sind geschlossen. Auch auf dem Campus der Bundeswehruniversität in Neubiberg ist wegen der Corona-Pandemie alles anders als sonst. "Seit Beginn des Trimesters am 20. April ist der Universitätsbetrieb komplett auf digitale Lehre umgestellt", sagt Michael Brauns, Pressesprecher der Bundeswehruniversität. Doch wie es aussieht, meistern Universitätsleitung, Professoren und Studierende die Ausnahmesituation vergleichsweise gut.

"Das sind neue Erfahrungen, auch für die Lehrenden", sagt Brauns. Sie hätten ihre Lehrveranstaltungen für den digitalen Betrieb anpassen müssen. "Es geht ja nicht nur um die Inhalte, sondern auch um die Didaktik", sagt er. Auch gebe es natürlich Professoren, die technikaffiner seien und andere weniger. So sitzen nun die Studierenden in ihren Stuben am Rechner und folgen den Lehrveranstaltungen per Videoschaltung. Brauns sieht die Situation ganz realistisch: "Natürlich ersetzt die digitale Lehre nicht die Präsenzlehre, wir sind ja keine Fernuni." Es sei viel schöner, wenn Studenten über den Campus schlenderten. "Aber es ist ja alternativlos", sagt er.

Die Studierenden kommen mit der Situation offenbar klar. "Wir mussten uns alle erst mit den digitalen Plattformen anfreunden, aber das funktioniert ganz gut", sagt Sascha Schlak, seit zwei Jahren Vorsitzender des studentischen Konvents. Auch bei Dozenten, die sonst vielleicht nicht so gerne mit digitalen Medien arbeiteten, klappe es sehr gut. "Das hat mich positiv überrascht", sagt er. Von den Studenten habe er bisher keine negativen Rückmeldungen erhalten.

Prüfungstermine sind aus gegebenem Anlass verschoben worden, damit die Studierenden keine Nachteile erleiden. "Die Prüfungen, die Ende März hätten stattfinden sollen, sind beispielsweise auf Ende Juni verschoben", sagt Schlak. Auch die einzelnen Dozenten kommen den Studierenden entgegen. Wenn beispielsweise ein Buch, das man für eine Hausarbeit gebraucht hätte, nicht zu bekommen ist, weil die Universitätsbibliothek noch nicht geöffnet hat, "darf man das Thema verändern oder auch auf Aufsätze zurückgreifen", berichtet der Student der Staats- und Sozialwissenschaften. Insgesamt erzählt Schlak von einer vernünftigen Arbeitseinstellung der Studenten: "Alle sind recht fokussiert und versuchen, das irgendwie gut hinzubekommen."

Auch wenn grundsätzlich am Campus viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, scheint das allgemein gültige Abstandhalten zu funktionieren. Nur 1000 der mehr als 3000 Studenten befinden sich derzeit auf dem Unigelände, die anderen sind zu ihren Familien nach Hause gefahren. In manchen Häusern auf dem Campus begegnen sich Studierende offenbar ohnehin eher selten.

Schlak wohnt zwar mittlerweile nicht mehr auf dem Unigelände, aber auch auf einem Flur mit zwölf Stuben, wie sein ehemaliger es war, laufe man sich nicht oft über den Weg, sagt er. "Alle haben einen unterschiedlichen Tagesablauf", erklärt er. Sonst wird eben aufs Abstandhalten geachtet. In der Mensa beispielsweise dürfen Studenten nur gestaffelt zum Essen gehen und nur zu bestimmten Zeiten. Außerdem wird das Einhalten von Hygieneregeln laut dem Vorsitzenden des studentischen Konvents auch kontrolliert. Welche Regeln angesichts der Krise für die Universität gerade gelten, darüber informiert die Universitätsleitung die Studierenden laufend und aktuell, auf der Homepage und per E-Mail.

Trotz der Ausnahmesituation - in einem Punkt geht es den Studierenden an der Bundeswehruni viel besser als anderen Studenten. Sie brauchen sich wegen der Finanzierung ihres Studiums nicht zu sorgen, weil für sie Nebenjobs wie Kellnern wegfallen. "Wir werden als Soldaten ja bezahlt", sagt Schlak. "Daher brauchen wir uns über das Thema Geld keine Gedanken machen." Er habe auch Kontakt mit Vertretern anderer Universitäten, da höre er von Problemen, die sie nicht hätten.

© SZ vom 06.05.2020

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