Kurzkritik:Tröstende Gesänge

Besinnung mit Brahms und den Münchner Philharmonikern: "Ein deutsches Requiem" in der Isarphilharmonie.

Von Sarah Maderer, München

Feierlich sakral und zugleich unkonventionell hat Johannes Brahms sein "deutsches Requiem" angelegt, das inmitten der Karwoche in der Isarphilharmonie seinen idealen Aufführungsort findet. Auf dem Rang über der Bühne zum Rücken der Münchner Philharmoniker erhebt sich der gut 80-köpfige Philharmonische Chor München, dessen Gesänge - einstudiert von Andreas Herrmann - Dirigent Paavo Järvi in engem Kontakt auffängt und mit dem Orchester und den Gesangssolisten Mari Eriksmoen und Matthias Goerne eint. Besonders Eriksmoen vermag es mit ihrem komplexen, durchdringenden Sopran den Trost für die Hinterbliebenen zu transportieren, die Brahms anstelle der Verstorbenen ins Zentrum seiner Trauermusik rückt.

Die deutliche Artikulation der Solisten und Chorsänger verleiht dem Text würdigen Ausdruck, ein nicht zu vernachlässigendes Detail, nachdem Brahms statt der für die Gattung üblichen lateinischen Liturgie ausgewählte Bibelstellen in deutscher Sprache wählte. Trauer und Hoffnung, Fatales und Triumphales eng in Text und Musik verwoben als wahrlich österliche Botschaft: "Denn es wird die Posaune schallen und die Toten werden auferstehen; der Tod ist verschlungen in den Sieg" (1. Korinther 15). In kraftvollem, "Dies Irae" würdigem Marcato nehmen sich die Blechbläser dieser Prophezeiung an, ehe der Chor mit einem strahlenden "Selig" im letzten Satz den textlichen Bogen zum Beginn spannt. Das feierlich auskomponierte "Sterben" kommt schließlich in einem kathartischen F-Dur-Akkord zur Ruhe, den Holzbläser und Harfen weniger entschlafen als vielmehr tröstend entschweben lassen.

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