Dürre Der Feuerteufel hat leichtes Spiel

In Haar bewässert die Gemeinde Straßenbäume mit Hilfe von Säcken.

(Foto: Claus Schunk)

Die anhaltende Trockenheit macht nicht nur den Landwirten zu schaffen. Sie erhöht auch die Waldbrandgefahr und nährt Befürchtungen, dass der seit Jahren im Münchner Osten aktive Zündler wieder zuschlägt.

Von Michael Morosow, Grasbrunn/Aying

Der heilige Florian wird unter anderem angerufen bei Brandgefahren und großer Dürre, und so kann man davon ausgehen, dass ihn in den vergangenen Tagen viele Stoßgebete erreicht haben - von Landwirten, die hilflos dabei zusehen müssen, wie die Saat im staubtrockenen Boden verdörrt, von Waldbauern, denen dehydrierte Fichten vor die Füße kippen und die Borkenkäfer um die Ohren fliegen, und nicht zuletzt von den Feuerwehren gerade im östlichen Landkreis, die sich seit Wochen in Habachtstellung befinden, weil sie quasi stündlich mit einer weiteren Brandstiftung des unbekannten Serientäters rechnen müssen.

Dieser nutzt regelmäßig trockene Waldgräser als Brandbeschleuniger, und das Riedgras ist seit Wochen trocken wie Heu. Und die größte Angst, die derzeit über die Wiesen, Felder und Wälder schleicht, hat der Deutsche Wetterdienst (DWD) erst am Mittwoch formuliert: Bei anhaltender Trockenheit könnte Deutschland auf einen weiteren Dürresommer zusteuern.

Wer in diesen Tagen im Wald spazieren geht, hört schon beim ersten Schritt, wo das Problem der Waldbauern liegt: Es knirscht unter den Füßen, als trete man auf trockenen Reisig. "Niederschläge wären jetzt dringend notwendig. Wenn der Sommer so wird wie 2018, dann können wir einpacken", sagt der Sauerlacher Waldbauer Johann Killer, Vorsitzender der Waldbesitzervereinigung Wolfratshausen. Während er und andere Waldbauern im Süden und Norden des Landkreises schon genug damit zu tun haben, die durch Dürre und Borkenkäfer geschädigten Bestände vor dem Kollaps zu bewahren, kommt für die Waldbesitzer im Osten die Angst vor dem Feuerteufel dazu.

Sie erinnern sich noch gut an die Serie von Brandlegungen zur gleichen Jahreszeit 2018 in Wäldern um Hohenbrunn, Grasbrunn, Trudering und anderen Ortschaften im Münchner Osten. Neun Mal innerhalb weniger Wochen hatte der Zündler zugeschlagen, auch dann noch, als der Fahndungsdruck auf ihn durch den Einsatz von Spürhunden, berittener Polizei, Hubschrauber und Wildkameras exorbitant verstärkt worden war.

Hannes Bußjäger, Kommandant der Grasbrunner Feuerwehr, geht davon aus, dass die beiden bisherigen Waldbrände im laufenden Jahr auch auf das Konto des unbekannten Serientäters gehen. Am 28. Februar hat es im Truderinger Wald und in der Nacht zum Dienstag in einem Jungwald auf Grasbrunner Flur gebrannt. "Es ist wieder alles hergerichtet, die Tanks sind gefüllt", sagt Bußjäger und schiebt ein "leider" hinterher.

Denn der präventive Aufwand, den Polizei und Feuerwehr wegen der latenten Brandgefahr haben, ist enorm. Dass gefüllte Wassertanks strategisch sinnvoll platziert werden, ist der Tatsache geschuldet, dass die Brandherde, so wie zuletzt in Grasbrunn, bis zu zwei Kilometer vom nächsten Wasseranschluss entfernt liegen. Auch Bußjäger wäre dem heiligen Florian dankbar, wenn er die Brandgefahr verringern könnte. "Regen am Wochenende wäre super", sagt der Kommandant, der ob des riesigen Gebietes, in dem der gesuchte Brandstifter seit Jahren wütet, sich mit den Kollegen der anderen Inspektionen abspricht und wie im Vorjahr stets den Horizont im Blick hat, sollte dort eine Rauchsäule aufsteigen.

Dass seit Dienstag ab und an Flugzeuge der Luftrettungsstaffel über den Wäldern im Landkreis München kreisen, hat dabei nichts mit dem Feuerteufel zu tun. Weil aufgrund zunehmender Trockenheit der Waldbrandgefahren-Index für Teile im nördlichen und südöstlichen Oberbayern aktuell eine hohe Waldbrandgefahr (Stufe vier) ausweist, hat die Regierung von Oberbayern die Luftbeobachtung zunächst bis einschließlich diesen Donnerstag angeordnet. Die Beobachtungsflüge finden einmal täglich jeweils nachmittags statt. Der Leiter der Luftrettungsstaffel, Christoph Fürst, geht nach eigener Darstellung aber davon aus, dass seine Leute auch in der kommenden Woche noch über die Wälder fliegen werden.

Dass die langhaltende Trockenperiode stets auch von steifem Ostwind begleitet ist, macht auch das Leben der Landwirte schwer, trocknet dieser doch die oberen Ackerschichten aus, wie etwa Balthasar Huber, Land- und Forstwirt in Aying, beklagt. Selbst wenn er wollte, könnte er nicht zum letzten Mittel greifen, um zum Beispiel die Sommergerste zu retten, und das Feld bewässern.

Aying liegt auf der Schotterebene, das Regenwasser sickert schnell durch die Gesteinsschichten - Huber müsste das Gießwasser aus circa 40 Metern von mächtigen Pumpen nach oben fördern lassen. "Das wäre wirtschaftlich nicht sinnvoll", sagt Huber. Vor dem gleichen Dilemma steht Mathias Westermeier, Landwirt im Kirchheimer Ortsteil Hausen, aber er hat sich für das Bewässern seiner Felder entschieden. "Saat und Dünger sind draußen, und die Pflanze verreckt, da kann ich nicht zuschauen", sagt der Bauer.

Um ihre Bäume nicht auf dem Trockenen stehen zu lassen, hat sich die Gemeinde Haar 50 Bewässerungssäcke angeschafft. Sie dienen hauptsächlich dazu, die Bäume entlang der Feldkirchner Straße zu bewässern. 60 Liter Wasser fasst jeder Sack, der um den Baumstumpf gewunden wird. Innerhalb von fünf bis acht Stunden, so Bauamtsleiter Alex Brand, tröpfelt das Wasser durch kleine Löcher ins Erdreich.

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