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Konzert:Europa hält zusammen

Che Sudaka

Haben als Straßenmusiker begonnen: Che Sudaka.

(Foto: Che Sudaka Agents 4 Music)

Die Band "Che Sudaka" streamt aus Spanien und unterstützt damit Veranstalter wie das Münchner Feierwerk

Von Dirk Wagner

Die vier illegal nach Barcelona immigrierten Südamerikaner hatten bereits als Straßenmusiker zusammen gespielt, als sie 2002 erstmals auf einem Benefiz-Sampler als Che Sudaka mitwirkten. In ihrem Beitrag "Sin Papeles" (ohne Papiere), wie in Spanien Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung genannt werden, beschrieben sie da auch die eigene Situation. Mittlerweile tourt die Band weltweit und lebt offiziell in Barcelona. Darum findet dort am Sonntag auch ihre sogenannte Europa-Tournee statt: Ein Clubkonzert wird als Live-Stream europaweit zu sehen sein; vorausgesetzt, man hat eine Eintrittskarte für den Stream um 20 Uhr.

Und hier kommen nun die anderen europäischen Clubs ins Spiel, in denen Che Sudaka normalerweise gastieren würden. Um die stattdessen brach liegenden Clubs finanziell zu unterstützen, sind die Tickets für das Stream-Konzert über die Webseiten der beteiligten Clubs zu kaufen. 30 Prozent der Einnahmen bekommen diese für die bei ihnen gekauften Karten. In München haben Che Sudaka dafür ihren langjährigen Gastgeber Feierwerk auserkoren. "Im Gegenzug unterstützen wir das Ganze in der Promo, indem wir das auf unserer Webseite ankündigen und dafür die Pressearbeit in München machen. So erfahren auch hier Menschen von dem Konzert in Spanien", sagt Katharina Renner, Bookerin beim Feierwerk. Trotz der Pandemie, deretwegen aktuell keine Veranstaltungen mit Publikum im Feierwerk stattfinden dürfen, sind sie und ihre Kollegen damit beschäftigt, Konzerte vorzubereiten. "Sobald Veranstaltungen wieder zugelassen sind, wollen wir ja liefern", sagt der Geschäftsführer des Feierwerks, Ernst Wolfswinkler. Für die Organisation hieße das zur Zeit aber auch, dass permanent geplant und wieder verworfen würde. Internationale Konzerte, die vom Vorjahr wegen Corona bereits auf dieses Jahr verschoben wurden, würde man mittlerweile schon ins nächste Jahr verlegen.

Also müssen Verträge umgeschrieben und Vorverkäufe rückentwickelt werden. Zudem fehlen die Einnahmen aus der Gastronomie. Im vergangenen Jahr habe das Feierwerk ein sechsstelliges Minus gemacht, das mit der Novemberhilfe abgewendet werden konnte: "Was im laufenden Jahr sein wird, wissen wir noch nicht", sagt Wolfswinkler. Allerdings sei das Feierwerk mehr als die "Veranstalterei". "Wir haben zum Beispiel fünf Freizeiteinrichtungen, in denen sich Kinder und Jugendliche treffen. Wie erreichen wir die, wenn die nicht zu uns kommen dürfen?", sagt Wolfswinkler und betont, dass auch hier Alternativen ausprobiert werden. So gibt es etwa wöchentlich wechselnde Wundertüten gegen einen kleinen Obolus zum Abholen mit Bastelanleitungen und Spieletipps. Weil auch die Holzwerkstatt nicht genutzt werden darf, gibt es eine Kreativkiste für das Werken daheim. Gegen Kaution kann das nötige Werkzeug ausgeliehen werden.

Das alles ersetzt aber nicht das Gemeinschaftserleben in solchen Freizeitangeboten. "Kinder und Jugendliche werden mit ihren Interessen nicht ernst genommen. Es gibt sie in der öffentlichen Debatte nur noch als Schüler und Auszubildende", sagt Wolfswinkler. Dabei gäbe es auf dem Weg ins Leben weit mehr zu lernen als den Schulstoff.

© SZ vom 13.03.2021
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