Klimaschutz:Gemeinsam für die Energiewende

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Klimaschutz: 488 Photovoltaik-Anlagen gibt es in Unterschleißheim. Die Bürgerinitiative wünscht sich mehr. Die Stadt plant auch viele.

488 Photovoltaik-Anlagen gibt es in Unterschleißheim. Die Bürgerinitiative wünscht sich mehr. Die Stadt plant auch viele.

(Foto: Marijan Murat/dpa)

Eine neue Initiative will Oberschleißheim und Unterschleißheim bis 2035 zu klimaneutralen Kommunen machen. Dabei sieht sie sich nicht als Protestbewegung, sondern als Partner der Lokalpolitik.

Von Bernhard Lohr, Unterschleißheim/Oberschleißheim

Der Himmel zeigte sich am Donnerstag grau in grau. Es nieselte zwischendurch. Entsprechend mager war die Solar-Ausbeute in Unterschleißheim. In der Viertelstunde von 11.30 bis 11.45 Uhr kamen die 488 Anlagen auf 194 Kilowattstunden Strom. Nach Angaben des Energiemonitors des Bayernwerks deckte die Stadt in diesen 15 Minuten fünf Prozent ihres Bedarfs regional und damit weitgehend regenerativ. Aus Sicht der neuen Bürgerinitiative "Klimaneutral 2035" für Unterschleißheim und auch Oberschleißheim, die sich am Mittwochabend im Bürgerhaus gegründet hat, muss dieser Wert schnell steigen. Und zwar durch eine gemeinsame Kraftanstrengung. "Im Grunde sind wir dafür da, die Politik und die Verwaltung zu unterstützen", sagt Lena Gierl, eine der Initiatorinnen.

Etwa 40 Personen waren laut Gierl gekommen, als im Festsaal das Bündnis nach dem Vorbild der gleichnamigen Initiative in Neubiberg aus der Taufe gehoben wurde. Darunter waren Vertreter von Parteien und Agenda-21-Gruppen sowie bisher nicht engagierte Bürger, die der Klimawandel umtreibt. Fünf Referenten trugen vor, was man angehen will, und es wurden Arbeitsgruppen gegründet, die sich um Photovoltaik, Wärmeversorgung, Windkraft, Müll und Mobilität kümmern werden. Auch mit der Moor-Wiedervernässung will man sich beschäftigen. ÖDP-Stadtrat Bernd Knatz war dabei. Der langjährige Kämpfer für eine Energiewende bekennt bei aller Sympathie für das Engagement, "der ganzen Sache etwas skeptisch" gegenüber zu stehen. Es werde eine Menge unternommen. Jetzt komme "wie aus dem Nichts" eine Gruppierung dazu. Es werde wieder Gutachten geben. Er befürchte Doppel-Strukturen und doppelte Arbeit.

Es ist aber auch ein neues Format, das sich bewusst nicht politisch verortet und sich als lokale Kraft und Partner der Verantwortlichen in der Kommune versteht. Man wolle mit Fachvorträgen vor allem informieren, heißt es. Zwei Homepages für Unterschleißheim und Oberschleißheim sind freigeschaltet. Andrea Wörle, die sich in der Initiative einbringt, sagt, viele Faktoren könnten "von uns selbst in den Gemeinden durch diverse Maßnahmen unmittelbar beeinflusst werden, privat, gewerblich und öffentlich". Dort wolle man ansetzen: Also keine Demonstrationen wie bei "Fridays for Future" und keine Blockaden oder öffentlichkeitswirksamen Proteste wie bei der Gruppe "Letzte Generation".

Allerdings ist das Ziel ehrgeizig, bis 2035 ohne fossile Brennstoffe auskommen zu wollen. Unter anderem lässt sich am Energiemonitor, den das Bayernwerk für Kommunen anbietet, ablesen, wie schwer das zu erreichen sein dürfte. Für Unterschleißheim ist dieses Online-Tool nach Aussage von Klimaschutz-Managerin Petra Halbig seit kurzem online. Eine nachhaltige, lokale Abdeckung des Strombedarfs von fünf Prozent sei wenig, räumt Halbig ein. Sauerlach erreicht 79 Prozent, Brunnthal 73, Oberhaching 48 und Unterhaching 18.

Doch die Kommunen sind nicht vergleichbar. Flächen-Gemeinden mit vielen Einfamilienhäusern sind bei Photovoltaik im Vorteil. Der Verbrauch durch Industrie und Gewerbe bewegt sich in Unterschleißheim auf anderem Niveau. Klimaschutz-Managerin Halbig hält den Energiemonitor dennoch für ein gutes Instrument zur Standortbestimmung. Er soll bald auf der Homepage der Stadt prominenter platziert werden. Damit ist man im Übrigen Neubiberg voraus. Dort wirbt die Klimaneutral-Initiative erst dafür, dass die Gemeinde bei dem Monitoring mitmacht.

Rathaus und BI-Aktivisten stehen schon einige Zeit in Kontakt. Halbig suchte bei der Veranstaltung im Bürgerhaus das Gespräch und berichtete von einem weiteren Termin in Kürze. Sie begrüßt die Initiative und hält die Aktivisten für wertvolle Multiplikatoren. Deren Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, schätzt sie als ausgesprochen ambitioniert ein. Die Stadt selbst sei auf gutem Weg. Photovoltaik auf öffentlichen Dächern werde gerade massiv ausgebaut. Zum schwachen Wert des Energiemonitors sagt Halbig: "Das wird sich schon sehr, sehr bald ändern."

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