Bahnhof Deisenhofen Die Uhr, die niemand reparieren darf

Die Uhr am Bahnhofsgebäude in Deisenhofen zeigt zu jeder Tages- und Nachtzeit zehn nach drei.

(Foto: Claus Schunk)

Die Gemeinde hat der Bahn das Empfangsgebäude des Bahnhofs Deisenhofen abgekauft - jedoch nicht die kaputte Uhr.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Man könnte meinen, im Zeitalter des Smartphones schaut sowieso keiner mehr auf öffentliche Uhren. Dass vor allem an Bahnhöfen doch noch ein großer Wert darauf gelegt wird, dass auf Stunden- und Minutenzeiger Verlass ist, zeigt sich derzeit in Oberhaching. Die dortige Bahnhofsuhr ist kaputt. Und das schon seit Monaten.

Wie viele Anrufe deswegen bereits im Rathaus eingingen, lässt sich nicht mehr genau nachvollziehen. Wie oft die Verwaltung wegen dieses zeitlosen Zustands an der S-Bahnstation Deisenhofen schon mit den Leuten von der Bahn telefonierte, hat auch keiner mehr mitgezählt. Geändert hat all das bislang nichts. Die Uhr steht. Dort ist es immer zehn nach drei.

Nun sind die meisten Bahnreisenden und S-Bahn-Pendler in Oberhaching der Ansicht, man solle die Uhr doch einfach mal reparieren. Doch dies erweist sich als reichlich kompliziert. Die Uhr hängt am sogenannten Empfangsgebäude des Bahnhofs, ein schmucker dreigeschossiger Backsteinbau aus dem Jahr 1875. Er gehört seit 2014 der Gemeinde. Sie hat das Haus der Bahn abgekauft, um hier ein Café und öffentliche Toiletten einzurichten.

Im Rathaus hat man darüber nachgedacht, einfach eine zweite Uhr aufzuhängen

Was sie offenbar aber nicht mit erworben hat, ist die Bahnhofsuhr. Daher kann die Gemeinde nicht einfach die Leute vom Baubetriebshof vorbeischicken und an der Uhr herumschrauben lassen. Und natürlich darf auch keiner das Ding einfach abhängen und durch eine zuverlässig funktionierende Uhr ersetzen. Weil aber die Pendler in Oberhaching langsam ungeduldig werden und sogar bei der Bürgerversammlung im November das Thema ansprachen, hat man im Rathaus sogar schon darüber nachgedacht, einfach eine zweite Uhr neben diese fehlerhafte Anzeige zu hängen. Man könnte dann darauf hinweisen, welches die richtige Oberhachinger Zeit sei, sagt Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) scherzhaft. "Doch da würden wir Ärger mit dem Denkmalschutz bekommen", vermutet er.

So versucht er, seine Bürger erst einmal damit zu trösten, dass die Uhr am Bahnhof immerhin zweimal am Tag die richtige Zeit anzeigt. Ärgerlich sei das allerdings oft für diejenigen, die die Bahn um 15.12 Uhr bekommen wollen und denken, sie hätten noch zwei Minuten. Doch könnte sich bald etwas tun. Sowohl die Bauverwaltung im Rathaus als auch die Bahn bestätigen, dass sie wegen der Uhr in Verhandlungen stehen. Wie ein Bahnsprecher erklärte, könnte die Gemeinde die Uhr übernehmen und wäre dann selbst für die Stromversorgung zuständig. "Wir übernehmen aber keine kaputte Uhr", stellt Schelle klar.

Eine Alternative dazu wäre laut dem Bahnsprecher, die Uhr einfach abzuhängen, was laut Schelle wohl auch geschehen wird. Bei der Bahn ist man davon überzeugt, dass die Uhr eigentlich gar nicht benötigt würde. Schließlich gebe es auf den Bahnsteigen in Deisenhofen weitere Uhren. "Auf die schaut man doch, wenn man auf den Zug wartet", sagt der Bahnsprecher, und die gingen alle richtig. Schelle sieht das anders. Er will die kaputte Uhr durch eine gemeindeeigene, funktionierende ersetzen.

Bahn und Bus Das Bahn-Debakel

Verkehr

Das Bahn-Debakel

Die Bahn war mal ein Symbol für Verlässlichkeit. Heute ist der Ausnahmezustand bei ihr häufig normal. Über einen Weltkonzern, der sich von seinen Passagieren entfremdet.   Essay von Markus Balser