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Bahnhof:Oberhaching dreht an der Uhr

Immer noch zehn nach drei. Bald wird die Uhr am Deisenhofer Bahnhof wieder die richtige Zeit anzeigen.

(Foto: Claus Schunk)

Seit Monaten stehen die Zeiger an der Deisenhofener S-Bahn-Station still, weil niemand zuständig schien. Jetzt steht fest: Oberhaching hat den Chronografen seinerzeit mitsamt der Station gekauft - und darf ihn daher reparieren.

Der zeitlose Zustand am Bahnhof Deisenhofen soll bald der Vergangenheit angehören. Bahnreisende, die sich schon seit Monaten über die Uhr an der Station ärgern, auf der es immer zehn nach drei ist, werden es kaum glauben: Demnächst sollen Minuten- und Stundenzeiger der guten alten Bahnhofsuhr wieder in Bewegung gesetzt werden. Die Gemeinde Oberhaching selbst wird Deisenhofen aus der Zeitschleife befreien. Denn sie hat festgestellt: Das Ding gehört uns doch.

Die Geschichte der Bahnhofsuhr am schmucken Backsteingebäude ist eine Angelegenheit voller Missverständnisse. Sie beginnt mit dem Kauf des Bahnhofs durch die Gemeinde im Jahr 2014, um dort ein Café und öffentliche Toiletten einzurichten. Natürlich sollte auch die Uhr weiterhin den S-Bahnkunden die Zeit anzeigen. Nur irgendwann gab die ihren Geist auf und lange wusste keiner in Oberhaching so wirklich, wer zuständig ist für die kaputte Uhr. Ist es die Bahn, die für technische Einrichtungen am Bahnhof verantwortlich blieb? Oder ist es doch die Gemeinde als Besitzerin des Gebäudes?

So sehr sich das Rathaus auch um Aufklärung bemühte, um nicht unrechtmäßig an der Uhr herumzuschrauben - die Verwaltung bekam lange keine klare Auskunft in dieser Angelegenheit und ging daher davon aus, dass sie den Bahnhof ohne die Uhr gekauft hätte. Das klang zwar seltsam, doch wer mit der Bahn zu tun hat, wundert sich ob der vielen verschiedenen Zuständigkeiten nicht wirklich über solche Eigenartigkeiten. Auch Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) konnte monatelang nichts anderes tun, als seine Bürger zu vertrösten. Die letzte Info, die er Mitte Januar zu dem Thema bekommen hatte, war ein Angebot, die Uhr zu kaufen. Aber das wollte er dann auch nicht, denn wer kauft schon eine kaputte Uhr?

Die Uhr ist gar nicht kaputt, sie hat nur keinen Strom

Nun stellte sich aber heraus: Die Uhr gehört der Gemeinde längst. Die Bahn hat "den Vorgang zwischenzeitlich geprüft" und stellt fest: "Die Bahnhofsuhr ist mit dem Verkauf des Gebäudes tatsächlich auf die Gemeinde übergegangen." Das teilte die DB Immobilien der Verwaltung sowie einem Oberhachinger Bürger mit, der sich ebenfalls an die Bahn gewandt hatte. Die Bahn sagt auch: Die Gemeinde darf nun selbst entscheiden, was sie damit macht.

Da Bürgermeister Schelle weiß, wie wichtig den Oberhachingern ihre Uhr ist, will er sie reparieren lassen. Mittlerweile hat sich auch herausgestellt: Sie ist gar nicht defekt, es wurde lediglich die Stromleitung der Bahn gekappt. Es wäre also ein Leichtes für den Elektriker der Gemeinde, eine neue zu verlegen. Doch allein das reicht nicht, um die Uhr wieder in Gang zu bringen. Benötigt werde noch ein "Funkmodul", wie Franz Wagner, im Rathaus zuständig für die Liegenschaften, erläutert. Bestellt wurde das Teil bereits. Aber das war nicht ganz einfach. "Wir mussten erst einmal herausfinden, welches Modul wir da brauchen", so Wagner. Im Laufe ihrer Recherche stellten die Oberhachinger fest: Wir sind mit dem Problem nicht alleine. Und bekamen von den Besitzern eines anderen Bahnhofs den entscheidenden Tipp.