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Kunst:Frohbotschaft in Farbe

Eine Ausstellung in der Andreaskirche verwandelt das Gotteshaus in eine Galerie und versucht damit, auch außerhalb der Gemeinde Aufmerksamkeit zu wecken. Künstler aus dem Münchner Süden zeigen hier Werke unterschiedlichster Genres

Rund ums Erntedankfest setzen die in Altarnähe aufgehäuften Früchte des Feldes einen kräftigen farblichen Akzent. Wie sich dieser noch steigern lässt, führt die evangelische Andreaskirche in Fürstenried eindrucksvoll vor: Mit einer Kunstausstellung im geräumigen Gotteshaus an der Walliser Straße hat sie sich vorübergehend in eine stattliche Galerie verwandelt. Fünf Malerinnen und Maler aus dem Münchner Süden sowie ein Kirchenarchitektur-Fotograf zeigen ihre höchst unterschiedlichen "Best of"-Werke, ein halbes Hundert an der Zahl und keineswegs überwiegend Sakralkunst.

Pfarrer Johannes Schuster erinnerte bei der Vernissage daran, dass Kunst und Kirche schon sehr lang eng verbunden seien. Insofern zeige sich nun auch die Andreaskirche glücklich, eine "bunte Mischung der Stile und Genres" zu präsentieren. Auf der Höhe der Zeit ist diese Gemeinde schon immer gewesen. Aktuell wirbt die Kirchenjugend im Gottesdienst für fairen Handel und die Vergabe von Mikro-Krediten "an die Armen der Welt".

Die farbenfrohe Bilderschau hat Thomas Blumenthal initiiert. Der 62-Jährige ist Jurist von Beruf, Mitglied im Kirchenvorstand und Chorsänger. Vor zwei Jahren hat er seine "Sehnsuchtstätigkeit" entdeckt und mit dem Malen begonnen. Die Ausstellung "Kunst & Kirche" betrachtet er als Experiment, als Versuch auch, eine Kirche in städtischer Randlage "mal in den Mittelpunkt zu rücken". Das starke Besucherinteresse zum Auftakt der Aktion dürfte Blumenthal und seine Künstlerkolleginnen und -kollegen ermutigen, mit Projekten à la "Galerie Andreas" weiterzumachen. Hilfreich gewesen sei die Unterstützung durch das städtische Kulturreferat, berichtet Blumenthal. "Die haben alle Stellwände zur Verfügung gestellt, ein nützlicher Beitrag zur Stadtteilkultur."

"Kunst & Kirche": Die Andreaskirche in Fürstenried wird für ein paar Wochen zur Galerie und zeigt unterschiedlichste Arbeiten von Münchner Künstlern.

(Foto: Robert Haas)

Sehen lassen kann sich auch der künstlerische Beitrag Blumenthals. Er hat ein Händchen für zauberhafte Landschaftsbilder in Öl. Ulrike Schulz teilt diese Motiv-Vorliebe, setzt jedoch stärker auf Acryl. So oder so sind die Ausstellungsbeiträge der beiden geeignet, spontane Reiselust zu wecken. Wie von einem ganz anderen Stern wirken dagegen die Arbeiten von Eva Böhm-Friedl. Ihr Credo: "Kunst darf nicht langweilig sein." Die Kunsterzieherin hält sich erkennbar an diese Maxime; ihre collagenartigen Kompositionen aus Malerei und Fotografie transportieren mitunter das Plakative der Pop-Art.

Gern mit anderen Künstlern im Bunde, so wie in diesem Fall mit Kreativen aus christlichen Kirchengemeinden, ist Elly-Marianne Feyerabend, Jahrgang 1928, älteste Teilnehmerin der bunten Bilderschau in der Andreaskirche. Ihre Lehrmeister (Geipel, Kochseder, Gürtler) waren namhafte Maler, sie selbst blickt auf elf eigene Ausstellungen seit 1983 zurück. Feyerabends teils apokalyptische Darstellungen erinnern entfernt an die Illustrationen alter Kirchenbücher.

In der Ausstellung findet sich Architekturfotografie neben konkreter Malerei und experimentellen Collagen.

(Foto: Robert Haas)

Für den ökumenischen Geist, der in Fürstenried weht, steht Piri Thoma. Die überaus produktive Künstlerin gehört einer katholischen Nachbargemeinde der Andreaskirche an. Die Vielfalt ihrer Werke, die schon in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen waren, ist schier grenzenlos. Thoma malt mal abstrakt, mal naturalistisch, Blumen etwa. Mit ihrer großformatigen Arbeit "100 Tage Achtsamkeit" hat sie einen echten Blickfang geschaffen.

Dem Anspruch der 1963 gegründeten Andreas-Gemeinde, "unsere Kirche mal in anderer Perspektive zu zeigen", genügt ebenso ein Fotograf aus Fürstenried: Harald Röh. In diesem Fall besonders passend, hat der 66-jährige Informatiker Kirchenarchitektur zum Schwerpunkt seines gestalterischen Hobbys gemacht. Seine 20 ausgewählten Bilder sind teils magische Kompositionen aus Form, Struktur und Licht. Bemerkenswert: Alle Kirchen-Innenaufnahmen Röhs entstanden in natürlichem Licht. Mit diesem Effekt hat er vor einiger Zeit schon bei einer Ausstellung im Schloss Fürstenried Aufmerksamkeit erregt.

"Kunst & Kirche" in der Fürstenrieder Andreaskirche ist noch an zwei Samstagen, 12. und 19. Oktober, 11 bis 16 Uhr, sowie am Sonntag, 13. Oktober, 11 bis 15 Uhr, zu sehen. Finissage mit Gospelchor ist am Sonntag, 20. Oktober, 11 bis 12.30 Uhr. Zur Ausstellung wurde ein Begleitheft aufgelegt.