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Kultur in München:Die Literaturhaus-Pläne für das Jahr 2021

Warten auf die nächste Ausstellung: Anfang Februar soll im Literaturhaus "Zeitlang" eröffnen.

(Foto: Alke Wendlandt)

Noch ist das Literaturhaus fürs Publikum geschlossen. Es gibt aber Pläne - vom Québec-Schwerpunkt bis zur Schreibwerkstatt.

Von Antje Weber

Noch ist das Literaturhaus fürs Publikum geschlossen. Wer vorbeispaziert, sieht an der Fassade einige Foto-Banner mit dem Aufdruck "Zeitlang" hängen - und fühlt sich vielleicht kurz darin bestätigt, dass sich manche Stunden während des Lockdowns tatsächlich arg zäh dehnen. Die Bilder sollen jedoch zugleich auf eine Zukunft vorbereiten, in der wieder mehr Bewegung ins Leben kommt: Die Ausstellung "Zeitlang" der SZ-Bayern-Redaktion macht im Literaturhaus Station. Bald schon, Anfang Februar, wenn die Lage es erlaubt. Kann aber natürlich auch sein, dass es noch eine Zeitlang dauert.

Für keine Institution ist es angesichts unwägbarer pandemischer Entwicklungen leicht, das Jahr 2021 zu planen. Sicher ist nur: "Wir müssen in der Stadt die Fahne hochhalten für die Literatur", sagt Literaturhaus-Leiterin Tanja Graf. Dabei ist einige Flexibilität gefragt. Nicht nur bei den Terminen für Ausstellungen, die sich in diesem Jahr noch Hannah Arendt und Leonhard Cohen widmen sollen, sondern auch beim Thema Literaturfest: Ein großes gemeinsames Festival mit Forum:Autoren, Münchner Bücherschau und Literaturhaus-Highlights wie in früheren Jahren sei in diesem November "nicht realistisch", sagt Graf; es fehle Planungssicherheit, was die Finanzierung oder auch Locations angehe. "Unrealistisch" sei auch, das von Kuratorin Nora Gomringer für 2020 geplante Forum:Autoren mit einem verspielt-poetischen Konzept ein Pandemie-Jahr später eins zu eins umzusetzen.

Das Literaturhaus will daher in diesem Jahr ausnahmsweise in der zweiten Juni-Hälfte einen Schwerpunkt setzen, mit Open-Air-Optionen, mit prominenten Autoren wie Judith Hermann und Christoph Ransmayr sowie in Vorgriff auf die Frankfurter Buchmesse einem Québec-Fokus. Ob das dann unter dem Begriff "Literaturfest" laufe, sei noch unklar, so Graf - wie überhaupt alle Beteiligten des November-Festivals erst im Laufe des Jahres besprechen würden, was aus dem vor-pandemischen Literaturfest-Modell werde.

Jetzt aber geht es erst einmal darum, in Lockdown-Zeiten Zeichen zu setzen. Das Literaturhaus-Programm für die nächsten Monate steht fest: Bis März wird es zwar etwas weniger Veranstaltungen als sonst geben, doch man versuche, die "Vielseitigkeit zu erhalten" und "Vielfalt zu zeigen", so Graf. Zum Beispiel noch im Januar mit einem Abend über Antisemitismus und Verschwörungsmythen, gefolgt von einem "African Book Festival". Im Februar sind so unterschiedliche Persönlichkeiten zu erleben wie Buchpreis-Gewinnerin Anne Weber oder Peter Gauweiler als Gast des "Historischen Quartetts". Die Autoren Andreas Kossert und Gerald Knaus werden über "Flucht und Grenzen" sprechen, die Fotografin Herlinde Koelbl über "Faszination Wissenschaft".

Natürlich sind alle Abende bis auf Weiteres als Streams geplant. Wie man im Literaturhaus die bisherigen Erfahrungen damit bewertet? So sehr man "die Energie von der Bühne ins Publikum und zurück" auch vermisse, sagt Graf, sei man doch auch positiv überrascht: Fast jede Veranstaltung im Dezember hatte 150 bis 200 zahlende Zuhörer, das sei "ermutigend". Und ein kostenloser Stream wie der Dürrenmatt-Abend vergangene Woche, für den man sich nur anmelden musste, erreichte gar mehr als 600 Anmeldungen - in den vollbesetzten Saal des Hauses würde nur die Hälfte dieser Zuhörer passen. Um das Buchungssystem zu vereinfachen, will man demnächst ein Streaming-Abo einführen. Und um den zunehmenden Fragen nach vergangenen Projekten wie der Thomas-Mann-Ausstellung gerecht zu werden, hat man gerade auch das Online-Archiv auf der Webseite weiterentwickelt.

Wichtiger geworden sind in Zeiten des Lockdowns auch die von Katrin Lange betreuten Schreibseminare. Offensichtlich werden die Menschen häufiger selbst literarisch tätig: Die verstärkt angebotenen Offenen Werkstätten mit prominenten Autoren als Leitern hätten "großen Zulauf", sagt Graf. Im Februar wird zum Beispiel die Jugendbuchautorin Tamara Bach ein fünfteiliges Online-Seminar halten, geplante Präsenzseminare mit Amelie Fried und Peter Probst sowie Daniela Krien wurden auf März und April verschoben.

Außerdem ist das Literaturhaus soeben wieder dem Netzwerk der deutschsprachigen Literaturhäuser beigetreten, aus dem sich das Haus unter Vorgänger Reinhard G. Wittmann zurückgezogen hatte. Der Schulterschluss mit den Kollegen sei wichtig, sagt Tanja Graf. Man habe eine stärkere Position, zum Beispiel wenn es um Finanzierungsfragen geht; auch in Zukunft sei man ja auf Unterstützung wie etwa vom Bund angewiesen. Und überhaupt glaubt Graf selbstredend an das Konzept von Literaturhäusern, die eine "tolle Vermittlung von Literatur und demokratischen Werten" leisten könnten. Natürlich achte man darauf, dass die Poesie nicht zu kurz komme, so Graf. Ebenso wichtig sei aber: "Wir wollen signalisieren, dass bei uns das offene Wort absolute Priorität hat."

© SZ vom 18.01.2021
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