Kabarett:Ein Wiedersehen mit den Mutanten

Sigi Zimmerschied arbeitet in "Maskenball" die Corona-Verwüstungen mit früheren Figuren auf.

Von Oliver Hochkeppel

Kabarett: Sigi Zimmerschied.

Sigi Zimmerschied.

(Foto: Franziska Schrödinger)

Sigi Zimmerschied hat ja erfreulicherweise immer mehr bei Film und Fernsehen zu tun. Gerade erst ist "Weißbier im Blut" in einige wiedereröffnete Kinos gekommen, wo er die Hauptrolle des trinkenden Kommissars Kreuzeder spielt. Im August soll "Kaiserschmarrndrama" folgen, der nächste Teil der Eberhofer-Krimis, wo er als Dienststellenleiter gecastet ist. Abgedreht ist beides freilich schon lange, und im Hauptberuf ist Zimmerschied immer noch Kabarettist, mit einer normalerweise höheren Auftrittsfrequenz als die meisten. Damit war es nun vorbei, doch während des Lockdowns bekamen Freunde folgende Post von ihm: "Mir bleibt zur Zeit nur das Schreiben. Was heißt nur. Da kommt was auf Euch zu. Wenn's wieder geht."

Jetzt geht's wieder, und in der Tat startet der große Passauer mit einem neuen Programm durch, dessen Titel so naheliegend und so zu dieser Zeit passend ist, dass eigentlich schon jemand hätte drauf kommen müssen: "Maskenball". Weil Zimmerschied ursprünglich ein Best-of-Präsentationsprogramm als Destillat seiner soeben erschienenen, selbst verlegten DVD-Box mit seinem Bühnengesamtwerk plante, ist es ein geniales Zwischending geworden: Die passendsten Figuren aus seinen früheren Programmen tauchen nun im neuen Kontext der Corona-Zeit wieder auf, vom ständig besoffen dahersalbadernden Lokalpolitiker Hubert aus "Ausschwitzn" bis zum Scheißhaussepp, vom multiplen Loise bis zu vielen anderen "Betondeppn". Die Vergangenheit trifft auf die Gegenwart, was allen Fans ein Wiedersehen mit den hassgeliebten früheren Gestalten beschert, zugleich aber eine neue Seite im Kampf gegen die alten Dämonen aufschlägt. Wie immer keine leichte Kost, zumal Zimmerschieds Fazit sich nicht geändert hat: Dem Menschen ist halt nicht zu helfen, auch nicht durch Masken. Der Homo hat sein Sapiens schon lange verloren.

Oder, wie Zimmerschied selbst über "Maskenball" schreibt: "Ein Programm über die ewige Pandemie. Über 45 Jahre Kabarett. Über 90 Minuten Hoffnung. Ein Stoff gegen Asoziale aller Bildungs- und Gehaltsgruppen, Verschwörungstheoretiker, Heilsbringer und andere hoch infektiöse Verblödungserreger. Ein spielerisches Plädoyer, für einen permanenten Populismuslockdown, Denkhygiene und einen großen Mindestabstand zu Dummheit, Opportunismus und Ignoranz." Und ein Beitrag im Kampf für die derzeit von allen Seiten unter Beschussgenommene Ironie, wie man ergänzen möchte.

Sigi Zimmerschied, Mi., 16. Juni, bis So., 27. Juni, 19.30 Uhr, Garten der Seidlvilla, Nicolaiplatz 1b, Telefon: 34 49 74

© SZ vom 10.06.2021
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