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Bauarbeiten:Pendler kommen kaum zum Zug

Mit Krücken oder Gepäck ist die Treppe besonders schwer zu überwinden.

(Foto: Claus Schunk)

Der S-Bahnhof Feldkirchen wird barrierefrei ausgebaut. Deshalb müssen die Fahrgäste seit fast einem Jahr über eine provisorische Treppenkonstruktion über die Gleise steigen. Vor allem im Winter ist das gefährlich.

50 Stufen nach oben, 43 nach unten - so sieht momentan das eher unfreiwillige alltägliche Sportprogramm vieler Pendler aus, die auf den Feldkirchner Bahnhof angewiesen sind. Seit März vergangenen Jahres wird die Haltestelle ausgebaut. Unter anderem soll die Personenunterführung saniert und auf der Nordseite des Bahnhofs verlängert, ein Aufzug von der Unterführung zum Bahnsteig eingebaut sowie eine Rampe für Rollstühle und Kinderwägen errichtet werden. Doch von einem barrierefreien Zugang, wie er angestrebt wird, ist der Bahnhof weit entfernt.

Denn aufgrund der Bauarbeiten gelangen Fahrgäste momentan nur über eine provisorische Gerüsttreppe zu den Gleisen. Und diese erregt den Unmut der Pendler. Besonders die winterlichen Wetterverhältnisse der vergangenen Tage verursachten zahlreiche Probleme, denn weder die Treppenstufen noch der verbindende Steg sind überdacht. Schnee blieb auf den Stufen liegen, Eis machte die Treppe rutschig und Wasser bildete Pfützen auf der Brücke, überflutete diese zum Teil fast vollständig.

"Das ist natürlich schon ein Zustand", meint Alexander Selzer. Er pendelt täglich zur Arbeit nach Feldkirchen und hat häufiger beobachtet, dass der Holzbelag der Brücke sich mit Wasser vollsaugte oder sich Pfützen bildeten. Er hält die Treppe für ein großes Sicherheitsrisiko. Auch Marion Schmidbauer schätzt die Situation als gefährlich ein. "Früher war der Schnee auf der Treppe wie Schmierseife, das ist durch einen neuen Belag besser geworden. Aber momentan ist der Schnee festgetreten und wird zu Eis", berichtet die Feldkirchnerin.

Eine Sprecherin der Bahn betont: "Wir haben einen Winterdienst beauftragt, mit dem wir uns beständig abstimmen. Die Verkehrssicherungspflicht obliegt der Deutschen Bahn." In den vergangenen Tagen seien die Räumdienste im Dauereinsatz gewesen. Schmidbauer sagt allerdings: "Den festgetretenen Schnee räumt keiner weg." Die Pendlerin hat den Eindruck, "dass sich niemand wirklich um den Bahnhof kümmert." Denn meist beobachte sie nur wenige Bauarbeiter. "Es sieht nicht so aus, als würde da mit Hochdruck gearbeitet werden", sagt sie.

Der Zugang zum Bahnsteig führt über viele Stufen, auf denen sich im Winter der Schnee festtritt.

(Foto: Claus Schunk)

Alexander Selzer berichtet zudem, dass das Gerüst mit der Zeit immer unsicherer werde. "Die Treppe wackelt immer stärker, da frage ich mich schon, ob sie auf eine längerfristige Belastung ausgelegt ist", gibt der Pendler zu bedenken. "Normalerweise stehen derartige Tribünen ja nur kurz, in Feldkirchen ist das aber mittlerweile ein Dauerzustand." Die Bahn sieht hier allerdings kein Problem. Die Treppe sei unabhängig von der Standzeit geplant und geprüft worden, der Steg sei nach den anerkannten Regeln der Technik gebaut worden.

Alexander Selzer ist noch gut zu Fuß, wie er sagt. Doch gerade ältere Bürger hindert die Treppe daran, mit der S-Bahn zu fahren. Viele nutzen den Bahnhof nicht mehr, steigen stattdessen um auf die nahegelegene U-Bahn in der Messestadt, die von Feldkirchen aus mit dem Bus erreichbar ist. "Diese Treppe ist für ältere Herrschaften ganz schlecht", merkt ein Rentner an.

Dauerbaustelle am Haarer Bahnhof

Haar - Wenn die Bahn-Kunden in Haar von einem provisorischem Treppenzugang zum Bahnsteig lesen, denken sie sofort an ihren Bahnhof. Der ist seit Monaten eine Baustelle. Auch wenn auf der Nordseite mittlerweile - auf Kosten der Gemeinde - ein barrierefreier Zugang mit einer Rampe geschaffen wurde, herrscht auf der Südseite seit längerem Stillstand. Der Hauptzugang zur Bahnsteigunterführung führt bei winterlichen Verhältnissen über eine enge, verwinkelte Treppe. Und die Aufzüge, die von der Unterführung hinauf zum Bahnsteig führen, funktionieren seit Monaten nicht. Erst waren Arbeiter längere Zeit damit beschäftig, die Aufzüge auszutauschen. Jetzt werden die neuen, wie es aus dem Rathaus heißt, aus unbekannten Gründen nicht freigegeben.

Wie aus dem Rathaus zu erfahren ist, soll Ende Februar oder Anfang März die fehlende Lärmschutzwand am Bahnhof eingebaut werden. Der Bahnsteigzugang im Süden wird dann wohl zwei Wochen gesperrt. Ende März oder Anfang April soll noch ein Dach errichtet werden. In Kürze will sich das Rathaus von DB Station & Service erläutern lassen, was es mit den Aufzügen auf sich hat. belo

Dass sie so lange stehen bleiben müsse, sei eine Zumutung. Klara Lehmann hat die S-Bahn öfter genutzt. Mittlerweile fährt sie ebenfalls lieber mit der U-Bahn. "Da fühle ich mich sicherer", sagt die 79-Jährige. "Mit der Treppe traue ich mich einfach nicht mehr." Sie habe auch beim Abstieg mit den vielen Stufen zu kämpfen gehabt, ihr Knie habe ihr dabei Probleme bereitet.

Die 90-jährige Hedwig Worf fährt häufig mit dem Rad. Die Treppe am Bahnhof meide sie dagegen, der Aufstieg sei ihr zu anstrengend. "Ich bin jetzt schon lange nicht mehr in die Stadt gefahren", sagt sie. Wenn der neue Bahnhof fertig ist, wolle sie ihn durchaus wieder nutzen. "Aber momentan habe ich da Schwierigkeiten." Trotzdem bleiben die Feldkirchner Senioren gelassen. Man könne sowieso nichts an der Situation ändern, sagen einige. Und Klara Lehmann sieht sogar etwas Positives an der hohen Treppe: "Von oben hat man immerhin eine gute Fernsicht", meint sie lachend.

Feldkirchens Bürgermeister Werner van der Weck (SPD) findet klare Worte für die derzeitige Situation: "Das ist eine Katastrophe." Mehrfach drückte er sein Verständnis für die Beschwerden der Bürger aus, doch er betont auch, dass die Gemeinde den Vorgang "weder anschieben noch bremsen" könne. Einen eigenen Winterdienst dürfe das Rathaus nicht einsetzen, da sich die Treppe auf dem Gelände der Bahn befinde.

"Die umfassendste Kontrolle des Winterdienstes sind unsere Bürger", sagt van der Weck. Denn diese würden der Gemeinde immer wieder berichten, wie es um die Räumarbeiten und die Sicherheit auf der Treppe bestellt sei. Alle Beobachtungen würden sofort an die Bahn weitergegeben. "Das ist das einzige, das wir machen können, um Druck aufzubauen", meint der Bürgermeister.

Dass die Treppe nicht nur ein Ärgernis, sondern tatsächlich ein Sicherheitsrisiko darstellt, zeigen mehrere Stürze. Ein Sprecher der Bahn betont zwar, es seien bislang noch keine Zwischenfälle auf der Brücke bekannt. Selzer jedoch erzählt: "Einige meiner Kollegen sind dort gestürzt, ich habe auch schon von größeren Unfällen gehört."

Bürgermeister van der Weck weiß von einer besonders hartnäckigen Verletzung, die sich ein Mann bei einem Sturz zugezogen hatte. "Er hatte eine tiefe Fleischwunde, die im Krankenhaus behandelt werden musste." Wer bei derartigen Unfällen hafte, kann die Bahn nicht pauschal klären: "Haftungsfragen sind stets individuell zu betrachten und je nach Einzelfall zu bewerten", erläutert eine Sprecherin des Unternehmens.

Nach Aussagen der Bahn ist es nicht möglich, die Treppe vor Abschluss des Umbaus zu entfernen. "Die Arbeiten werden voraussichtlich im zweiten Quartal 2019 soweit fertiggestellt, dass eine reibungslose Nutzung möglich ist", so die Bahnsprecherin. Van der Weck hofft, dass sich nicht noch weitere Verzögerungen ergeben. "Ich bin begierig, das zu glauben." Alexander Selzer hat ebenfalls gehört, dass der Umbau im Sommer 2019 abgeschlossen sein soll. "Die Jahreszahl ist aber gegebenenfalls variabel", fügt er lachend hinzu.

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