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Kunst:"Die Leute bestellen ja heute alles per Post, sogar das Essen"

Ein Paketbote kommt vorbei. Lovaas öffnet ihm. Ist das ein Paket von einem der 20 Menschen, die ihr Kunst zuschicken? Sie lächelt. "Ich glaube nicht", sagt sie.

Kati Lovaas nimmt den Besuch des Boten zum Anlass, noch einmal über das Projekt "Mail Order Express" zu reden, das seit diesem Donnerstag in der Galerie zu sehen ist. "Die Leute bestellen ja heute alles per Post, sogar das Essen", sagt sie. "Kunst wird normalerweise auf ein Podest gestellt und mit weißen Handschuhen angefasst - mit unserem Projekt wird sie auf eine Ebene gestellt, wo sie wie alles andere behandelt wird."

Und diese Kunst könne sich durch den Postversand auch verändern. "Der Künstler Wallead Beshty hat zum Beispiel mal Plexiglas in der Größe einer Fed-Ex-Box in einer Fed-Ex-Box verschickt", erzählt Lovaas. "Das Plexiglas hat dann einen Riss bekommen - das ist die Verwandlung der Kunst."

Sie ist die Direktorin einer 200 Millionen Dollar schweren Kunststiftung in New York

Kati Lovaas mag solche Sachen. "Ich bin 60, aber ich habe die Seele einer 24-Jährigen", sagt sie. Eigentlich sagte sie: "I am 60 - with the soul of a 24 years old." Obwohl sie sehr gut Deutsch spricht, wechselt sie manchmal ins Englische. Und es stimmt: Sie wirkt jünger, in jeder Hinsicht.

Kati Lovaas lässt auch Künstler in ihrem mehrstöckigen gelben Haus wohnen. Sie sagt, sie wolle das teure München für diese Leute billiger machen. "In diesem Jahr hatte ich acht Kino-der-Kunst-Künstler hier", sagt sie. Das Filmfestival "Kino der Kunst" verbindet Kino mit Ausstellungen, Videos und Installationen.

Geld bekommt sie aus Verkäufen von ausgestellten Kunstwerken - und davon, dass sie die Ausstellungsräume vermietet. Firmen machten dort ihre Partys, zum Beispiel. Das ungarische Konsulat veranstaltete eine "Lange Nacht der Musik". Juweliere stellten ihre Ware aus. "Es ist schon nicht schlecht, dass die Galerie in schwarzen Zahlen ist", sagt sie. "Auch wenn das Kommerzielle nicht der Hauptgrund ist, weshalb ich das hier mache."

Kati Lovaas ist natürlich auch noch häufig in den USA. Sie ist die Direktorin einer 200 Millionen Dollar schweren Kunststiftung in New York, und sie arbeitet dort auch weiterhin als Kunst-Beraterin. In München macht sie das noch nicht; sie müsste mehr netzwerken. "Ich müsste mehr ausgehen, als ich möchte", sagt sie.

Nicht alles, was mit Kunst zu tun hat, kommt per Post zu Kati Lovaas.

© SZ vom 15.09.2017/axi
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