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Architektouren im Landkreis:Laptops in der Lagerhalle

In der Arena hören die Mitarbeiter Vorträge. Wer danach schlapp ist, kann sich auf der "Rückzugsgalerie" in einem Sitzsack ausruhen oder sich von der Kaffeebar ein Getränk holen.

(Foto: Claus Schunk)

Ein IT-Dienstleister hat in Aschheim ein außergewöhnliches Ambiente für seine Mitarbeiter geschaffen. Bei den Architektouren wird es vorgestellt.

- Es soll nicht perfekt aussehen - nicht einmal fertig sein. Deshalb sind die Wände nicht gestrichen, sondern aus rohem Beton. Deshalb sieht man noch die Rohre und Lüftungsschächte. Deshalb besteht der Boden aus unbehandelten Holzbrettern. Und deshalb hängen als Schallschutz weiße Leinwände von der Decke.

All das Provisorische, Industrieloft-mäßige ist gewollt. Die Mitarbeiter sollen sich den Raum zu Eigen machen. Hier etwas hinhängen, dort etwas an die Wand kleben - nur keine Scheu haben. Das Ziel: eine Start-up-Atmosphäre, ein möglichst kreatives Umfeld, in dem jeder etwas schaffen möchte. Und dazu passt auch der Name: Innovationswerkstatt.

Dabei hat das Unternehmen, das die Räumlichkeiten in Aschheim nutzt, mit einem Start-up ziemlich wenig gemeinsam. Die Firma Fiducia GAD ist ein großer IT-Dienstleister und schuf die Innovationswerkstatt für ihre Mitarbeiter, baute eine alte Lagerhalle um, schmiss Europaletten und Rolltore raus. Und dafür kamen Fenster, bunte Stühle, Tische, Sitzsäcke rein - und Tafeln, wie man sie in Schulen schon lange nicht mehr sieht. "Weiße Boards hätten wir zu steril gefunden", sagt Josef Dantscher, der die Innovationswerkstatt betreut. Und deshalb gibt es jetzt wieder Schwamm und Kreide.

Fremde haben sonst keinen Zutritt

Normalerweise arbeiten hier Mitarbeiter an neuen Ideen und Projekten. Zutritt haben Fremde eigentlich nicht. Doch am Samstag gibt es im Rahmen der Architektouren die Möglichkeit, sich diesen außergewöhnlichen Arbeitsplatz einmal anzuschauen. Zwei Führungen finden statt - einmal von 10 bis 12 Uhr und dann von 14 bis 16 Uhr. Treffpunkt ist vor dem Eingang der Innovationswerkstatt an der Karl-Hammerschmidt-Straße 44.

Organisiert werden die Architektouren von der Bayerischen Architektenkammer. Dieses Jahr kann man am Samstag und Sonntag in ganz Bayern mehr als 200 Projekte besichtigen. Auch im Landkreis München sind einige spannende Gebäude dabei - Wohnhäuser, eine Schule, Labore, ein Kindergarten, ein Geothermiewerk - und eben die Innovationswerkstatt in Aschheim.

Die ehemalige Lagerhalle ist in verschiedene Zonen aufgeteilt. In der Mitte gibt es eine kleine Kaffeebar. Ein Mitarbeiter steht mit seinem Laptop am Holztresen. Dahinter ist der sogenannte "Marktplatz". Der heißt nicht so, weil hier Obst und Gemüse verkauft werden, sondern weil die Mitarbeiter, die hier sitzen, damit rechnen müssen, angequatscht und zu ihrer Arbeit befragt zu werden. Ein paar sitzen um einen großen Tisch, auf einer Leinwand leuchtet eine Powerpoint-Präsentation. Am Tisch daneben starren wieder zwei Männer in ihre Laptops. Es ist nicht wirklich laut, aber es ist einfach viel los.

Und deshalb gibt es für Meetings, bei denen es nicht so gut ankommt, wenn ständig jemand dazwischenredet, extra Räume. Privatsphäre muss aber auch dort der Coolness weichen. Abgetrennt sind die Meetingräume vom Rest nur durch eine Glasscheibe - jeder kann also jederzeit reinschauen.

Wer wirklich einmal seine Ruhe braucht, kann sich in die "Fokuszellen" zurückziehen. Von außen sehen sie wie Telefonzellen in einem Hotel aus. Innen ist dann aber doch ein bisschen mehr Platz: Bank, Tisch und Stuhl passen immerhin rein. Eine kleine Lampe hängt von der Decke, ein Fenster gibt es nicht. Einen ganzen Acht-Stunden-Arbeitstag hält man es hier bestimmt nicht aus. Gemütlicher ist es auf der sogenannten "Rückzugsgalerie" - es gibt Sitzsäcke und Fellteppiche.

Redner in der Arena

Und für eine kurze Ablenkung von der Arbeit kann man einfach von der Galerie nach unten schauen. Und sieht: viele Laptops, viele gut gekleidete Menschen und die "Arena". Wie in einem kleinen griechischen Amphitheater sitzen die Mitarbeiter da und hören einem Redner zu.

Auf etwas mehr als 400 Quadratmeter passiert in der Innovationswerkstatt eine Menge. Die Architekten Rebecca und Peter Schorr wollten, dass jeder für sein Projekt einen Platz findet. Dass es nicht zu laut wird, klappt nur, indem alle Rücksicht nehmen. Die Nachfrage nach einem Arbeitsplatz hier, sagt Josef Dantscher, sei trotzdem groß. Eben wegen der arbeitsamen Start-up-Atmosphäre.