Kundgebung am Königsplatz Anti-Atom-Protest mobilisiert 25.000 Münchner

Es war bundesweit eine der größten Kundgebungen: Auf dem Königsplatz demonstrierten nach Veranstalterangaben Zehntausende für den Atomausstieg.

In München haben sich Tausende an den Protesten gegen Atomkraft beteiligt. Es war die größte der bayernweiten Veranstaltungen für einen sofortigen Atomausstieg.

Mit gelben "Atomkraft? Nein danke"-Fahnen forderten Tausende Menschen allein in München einen sofortigen Atomausstieg.

(Foto: dpa)

Laut Polizei beteiligten sich rund 11.500 Demonstranten an Protestmarsch und Kundgebung. Der Sprecher des Anti-Atomkraft-Bündnisses Kettenreaktion, Florian Sperk, bezifferte die Teilnehmerzahl dort sogar auf 25.000.

In seiner Rede auf dem Münchner Königsplatz forderte der Vorsitzende des DGB Bayern, Matthias Jena, dass die Energiekonzerne die Energiewende bezahlen sollten. Das sei nur eine Frage des politischen Willens. Während die Bevölkerung den Transport, die Endlagerung und das Risiko bezahle, machten die Konzerne die Gewinne. "Das machen wir nicht mehr mit! Wir drehen den Spieß um", sagte Jena.

Gleichzeitig sprach er sich für ein Festhalten an der Brennelementesteuer aus und kritisierte, dass die Atomlobby versuche, die Bevölkerung mit drohenden Strompreiserhöhungen einzuschüchtern.

"AKW-Betreiber verdienen sich dumm und dämlich"

Der Diözesanrat der Katholiken der Erzdiözese München und Freising bezeichnete die Atomkraft als "ethisch nicht verantwortbar", weil sie fehlerlose Menschen voraussetze. "Wir sind aber nicht fehlerlos. Wir haben Grenzen, die müssen wir akzeptieren", sagte der Grundsatzreferent des Diözesanrates, Martin Schneider. Er forderte jeden Einzelnen dazu auf, seinen Lebensstil zu ändern, Energie zu sparen und Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu nutzen.

Die Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, kritisierte, Atomstrom sei der teuerste Strom für die Gesellschaft überhaupt. "Die AKW-Betreiber verdienen sich dumm und dämlich, das müssen wir ändern", sagte sie. Der Landesvorsitzende der Grünen in Bayern, Dieter Janecek, erklärte, selbst die CSU habe erkannt, dass es bis 2020 möglich sei, den Anteil der erneuerbaren Energien auf 50 Prozent zu erhöhen. "Die Potenziale sind da, wir müssen uns für ein neues Zeitalter einsetzen", betonte er.

Zu den Demonstrationen und Kundgebungen unter dem Motto "Atomkraft: Schluss!" hatten unter anderem der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und das Bündnis Kettenreaktion Bayern aufgerufen, dem die Landesverbände von SPD, Grünen, Freien Wählern und den Linken angehören.

Die Veranstaltungen in Bayern waren Bestandteil einer bundesweiten Aktion in 21 Städten, einen Tag vor den Beratungen zur Energiewende in der Koalition.