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Alternative Energie:Auf die Sonne, fertig, los

Solarzellen in Vishofen, 2010

13 Prozent des Stromverbrauchs im Landkreis München werden aus regenerativen Energiequellen gespeist. Ende 2016 listet der Energieatlas Bayern für den Landkreis 4537 Fotovoltaikanlagen auf.

(Foto: Johannes Simon)

Die Bürger-Energie-Unterhaching baut eine Fotovoltaikanlage an der A 8, am Hohenbrunner Weg in Grasbrunn ist die größte Fläche im Landkreis vorgesehen. Deren Solarmodule könnten 2500 Haushalte versorgen

1937 Stunden lang hat die Sonne im Landkreis München 2017 geschienen. Häufiger als in den Jahren zuvor. Blickt man aber auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück, ist diese Summe an heiteren Stunden kein besonderer Ausreißer noch oben. Deutschlandweit (1 300 bis 1 900 Stunden) gesehen stimmt die Region München Betreiber von Solaralagen aber zufrieden.

Im Ertrag liegt man irgendwo zwischen dem von Rom und Hamburg. "Solarenergie ist in unseren Breitengraden ein wichtiger Faktor, den wir uns ansehen müssen", hatte daher Landrat Christoph Göbel (CSU) betont, als der Landkreis vor eineinhalb Jahren im Zuge der Energievision 29++ die Erstellung eines Solarkatasters auf den Weg brachte.

Dass nicht nur Dächer für die Installation von Fotovoltaikanlagen begehrt sind, sondern auch Freiflächen wieder zunehmend interessant werden, um die Sonnenstrahlen einzufangen und in Strom umzuwandeln, zeigen zwei neue Projekte im Landkreis: In Unterhaching hat der Gemeinderat dem Bau einer Anlage auf einer 1,5 Hektar großen Ackerfläche am Ziegelweg entlang der Autobahn A 8 zugestimmt.

Bisher spielt die Geothermie im Landkreis die größte Rolle

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Eine Fotovoltaikanlage könnte für die Lamas eine interessante Abwechslung darstellen. Sie sollen das Gras dazwischen kurz halten.

(Foto: Johannes Simon)

Sie wird bereits nach Ostern im Auftrag der Bürger-Energie-Unterhaching (BEU) von der Firma Max Solar errichtet und von der Genossenschaft betrieben werden. In Grasbrunn wurden dem Gemeinderat kürzlich Pläne von der Firma S-Tech Energie aus Winhöring vorgelegt, die auf einer 17,1 Hektar großen renaturierten Fläche 250 Meter südlich von Grasbrunn-Ort, zwischen Ekkehartstraße und Hohenbrunner Weg, eine Anlage vorsehen. Das Kieswerk Fackler möchte dort Module aufstellen - dies wäre dann mit Abstand die größte Freiflächenanlage im Landkreis.

Beim Ausbau regenerativer Energiequellen spielt im Landkreis München bisher die Geothermie eine große Rolle, wenngleich die Stromproduktion bei der Kalina-Anlage in Unterhaching zuletzt herbe Rückschläge zu verkraften hatte. In Oberhaching und Grünwald setzt man mit den Kraftwerken in Taufkirchen und Laufzorn weiter Hoffnungen in die Verstromung von heißem Wasser. Kaum noch Fortschritte gibt es bei Windkraftanlagen seit Einführung der 10-H-Abstandsregel; allenfalls in Garching strebt die Umweltorganisation Green City noch den Bau von Windrädern an. Ein Stromabnehmer wäre möglicherweise der Wissenschafts-Campus.

Der Gesamtstromverbrauch im Landkreis München lag 2016 bei 1,8 Millionen Megawattstunden. 13 Prozent werden von Erneuerbaren Energien abgedeckt. Die Kraft der Sonne rückt dabei wieder mehr in den Fokus. Der Energieatlas Bayern listete Ende 2016 für den Landkreis München 4537 Fotovoltaikanlagen auf. Die installierte Leistung liegt insgesamt bei 75,7 Megawatt in der Spitze (MWp). Produziert haben sie im Jahr 2016 insgesamt 68 694 Megawattstunden Strom. Auch sind in den vergangenen Jahren einige Freiflächen-Fotovoltaikanlagen errichtet worden.

Baierbrunn machte 2002 den Anfang

Den Anfang machte 2002 eine vergleichsweise kleine Anlage in Baierbrunn mit einer Leistung von 2,2 kWp; sie produzierte im Jahr 2016 1 103 Kilowattstunden Strom. Die größte befindet sich mit einer Leistung von 2,4 MWp in Garching, die zweitgrößte mit 1,7 MWp in Unterföhring, gefolgt von zwei gleich großen in Aschheim und Haar-Salmdorf mit circa 1,0 MWp. Heute gibt es insgesamt sieben solcher Anlagen.

Mit dem Projekt in Grasbrunn würde eine neue Dimension der Stromerzeugung auf dem freien Feld erreicht. Sie soll eine Leistung von zehn Megawatt haben und so viel Energie erzeugen, dass 2500 Haushalte damit versorgt werden könnten. 27 800 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids ließen sich auf diese Weise im Jahr einsparen. Der produzierte Strom soll direkt im Kieswerk genutzt werden. Damit kein Gras die Module überwuchert und das Areal gepflegt bleibt, schwebt Planer Manfred Eglseder eine natürliche Lösung vor: Dort könnten Schafe, vielleicht sogar Lamas weiden.

Die Anlage soll eingegrünt und für Spaziergänger von außen gar nicht wahrgenommen werden. Obwohl manches Gemeinderatsmitglied Bedenken wegen des Landschaftsbilds äußerte, zeigte sich das Gremium grundsätzlich aufgeschlossen für das Projekt. Das Rathaus hält ein Bebauungsplanverfahren für notwendig.

Das hat man in Unterhaching bereits hinter sich. In der März-Sitzung wurde nach 18-monatiger Planungsphase der Bebauungsplan beschlossen. So kann die Bürgerenergie Unterhaching mit dem Bau loslegen, der etwa 850 0000 Euro kostet und ausschließlich von den Mitgliedern der BEU und einer Bank finanziert wird. Insgesamt sollen von 2775 PV-Modulen etwa 894 000 kWh im Jahr erzeugt werden, was rein rechnerisch dem Stromverbrauch von 357 Haushalten mit einem Jahresverbrauch von je 2500 kWh entspricht. Die BEU betreibt bereits Anlagen auf den Dächern des Kubiz, des Freibads und verschiedener Schulen und ist an einer Freiflächenanlage in Meerane beteiligt. BEU-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Geisinger sagt: "Mit der Anlage an der A 8 erfährt die BEU einen großen Wachstumsschub. Wir verdreifachen den Umsatz und die Bilanzsumme, und das alles bei gleichbleibend hoher Ertragskraft." Ans Netz gehen soll die Anlage im Mai dieses Jahres.