Alternative  Energie:Vergärungsanlage wird zum Müll-Umschlagplatz

Brunnthal, Kirchstockach, Geothermieanlage, Biovergärungsanlage der SWM und Ganser, Neubau einer Wärmeaustauschstation, Foto: Angelika Bardehle

An der Müllvergärungsanlage und am Geothermiekraftwerk nebendran wurden eben erst Leitungen verlegt.

(Foto: Angelika Bardehle)

In Kirchstockach werden die Bioabfälle aus dem Landkreis künftig nur noch von Lastwagen zu Lastwagen verladen.

Von Angela Boschert, Brunnthal

Mit dem Ende der Veredelung von Biomüll zu Biogas im Brunnthaler Gemeindeteil Kirchstockach wächst die Sorge vor mehr Verkehr am Ort. Anwohner befürchten mit der geplanten Umladestation eine Verdoppelung der Lkw-Fahrten. Bürgermeister Stefan Kern (CSU) zweifelt nach Gesprächen mit dem Landratsamt an, dass sich eine Zunahme der Belastung durch Lkw verhindern lässt. Die landkreiseigene Bioabfallvergärungsanlage entspricht nicht mehr den gestiegenen technischen Anforderungen und stellt Ende des Jahres aus Wasserschutzgründen den Betrieb ein.

Seit 1997 werden in Kirchstockach Bioabfälle in Biogas und Wärme umgewandelt, der Hydrolyserest kann als Torfersatz verwendet werden. Inzwischen sind es jährlich 30 500 Tonnen, die im gesamten Landkreis zusammenkommen. Damals ein bewundertes Pilotprojekt, ist die Anlage in die Jahre gekommen. "Es wäre ein erhebliches Investitionsvolumen notwendig, um den bisherigen Stand der Technik überhaupt weiterhin zu ermöglichen", teilt das Landratsamt auf Anfrage mit. Doch schwerer wiegen drei weitere Gründe. Zum einen seien die gesetzlichen Anforderungen gestiegen, zum anderen wurde das Wasserrecht verschärft, und zum Dritten liegt die Anlage inzwischen im Wasserschutzgebiet III a. All die Auflagen zu erfüllen, wäre so aufwendig, dass sich der Landkreis nach einem anderen Standort für seine Biomüllverwertung umschaut.

Der Kreistag wurde im Sommer in einer nicht-öffentlichen Sitzung informiert. Die SZ berichtete am 30. September erstmals darüber. Und auch Anwohner des Brunnthaler Gemeindeteils, die sich seit jeher gegen die Gestank, Lärm und Verkehr erzeugenden Betriebe auf dem Gelände der ortsansässigen Ganser-Gruppe wenden, haben davon Wind bekommen. Johann Pilch kritisierte auf der Bürgerversammlung in Brunnthal, die Planungen für das Ganser-Gelände seien "nicht vertrauensbildend" und stünden dem entgegen, was die Anwohner seit Jahren forderten: weniger Verkehr. Wenn nun der Biomüll in Kirchstockach nur zwischengelagert werde, würden zahllose Lkw Zigtausende Tonnen Biomüll anfahren, leer zurückfahren und andere Lkw kämen unbeladen angefahren, um diese Mengen wieder abzuholen.

Es ist von einer Verdoppelung des Verkehrs die Rede

Seine Befürchtung bestätigt indirekt die Pressesprecherin des Landratsamts. Sie schreibt: "Eine Zwischenlagerung findet in Kirchstockach nicht statt. Vielmehr erfolgt ein direkter Umschlag des angelieferten Bioabfalls der Gemeinden auf Fahrzeuge des zukünftigen Verwertungsunternehmens. Diese verbringen dann den Bioabfall zur eigentlichen Verwertung."

Wenn der Biomüll in Kirchstockach nicht mehr nur angeliefert, sondern unverwertet wieder abtransportiert wird, ist mit einer Verdoppelung des Lieferverkehrs auf der Taufkirchner Straße zu rechnen. Vereinbarungsgemäß sollen die Müll-Lkw nur auf dieser zur Vergärungsanlage fahren, vorbei an Bushaltestellen und der Zufahrt zum Wohngebiet Neukirchstockach. Zwar hat Brunnthals Bürgermeister Stefan Kern (CSU) nach eigener Aussage "im Landratsamt deutlich gemacht, dass wir ein Mehr an Verkehr nicht wollen", doch ob das realisierbar ist, bleibt aktuell zweifelhaft.

Wo der Biomüll künftig verwertet wird und wie weit die Ausschreibung gediehen ist, teilte das Landratsamt nicht mit. Die Verwertung des Biomülls aus dem Landkreis München werde aktuell neu vergeben, hieß es dazu nur. Die Sprecherin betonte, am zukünftigen Standort werde "die energetische Verwertung des Bioabfalls aus dem Landkreis München nur in zertifizierten und behördlich genehmigten Anlagen erfolgen". Der Standard der Verwertung werde vermutlich eher steigen.

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