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Alternative Energie:Das Momentum des Wasserstoffs

Brunnthal SFC AG

Peter Podesser räumt Schwierigkeiten am Anfang der Firma SFC ein, aber jetzt mache sie Gewinn.

(Foto: Privat)

Die Firma SFC bietet zahlreiche Anwendungsbeispiele für modernste Brennstoffzellen. Brunnthal könnte davon profitieren

Die Anmoderation reißt einen nicht gerade vom Stuhl. Mit betont ruhiger Stimme kündigt die Frau auf dem Youtube-Kanal "Camper-Style-TV" den "langweiligsten Test" an, "den wir wahrscheinlich jemals gemacht haben" - und dabei hat sie doch eigentlich eine spannende Sache vorzustellen. Soll doch die Brennstoffzelle bald die ganz großen Probleme lösen helfen. Viele hoffen darauf, dass diese die klimaneutrale Mobilität ermöglicht und vor allem schwere Fahrzeuge wie Busse und Lkw antreibt. Im Camping-Mobil freilich zeigt sich zunächst: Die Technik der Brunnthaler SFC AG ist im Kleinen ausgereift, alles läuft unspektakulär rund.

Denn bei dem Test am Campingmobil geht es nicht um den Antrieb des schweren Fahrzeuges selbst. Solch große Aggregate sind nicht das Metier der SFC aus dem Gewerbegebiet Brunnthal-Nord, die sich seit ihrer Gründung vor 20 Jahren mit Brennstoffzellen international einen Namen gemacht hat. Manfred Stefener hat als TU-Student das Start-up im Jahr 2000 gegründet, aus dem 2002 die Smart Fuel Cell GmbH wurde, die 2006 an die Börse ging und seit 2010 unter dem Namen SFC Energy AG firmiert. Holländische Investoren stiegen ein, Tech-Unternehmen wurden angedockt. Es waren turbulente Jahre.

Denn die SFC-Gründer erlebten dabei das gar nicht unübliche Schicksal eines Unternehmens, das sich in einer Zukunftstechnologie engagiert. Da kann man mit einer guten Idee zu spät kommen oder auch zu früh, wie SFC-Geschäftsführer Peter Podesser bestätigt. Man war früh dran. Es gab viel Lob von der Politik etwa. Doch der Beweis, dass sich Geld mit Brennstoffzellen verdienen lässt, war lange nicht erbracht. Die Bilanzen wiesen seit 2006 Verluste auf, während der Umsatz und die Zahl der Mitarbeiter stieg. 2017 kam die Wende und 2018 gab es einen Gewinn. Podesser sagt: "Wir haben eine harte Zeit durchgemacht." Doch man habe als eines der wenigen Unternehmen in diesem Bereich überlebt. Und nicht nur das: "Wir sind der erste, der zeigt, dass man mit dieser Technologie Geld verdienen kann."

Dabei lautete die Überlebensstrategie eben nicht, große Aggregate zu entwickeln und das Brennstoffzellen-Fahrzeug von Morgen auszustatten. SFC spezialisierte sich auf kleine, handliche mit Methanol als Wasserstoffträger betriebene Produkte, die in Camping-Mobilen guten Dienst leisten. Sobald die Brennstoffzelle eingebaut sei, sagt die Frau von Camper-Style-TV in ihrem Test, laufe die von ganz alleine. Mit 20 Liter Methanol habe sie zwölf Monate Strom. Wenn der Camper dann auch noch eine Solaranlage auf dem Dach habe, sei man quasi autark.

Dass die SFC AG als ein im Öko-Dax gelistetes Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren nun einen etwas stärkeren Aufwind verspürt, hat laut Podesser aber tatsächlich mit dem durch die Klimadebatte geschärften Bewusstsein zu tun, dass es so nicht weitergeht. Ende 2018 schloss SFC mit der Adkor GmbH nahe Berlin eine Entwicklungspartnerschaft, um sich auch mit Brennstoffzellen bis zu einer Leistung on 100 Kilowatt zu befassen. Bis hin zur Elektromobilität könne man nun die Produktpalette ausbauen, hieß es bei der Gründung des Bündnisses mit der Adkor GmbH nahe Berlin. Die Elektromobilität hat man nun langfristig auch auf dem Schirm.

Das wichtigste Standbein der SFC bilden aber nach wie vor Geräte, die mit Klimaschutz eher wenig zu tun haben, wenn man davon absieht, dass natürlich ein Camper in der Wildnis mit einer Brennstoffzelle für etwa 2000 Euro sicher nicht mehr den Motor laufen lassen muss, um den Wagen warm zu bekommen oder Akkus aufzuladen. Die SFC baut nach demselben Prinzip Notstrom-Einheiten für Mobilfunkmasten fernab von Stromleitungen. Gerade auch die Öl- und Gasindustrie in Kanada ist Kunde und stattet mit Hilfe von SFC ihre Pipelines in abgelegenen Regionen mit autonom funktionierenden Mess- und Prüfgeräten aus. Wichtiger wurde zuletzt noch der militärische Bereich, den man sich laut Podesser auch mit Beistand des CSU-Bundestagsabgeordneten Florian Hahn als Markt erschlossen hat.

Mit Helmdisplays, Funkgeräten und Tablets ausgerüstete Soldaten sind im Feld auf eine unabhängige, zuverlässige, dauerhafte und im Zweifel auch geräuschlose Stromversorgung angewiesen. Die Bundeswehr ist Kunde. Und auch mit Indien, Israel und Großbritannien ist man im Geschäft. Mit dem US-Militärzulieferer AITC schloss SFC eine Vertriebsvereinbarung. Das Engagement auf solchen Feldern in derartigen Nischenmärkten "war auch unsere Überlebensstrategie", sagt Podesser.

Bis heute wurden mehr als 50 000 Brennstoffzellen verkauft, das Unternehmen agiert auf unterschiedlichen Märkten weltweit und bezeichnet sich mit heute etwa 280 Beschäftigten als ersten profitablen börsennotierten Brennstoffzellenhersteller der Welt.

SFC war beteiligt, als sich der Landkreis München in Berlin als Wasserstoff-Modellregion bewarb. Nun soll man in dem "Hy-Performer"-Format unterstützt vom Bund mit Fördergeldern zeigen, wie diese Technologie eingesetzt werden kann. Der Südosten des Landkreises, wo SFC seinen Sitz hat, könnte dabei eine besondere Rolle spielen. Die Ganser-Gruppe in Brunnthal hat nahe dem SFC-Sitz einen Energie- und Gewerbepark ins Gespräch gebracht, wo mit Hilfe eines Geothermie- und Biomassekraftwerks Wasserstoff produziert werden könnte. SFC-Chef Podesser hat viele Ideen, wie man den Wasserstoff einsetzen könnte. Er sieht sein Unternehmen im Landkreis mit seinen Forschungseinrichtungen, seinen Unternehmen und vielen qualifizierten Menschen "gut aufgestellt". Das "Momentum" sei gegeben, sagt der Firmenchef, die Wasserstoff-Technologie voranzubringen.

© SZ vom 19.02.2020

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