Kino:München statt Marokko

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Zauberflöte

Prominenter Papageno: Der Brite Iwan Rheon wurde als Ramsay Bolton in der Serie "Game Of Thrones" weltberühmt. Nun drehte er in Geiselgasteig.

(Foto: Luis Zeno Kuhn)

In den Bavaria Studios ist ein Teil des Kinofilms "The Magic Flute" entstanden. Dabei sollte ursprünglich in Afrika gedreht werden

Von Jean Dumler, Grünwald

Im Studio 9 der Bavaria Studios regiert die Königin der Nacht. Die Darstellerin Sabine Devieilhe steht auf ihrem Thron und singt sich für ihre Szene ein, während zwischen Wüstengerümpel und majestätischen Säulen alles für die große Gesangsszene vorbereitet wird. Eigentlich sind die Gesänge bereits aufgenommen und werden bei der Aufnahme eingespielt. Die Sopranistin, die normalerweise in der Pariser Oper die Königin der Nacht spielt, übertönt dann aber mit beherztem Einsatz die eingespielte Aufnahme.

Die ersten zwanzig Drehtage der internationalen Filmproduktion "The Magic Flute" in den Bavaria Studios in Geiselgasteig liegen bereits hinter dem Team um Regisseur Florian Sigl und die Produzenten Christopher Zwickler, Fabian Wolfart sowie Hollywood-Größe Roland Emmerich ("Independence Day"). In dieser Woche gehen die Dreharbeiten in Salzburg weiter, der Geburtsstadt Mozarts.

Die Leinwandadaption seiner beliebtester Oper "Die Zauberflöte" spielt im heutigen Europa: Als der 17-jährige Tim Walker (Jack Wolfe aus "The Witcher") von London in die österreichischen Alpen geschickt wird, um sein Gesangsstipendium im legendären Mozart-Internat zu beginnen, entdeckt er dort ein Jahrhunderte altes vergessenes Portal, das ihn in die fantastische Welt von Mozarts Zauberflöte führt. Als Prinz Tamino begegnet Tim dort dem gewitzten Vogelfänger Papageno (gespielt von Iwan Rheon, bekannt aus "Game Of Thrones"). Mit dessen Hilfe muss er gefährliche Abenteuer bestehen, um die Prinzessin Pamina (Asha Banks) aus den Fängen des Fürsten Sarastro (Morris Robinson) und seines skrupellosen Handlangers Monostatos (Stefan Konarske) zu befreien.

Das Bühnenbild in Studio 9 kommt einem vergessenen Portal gleich. Die Plastizität des eindrucksvoll gebauten Sets bietet eine hervorragende Schauspielfläche für die aus den größten Theater- und Opernhäuser Europas stammenden Darsteller. Green Screens und später eingefügte visuelle Effekte spielen in der Post-Produktion eine nicht allzu dominante Rolle. Die Halle ist geschichtsträchtig, im selben Studio wurde der damals aufwendige Spielfilm "Die Unendliche Geschichte" gedreht.

Dabei waren die Bavaria Studios ursprünglich für die Produktion gar nicht vorgesehen gewesen. Mitten in den Vorbereitungen begann die Pandemie, und dem Produktionsteam von "The Magic Flute" wurde schnell klar, dass ein Plan B entwickelt werden musste, für den Fall, dass der Drehort Marokko unmöglich wird. So kam Christoph Kanter ins Spiel, der bereits für preisgekrönte Michael-Haneke-Filmen wie "Das weiße Band" das Szenenbild gemacht hatte. Mit ihm wurde ein nachhaltiges Studiomodell konzipiert, aus dem man drei Sets abbilden kann. Der Bau des Grundsets dauerte mehrere Monate, die Umbauphasen nur wenige Tage. "Christoph ist hier in den Bavaria Studios für seine tollen Sets bekannt, drüben in der Werkstatt hängen noch große Bilder aus ,Der Teufelsgeiger'. Wir sind sehr glücklich, ihn zu haben. Es gibt nicht viele in Deutschland, die so etwas bauen können", sagt Fabian Wolfart, während am Set große Flammen angezündet werden. "Der Übergang verlief fließend und selbstverständlich. Die Bavaria Studios hatten schnell großes Interesse, dass dieses Set umgesetzt wird. Hätten wir länger an Marokko festgehalten, dann könnten wir da jetzt immer noch nicht drehen. Mit dem Produzieren hier sind wir auch viel glücklicher." Das Bühnenbild wurde in der internen Bavaria-Werkstatt gebaut, was nicht selbstverständlich ist. Oft bauen Produktionen ihre Kulissen im Ausland auf und lassen sie dann in das Studio hineinfahren. "Wir geben viel Geld in Bayern aus, das freut mich, ich bin ja selbst Münchner", sagt Wolfart.

Für die Verwandlung der Oper in einen Coming-of-Age-Kinofilm war auch das Casting eine Herausforderung. "Hätte ich da ein 40-jährigen Prinzen hingestellt, hätten alle gedacht, ich habe einen an der Waffel", erklärt Christopher Zwickler. "Wir wollten jemanden aus Europa haben, die auch englische Schauspieler kennt. Da hat Roland Emmerich die Casterin Sophie Holland empfohlen. Gemeinsam mit ihr entschieden wir uns für Jack Wolfe für die Rolle des Prinzen. Er singt sehr spannend, nicht wie ein ausgebildeter Opernsänger, aber in der Unschuldigkeit der Figur ist die Stimme für das Projekt perfekt. Unsere Rahmengeschichte soll insbesondere junges Publikum ansprechen."

Die Deutsche Grammophon ist selbstverständlich begeistert von der Idee, dass der Film Jüngeren klassische Musik nahebringen soll. Zuspruch bekommen die Produzenten auch vom Mozarteum. Ebenfalls von Vorteil: Der Regisseur Florian Sigl hat selbst klassische Musik studiert. Produzent Christopher Zwickler wiederum ist begeisterter Fan der Zauberflöte: "Die Zauberflöte ist die Einstiegsoper und nicht nur etwas fürs Bildungsbürgertum. Bei den Aufführungen kurz vor Weihnachten sieht man ein gemischtes Publikum von jung bis alt, aus allen Gruppen. Wir hoffen, dass bei der Veröffentlichung wieder Normalität in dem Alltag von uns allen eingekehrt ist und wir gemeinsam in vollen Kinosälen Mozarts zeitloses Werk schauen werden." "The Magic Flute" soll voraussichtlich Weihnachten 2022 in die Kinos kommen.

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