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Italienisches Restaurant Solln "Al Pino":Essen ist Glückssache

Ein aufgehender Stern am Gastronomiehimmel war das "Al Pino" in Solln vor 24 Jahren. Unter welchem Stern ein Abend in dem italienischen Restaurant heute steht, hängt von der Anwesenheit des Chefs ab.

Was waren das für Zeiten, als Italiens berühmteste Nachspeise - zumindest gilt das außerhalb Italiens - noch so unbekannt war in München, dass man sie dreigeteilt "Tira mi su" schrieb. Als die Autorin einer gastronomischen Kolumne die inzwischen lästigerweise allgegenwärtige Rucola als "nussig schmeckenden Schnittsalat" einführte und Pasta "Teiggerichte" nannte.

Zwischen exquisiter Küche und zerkochten Kartoffeln: ob ein Restaurantbesuch im "Al Pino" ein Erfolg wird, kann von der Anwesenheit des Chefs abhängen - und davon, ob man ein zahlungskräftiger Stammgast ist.

(Foto: Catherina Hess)

1986 ist das gewesen, und auch sonst hat sich einiges grundlegend geändert, seit die Kollegin Franziska Greifenstein für die November-Kostprobe vor 24 Jahren dem Restaurant Al Pino in Solln als aufgehendem Stern am Münchner Gastronomiehimmel eine leuchtende Zukunft prognostizierte. Drei Jahre danach bestätigte Adrian Seidelbast an gleicher Stelle in einem "Nachschlag" die euphorische Einschätzung und pries namentlich die Nudelsaucen sowie die Fischgerichte des mittlerweile zur Institution avancierten Sollner Pinienwirts.

Und inzwischen? Ist gut Essen ein wenig Glückssache geworden in der Frans-Hals-Straße. Es kann hervorragend sein, dann wieder missraten. Und, auch diesen Eindruck konnte man leider gewinnen, es hängt davon ab, ob man zu den zahlungskräftigen Stammkunden aus der Nachbarschaft zählt. Die Aufmerksamkeit des Padrone kann jedenfalls sehr variieren, gegenüber großen Runden spendabel aufgelegter Geschäftspartner fühlte man sich als maßvoll tafelndes Trio schnell wie am Katzentisch.

Wenn der Wirt, bei allem Respekt vor seiner norditalienisch reservierten Art, die Teller schweigend, quasi im Vorübereilen abstellt, wirkt das doch ein wenig lieblos. Übrigens auch gegenüber den eigenen Köchen, die davon wahrscheinlich nichts ahnen.

Über solche Launen ließe sich aber hinwegsehen, wenn die Speisen Freude machten. Das war immer der Fall bei den dreierlei Brotsorten mit zitroniger Frischkäsecreme zum Auftakt. Duftendes Weißbrot mit mehlbestäubter Kruste, Scheiben von Foccaccia - da kam an dem in schönem Leinen eingedeckten Terrassentisch wie von selbst Ferienstimmung auf. Bei den Vorspeisen mundeten ein lauwarmer Meeresfrüchtesalat und das Tintenfisch-Carpaccio mit dem feinen Aroma des herbsüßen "Vino cotto".

Die zum Timbale geschichteten Pfifferlinge hingegen waren fade, so gut wie salzlos, und die ganze unerfreuliche Pastete zerfiel beim Essen. Keine Enttäuschung gab es, wie zu Seidelbasts Zeiten, bei den Pastagerichten. Die Rote Beete-Ravioli kamen bissfest gekocht, die leichte Süße der Gemüsefüllung wurde von frisch geriebenen Meerrettich-Hobeln gerade angenehm kontrastiert. Kräftig im Geschmack der dunkel eingekochte Sugo aus Entenragout und Pilzen zu "Maltagliati", unregelmäßig geformten breiten Nudeln.