Campus Garching Studieren in der Mall

Ein Supermarkt, ein Fitnesscenter, Apartments etwa für Gastwissenschaftler, verschiedenste Restaurants, alles soll helfen, die Lebensqualität am Campus zu verbessern.

(Foto: Robert Haas)

Das neue, privat finanzierte Herz des Campus Garching steht vor der Fertigstellung. Es vereint ein Hotel, Geschäfte, Restaurants und das Audimax der TU unter einem Dach.

Von Gudrun Passarge, Garching

Grüne kleine Männchen laufen durch den Garchinger Wissenschafts-Campus und folgen rot markierten Linien. Konstantinos Gabrielides, der Projektleiter für die Vermietung des Gebäudes an der Boltzmannstraße, gibt am Computer den Weg ein. Einmal vom Physik-Department zum neuen zentralen Gebäude Galileo, das sind 493 Meter Entfernung und dauert sechs Minuten.

Das Männchen läuft durch die Straßen und Wege am Campus, alle sehr realistisch gestaltet, und findet im Galileo virtuelle Räume vor. Da stehen schon die Bürotische, und die Betten im Hotel sind bereits bezogen. Oliver Soini, geschäftsführender Gesellschafter der "Neue Mitte am Hochschulcampus Garching GmbH & Co. KG" schwärmt von den Möglichkeiten des Computerprogramms mit dem Arbeitstitel "Galileo App". "Das ist ein Mikrokosmos. Mit seiner Vielfalt verbindet er sich mit dem universitären Standort, mit den Mietern und mit den Nutzern."

Im Computer hat es fast den Anschein, als ob Galileo schon fertig ist. Dieses 200 Meter lange und 48 Meter breite Herzstück des Campus, an dem auch TU-Präsident Wolfgang Herrmann so viel liegt. Denn Galileo soll ein lebendiger Mittelpunkt des Studien- und Wissenschaftsstandorts werden, wo bald an die 20 000 Studenten und etwa 7000 bis 8000 Mitarbeiter am Campus arbeiten und studieren werden, soll mehr Lebensqualität einziehen.

Leben, lernen und die Freizeit gestalten, das alles soll das neue Gebäude bieten. Viele warten vermutlich schon auf die gastronomischen Angebote, die laut Investor "die Internationalität des Standorts kulinarisch unterstreichen". Was genau auf den Speisekarten stehen wird, kann er noch nicht verraten. Aber italienische Küche, asiatische und bayerische sind gesetzt. Das Garchinger Campus Bräu wird in die neue Mitte einziehen und dort seine Brauhausgastronomie eröffnen. Das Bier wird allerdings zunächst nicht im Galileo selbst gebraut, sondern bei der Brauerei "Camba Bavaria" in Gundelfingen an der Donau, wie Stefan Handke, Gesellschafter der Brauhausgastronomie GmbH, mitteilt.

Der Platz für dieses vielfältige Angebot ist vorhanden. Oberirdisch stehen gut 36 000 Quadratmeter zur Verfügung, die Untergeschosse bieten noch einmal etwa 30 000 Quadratmeter und mehr als 500 Parkplätze in einer Tiefgarage. Im Fitnesscenter schwitzen die Besucher schon an den Geräten, auch einige Büros, wie etwa die des Autozulieferers Dräxlmaier sind bereits bezogen, in anderen sind die Möbel noch eingepackt oder in den Räumen sind noch Handwerker zugange.

Besonders gerne präsentiert Investor Oliver Soini das Audimax, in dem auch Konzerte stattfinden könnten.

(Foto: Robert Haas)

Musik aus dem Radio dudelt, nebenan ist ein Arbeiter mit einem Staubsauger an der Decke zugange, jemand kommt mit zwei Kaffeebechern und einer Brotzeit vom Imbiss gegenüber vorbei. Geschäftiges Treiben auf einer Baustelle mit etwa 180 Arbeitern. "Was wir auch brauchen fürs Finale", sagt Oliver Soini.

Er hat das Projekt mit seiner Investment-Boutique und Geld von Investoren vor etwa einem Jahr übernommen. Die Neue Mitte GmbH ist damit der dritte Projektbetreiber. 2018 hätte der Bau eigentlich schon längst fertig sein sollen, die TU hätte die offizielle Eröffnung gerne mit Feierlichkeiten zu ihrem 150-jährigen Bestehen 2018 verbunden. Aber es klappte nicht, die Eröffnungstermine waren seit 2016 immer wieder verschoben worden.

Soini steht im Audimax, diesem imposanten Raum, der fast 1400 Studenten Platz bietet. Wegen der besonders guten Akustik sind aber nicht nur Vorlesungen hier denkbar. Auch für Konzerte, Theatervorstellungen oder Kinofilme wäre der Raum geeignet. Und, wie es auf der Homepage von Galileo heißt, auch ein Auto könnte bequem über den Lastenaufzug auf die Bühne gefahren werden.

Galileo ist ein Haus, das sowohl optisch als auch vom Angebot her heraussticht.

(Foto: Robert Haas)

Wann also wird hier die erste Vorlesung stattfinden? "Die Studenten werden zum Wintersemester 2019/20 das Gebäude mit allen Fazilitäten nutzen", sagt Soini. "Ich freue mich schon auf die Gesichter der Studenten und Professoren. Wenn ich die glänzenden Augen aller sehen werde, dann bin ich glücklich. Und sie werden glänzen."

Die Mieter des Hauses, von den Kirchen, die hier Räume für Seelsorge am Campus bekommen, bis zum Supermarkt, dem Schreibwarenladen oder dem Friseur, werden sukzessive einziehen, sagt der Investor. Es sind kaum noch freie Mietflächen verfügbar, aber Soini hat keine Bedenken, dass sich hier die passenden Mieter ansiedeln werden. Voraussetzung ist, dass sie zum Umfeld der TU passen. Das ist die Bedingung für dieses ungewöhnliche Public-Private-Partnership-Projekt. Der Freistaat hat das Grundstück mitten auf dem Campus in Erbpacht zur Verfügung gestellt und private Bauherren stellen das Haus nach den Entwürfen des Münchner Architekturbüros Nickl und Partner fertig.

Die TU wird nach der Eröffnung des Hauses größter Nutzer sein. Angesiedelt ist sie im Kongresszentrum, das unter dem Namen "Science Congress Center Munich" (SSC) firmiert, und vom Hotel verwaltet wird. Das Courtyard by Marriot in Galileo wird über 256 Zimmer verfügen, außerdem bietet es mit "The Faculty" ein Restaurant und Barbetrieb, das die Brücke schlägt zum universitären Umfeld.

Wer etwa "Coq au vin" mag, findet das unter der Überschrift "TUM goes Sorbonne Paris". Die berühmten "Fish and Chips" in abgewandelter Form finden sich unter "Mehr Elite geht kaum - Oxford & Cambridge". Zudem bietet das Stellaris Apartment Hotel 159 Apartments an. Alle drei Einrichtungen werden von der Bierwirth und Kluth Hotel Management GmbH betrieben. "Wir planen im Juli zu eröffnen mit allen drei Betrieben", sagt ein Firmensprecher.

Das grüne Männchen findet seinen Weg zum Galileo, für Soini Anlass, einige Gedankenspiele anzustellen. "Da passiert etwas ganz Fantastisches. Wie konzentrische Kreise breitet sich das aus." Die Firmen im Haus könnten sich präsentieren und Jobangebote in der App platzieren, die Fakultäten am Campus wären mit einem Link zu ihren Homepages angebunden, Edeka könnte seine Sonderangebote feilbieten und die Gastronomen ihre Wochenkarten.

Wer die App anklickt wird rundum informiert, bis hin zu den kulturellen Veranstaltungen. Studenten, etwa aus Asien, die sich im Heimatland noch informieren wollen über den Standort, könnten sich alles anschauen und auch auf Wohnungssuche gehen, durch Links zum Studentenwerk, zur Stadt Garching und den Gemeinden rundherum - kurz, der ganze Garchinger Campus abrufbar im Smartphone. Soini ist überzeugt: "Das wird eine Riesensache."

Garching 1300 Quadratmeter Freiraum für Studenten

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