Kriminalität:Warum die Zahl der Straftaten in München steigt

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Besonders auffällig ist der Anstieg der Wohnungseinbrüche - auch wenn der Trend übers Jahr nicht einheitlich ist.

(Foto: Imago)
  • Mit 110 000 Delikten gab es in München im vergangenen Jahr etwa sechs Prozent mehr Straftaten als im Vorjahr.
  • Für den Anstieg der Kriminalität gibt es mehrere Gründe, wie stetig wachsende Einwohnerzahlen oder verstärkte Kontrollen, durch die mehr Straftaten aufgedeckt werden.
  • Der Anteil von Flüchtlingen unter den Tatverdächtigen liegt bei knapp unter neun Prozent.

Von Martin Bernstein

Die Kriminalität in München hat im vergangenen Jahr zugenommen - erstmals seit sechs Jahren. Zwar wird das Polizeipräsidium offizielle Zahlen für 2016 erst in zwei Monaten präsentieren. Einiges ist aber bereits jetzt durchgesickert. So gab es, wenn man die Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz abzieht, im vergangenen Jahr rund 110 000 Delikte. Das ist ein Anstieg um immerhin sechs Prozent.

Im Zehn-Jahres-Vergleich ist die Zahl der im Bereich des Polizeipräsidiums verübten Delikte dennoch um rund neun Prozent zurückgegangen - bei einem gleichzeitigen Anstieg der Bevölkerungszahl in Stadt und Landkreis München um mehr als 13 Prozent. 110 000 Straftaten: Das ist der Stand von 2010 und 2011.

Immer wieder haben Sicherheitsexperten darauf hingewiesen, dass mit einer stetig wachsenden Einwohnerzahl irgendwann auch ein Anstieg der Kriminalität einhergehen muss. Wer die Polizeiberichte des vergangenen Jahres, die allgemeinen bundesweiten Trends und einzelne Aussagen der Verantwortlichen betrachtet, erkennt schnell, dass weitere Gründe für den Anstieg der Kriminalität existieren.

Tatsächlich gibt es Deliktbereiche, in denen die Migrationsbewegung der vergangenen zwei Jahre deutlich wird: Schwarzfahren, Ladendiebstahl, Körperverletzung. Ein anderes Phänomen ist das der reisenden Einbrecherbanden, die zumeist aus Osteuropa kommen, meist aus EU-Ländern. Und nicht zuletzt verändern auch zunehmende Kontrollen in vielen Bereichen das Bild: Dort nämlich, wo nur eine aufgedeckte Straftat eine registrierte Straftat ist. Ein Überblick nach Deliktarten.

Einbrüche

Von 2015 auf 2016 ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in und um München nach bislang nicht offiziell bestätigten Quellen um etwa neun Prozent gestiegen. Ein anhaltender Trend kann daraus freilich nicht abgeleitet werden. Gerade das Beispiel der Einbruchskriminalität zeigt, wie interpretationsbedürftig Kriminalitätsstatistiken sind. Wenn im April die Zahlen für 2016 veröffentlicht werden, könnte man daraus folgern: Der Rückgang der Einbruchskriminalität vor einem Jahr, den Polizeipräsident Hubertus Andrä als "eine erste Entspannung" gedeutet hatte, hat sich in sein Gegenteil verkehrt.

Doch Andrä hatte bereits bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2015 gemahnt, man müsse wachsam bleiben. Im ersten Quartal des vergangenen Jahres stiegen die Zahlen stark an - um danach wieder zurückzugehen. Übers Jahr gesehen blieb dennoch eine Zunahme. Eine Jahresstatistik kann das Bild also verfälschen.

Die Zahl der Einbrüche im Januar 2017 ist aktuell gerade einmal halb so hoch wie ein Jahr zuvor. Doch niemand wagt eine Prognose, was im März oder April passiert. Denn im Gegensatz zu anderen Großstädten wie etwa Hamburg ist die Einbruchskriminalität in München nicht hausgemacht. Banden kommen - und gehen wieder. Manchmal wird ihnen allerdings auch durch intensive Streifentätigkeit, aufmerksame Nachbarn oder das computergestützte Vorhersageprogramm Precobs in München das Handwerk gelegt. Wie in keinem anderen Kriminalitätsbereich schwanken die Zahlen der Wohnungseinbrüche von Monat zu Monat stark.

Kontrolldelikte

Manche Straftaten tauchen nur dann in der Statistik auf, wenn sie aufgeklärt wurden. Sicherheitsexperten sprechen von "Kontrolldelikten". Wie verstärkte Kontrollen sich in der Statistik als Zunahme der Kriminalität niederschlagen, ließ sich im vergangenen Herbst in der Diskussion über die Sicherheitslage am Hauptbahnhof feststellen. Von Januar bis Mitte Oktober führte die Polizei rund um den Hauptbahnhof, im Alten Botanischen Garten sowie am Stachus 625 große Einsätze durch. Die Razzien richteten sich insbesondere gegen die Drogenkriminalität und die illegale Prostitution im Bahnhofsumfeld.

Die Beamten deckten dabei 1658 Betäubungsmitteldelikte, 1035 Ordnungswidrigkeiten und 45 Fälle von verbotener Ausübung der Prostitution auf. Sie sprachen mehr als 3500 Platzverweise aus. "Die intensiven Kontrollmaßnahmen verursachen auch einen Teil des Kriminalitätsanstiegs", erklärte die Polizei im Oktober. "Durch mehr Polizeipräsenz und Kontrollen werden natürlich auch zusätzliche Delikte bekannt." Und deren Urheber.

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