"Chidon Hatanach":Jüdisches Bibelquiz findet erstmals in Deutschland statt

"Chidon Hatanach": Charlotte Knobloch überreicht der Gewinnerin des Wettbewerbs Yael Yao die Urkunde.

Charlotte Knobloch überreicht der Gewinnerin des Wettbewerbs Yael Yao die Urkunde.

(Foto: Stephan Rumpf)

Wer gewonnen hat und was an dem Wettbewerb so besonders ist.

Von Sophie Menner

"Ich sehe auch mit Maske euer Lachen", sagt Eva Haller, als die Jugendlichen für ein Gruppenfoto im Hubert-Burda-Saal im jüdischen Zentrum in München zusammenkommen. Damit beschreibt die Vorstandsvorsitzende der Europäischen Janusz-Korczak-Akademie (EJKA) die Stimmung der vergangenen beiden Tage perfekt. "Für die meisten war nicht das Gewinnen das Wichtigste, sondern die Teilnahme", bestätigt Flora Kanyo, Schülerin des Helene-Habermann-Gymnasiums. "Wir haben uns sofort gut verstanden. Wir kommen aus unterschiedlichen Städten, aber haben alle eine Gemeinsamkeit." Bei manchen Schülerinnen und Schülern ist die Gemeinsamkeit ersichtlich: Viele Jungen tragen eine Kippa, weiß, schwarz oder fliederfarben, aus Samt oder gehäkelt, ganz schlicht oder mit goldenen Stickereien. Wieder andere Jugendliche tragen den Davidstern als Kette um den Hals, so auch Stella Gröszer aus Berlin. "Was uns verbindet ist nicht nur das Judentum, sondern auch, dass wir uns alle mit dem Tanach auseinandersetzen. Es ist, als ob alle das gleiche Buch gelesen haben und man sich darüber austauschen kann."

Der Tanach ist die Heilige Schrift des Judentums. Beim traditionellen Quiz "Chidon Hatanach" stellen die Jugendlichen ihr Wissen über die hebräische Bibel unter Beweis. In diesem Jahr richtet die EJKA zusammen mit der Jewish Agency for Israel das Quiz zum ersten Mal als nationalen Wettkampf im deutschsprachigen Raum aus. Rund 40 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland und Österreich sind dafür nach München gereist. Sie konnten sich bereits bei einem Vorentscheid an ihren Schulen qualifizieren. Der nationale Wettbewerb fand am Montag im Helene-Habermann-Gymnasium statt. Die Schüler mussten Fragen zu einem bestimmten Abschnitt des Tanach beantworten. Einige Fragen stellten die Jurymitglieder persönlich. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde und Schirmherrin des Wettkampfs, wollte wissen: "Welcher der zwölf Söhne Jakobs hat am meisten Verantwortung für einen seiner Verwandten übernommen?" Für Knobloch ist nicht nur das Praktizieren des Judentums wichtig, sondern auch der Erhalt des Wissens darüber: "In die tiefe Weisheit des Tanach einzutauchen und das Wissen des jüdischen Volkes zu erforschen, das ist eine Leistung."

"Chidon Hatanach": Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl und die beiden Zweitplatzierten Emuna Rachel Bergauz aus München und Josef Gendlin aus Berlin.

Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl und die beiden Zweitplatzierten Emuna Rachel Bergauz aus München und Josef Gendlin aus Berlin.

(Foto: Stephan Rumpf)

Umso stolzer verlas Knobloch im Anschluss den Namen der Erstplatzierten: Yael Yao von der jüdischen Gemeinde in Stuttgart konnte nicht nur die meisten Fragen richtig beantworten, sondern war mit elf Jahren auch die jüngste Teilnehmerin. Mit ihrem Sieg qualifiziert sie sich für den internationalen Wettbewerb in Jerusalem. Den zweiten Platz teilten sich Emuna Rachel Bergauz aus München und Josef Gendlin aus Berlin. Sie erreichten beide die gleiche Punktzahl. Nechama Engelmayer aus Wien landete auf dem dritten Platz.

"Für München ist es eine Ehre, dass jüdische Schüler aus ganz Deutschland und Österreich zusammengekommen sind, um jüdische Traditionen zu pflegen", sagt Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl. Der Münchner Stadtgesellschaft sei es wichtig, dass jüdisches Leben wieder in der Mitte der Stadt sichtbar wird. "Für Gewalt und Antisemitismus ist kein Platz", sagt Dietl. "Jüdisches Leben gehört zu München. Jüdisches Leben ist München."

Der wichtigste Teil des Wettbewerbs bleibt der soziale Faktor. Für Flora Kanyo aus München war der gemeinsame Abend vor dem Quiz das Highlight: "Wir saßen alle zusammen und haben jüdische Lieder gesungen. Das war total das Gemeinschaftsgefühl." Im nächsten Jahr möchten sie und ihre Klassenkameradinnen auf jeden Fall wieder mitmachen.

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