Isartal Alles dicht Richtung Süden

Im August endet die S7 nach Wolfratshausen in Baierbrunn.

(Foto: Claus Schunk)

Als wäre die Sperrung der B 11 nicht genug: Im August fällt auch die S 7 ab Baierbrunn aus. Die Planer sprachen sich offenkundig nicht ab.

Von Ingrid Hügenell, Baierbrunn/Schäftlarn

Wer sich derzeit im Isartal in Nord-Süd-Richtung zwischen Icking und Pullach bewegen will, hat es schwer. Denn die Sperrung der Bundesstraße 11 in Hohenschäftlarn zwingt Autofahrer zu weiten Umwegen. Nicht wenige sind deshalb auf die S-Bahn umgestiegen.

Doch von 19. August bis 12. September funktioniert auch das nur eingeschränkt. Denn die Bahn erneuert in dieser Zeit die Gleise zwischen Ebenhausen und Icking und überdies eine Weiche im Bereich von Hohenschäftlarn. Die S 7 fährt dann nicht mehr bis Wolfratshausen, die Fahrgäste müssen auf Ersatzbusse umsteigen.

Tagsüber verkehrt die S 7 immerhin bis Ebenhausen. In den Nächten aber kann man von München aus nur bis Baierbrunn fahren, wo dann der Schienenersatzverkehr beginnt, wie Bahn-Pressesprecher Bernd Honerkamp sagt. Die Ersatzbusse hätten die Erlaubnis, durch die Straßenbaustelle zu fahren, die ansonsten für jeden Fahrzeugverkehr tabu ist.

Der eine wusste nichts von der Baustelle des anderen

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Strecke komplett von Baierbrunn an zu sperren. Als aber im Februar im Münchner Landratsamt die im Landkreis geplanten Baustellen besprochen wurden, sei aufgefallen, dass die Straßen- und die S-Bahn-Baumaßnahme nebeneinander nicht funktionieren. Offenbar informieren sich die Behörden untereinander nicht automatisch. Die DB Netz AG, die für die Instandhaltungsmaßnahmen an den Gleisen zuständig ist, habe ihre Baustelle ans Eisenbahnbundesamt gemeldet, das Straßenbauamt sei aber nicht informiert worden. "Es ist aber auch nicht passiert, dass das Straßenbauamt die S-Bahn informiert hat, dass die Straße gesperrt wird", sagt Honerkamp.

Baierbrunn Vollsperrung auf der B 11
Baierbrunn/Schäftlarn

Vollsperrung auf der B 11

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Als man davon erfahren habe, habe man "das Mögliche getan. Man kann die Baustelle aber auch nicht mehr stoppen." Schließlich werde zwei Jahre im Voraus geplant und die Gleiserneuerung auf der S 7 muss mit anderen Baumaßnahmen im S-Bahn-Netz koordiniert werden.

Wer sich den Schienenersatzverkehr nicht antun möchte, kann aufs Fahrrad umsteigen. So wie Cornelia Zechmeister, Bauamtsleiterin der Gemeinde Icking, die in Pullach lebt und dort Zweite Bürgermeisterin ist. "Den Umweg mit dem Auto tu' ich mir nicht an", sagt sie. Bisher fährt sie mit der S-Bahn in die Arbeit. Wenn aber die Gleise erneuert werden, tritt sie eben in die Pedale. Auch die Gemeinde Icking sei ihres Wissens nach offiziell nicht informiert worden, sagt Zechmeister. Offenbar geben Bahn- und Straßenbaubehörden Informationen nicht automatisch weiter, erwarten aber doch, dass sie von den Plänen der anderen in Kenntnis gesetzt werden.

Die Gleise werden auf einer Länge von 2,5 Kilometern erneuert, dafür müssen 7000 Tonnen Schotter ausgetauscht werden. Die Erneuerung kostet etwa 1,7 Millionen Euro. Gearbeitet wird auch nachts, dabei wird der Lärm der Baumaschinen zu hören sein. "Signalhörner brauchen wir aber nicht", sagt Honerkamp. Denn die würden nur eingesetzt, um die Bauarbeiter auf der Strecke vor herannahenden Zügen zu warnen, was auf der eingleisigen Strecke aber unnötig ist.