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Kunst:Wie Loovas das Haus geerbt hat

Der schöne, große, gelbe Altbau in der Fürstenstraße 6 gehörte einst ihrem Großvater. "Die Nazis haben ihm zwei Häuser weggenommen und dafür dieses Haus gegeben, das früher einer jüdischen Familie gehörte", erzählt Kati Lovaas. "Nach dem Krieg hat es der Großvater aus dem Entschädigungsfonds für jüdisches Eigentum quasi noch einmal rechtmäßig erworben." Kati Lovaas ist schon wichtig, das zu erwähnen: dass sich ihr Opa - auch wenn ihm zwei andere Häuser genommen wurden - das Haus der jüdischen Familie nicht einfach unter den Nagel gerissen hat.

Lovaas' Mutter ist in diesem Haus in der Fürstenstraße aufgewachsen, später betrieb sie dort eine Buchbinderei. Aber ihr Mann, ein Mediziner, wollte sich in den USA weiterbilden, und so zog sie mit ihm in die Vereinigten Staaten. "Mein Vater wurde dort ein sehr erfolgreicher Arzt und ein 150-prozentiger Amerikaner", sagt Kati Lovaas, "aber für meine Mutter war es, glaube ich, sehr schwer - sie war eine echte Münchnerin."

Die Mutter starb vor ein paar Jahren, ein Onkel ebenso - und das schöne Haus in der Fürstenstraße ging auf die nächste Generation über, auf Kati Lovaas, ihren Bruder und zwei Cousins. Der Bruder war nicht interessiert an dem Gebäude, er wohnt in Montana und hat keinen Bezug zu Deutschland. "Und die beiden Cousins, die in Deutschland leben, wollten keine Schulden aufnehmen, um die anderen Erben auszulösen", sagt sie und macht eine kurze Kunstpause, an deren Ende sie lächelt. "Ich schon - ich bin sehr risikofreudig."

Sie ist in das schöne, große, gelbe Haus eingezogen und hat im Erdgeschoss eine Galerie eröffnet. Und sie hat es nicht bereut. "Alle haben mich sehr nett aufgenommen, in München ist alles gut", sagt sie, "und sogar die Mieten sind nicht teuer." Sie zwinkert mit dem rechten Auge. Der zweite Teil des Satzes war natürlich ein Scherz; Kati Lovaas ist jetzt etwas lockerer und ruhiger als am Anfang.

"Hier ist in der Kunstszene eine Menge los", fährt sie fort, "es gibt viele Leute, die sich interessieren, super Museen, einen sehr guten Kunstverein, die Sammlung Goetz und andere Galerien, die tolle Ausstellungen machen." Und die Kunst werde von der Stadt München "unglaublich gefördert". Das gebe es in den USA "so gut wie gar nicht mehr".

Die Galerie Lovaas soll ein bisschen anders sein. "Die traditionellen Galerien repräsentieren einen Künstler und sind für dessen ganze Karriere zuständig", sagt Kati Lovaas. Ihre Galerie sei hingegen "nur" ein Ausstellungsraum. "Das erlaubt uns, flexibler und internationaler zu arbeiten", sagt sie. "Ich will kurzfristig Dinge machen, die jetzt interessant sind."

Im Frühjahr stellten Thomas Huber und Wolfgang Aichner in der Galerie Lovaas aus. Sie zeigten eine riesige Bank, die sie auf der Ostsee treiben ließen, oder ein rotes Boot, das sie über die Alpen nach Venedig geschafft hatten. "Ein Griechisch-Münchner Sammler" habe die große, grüne Bank von Aichner und Huber gekauft, sagt Lovaas.

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