Jobcenter München "Fast jeder schleppt sich krank ins Büro"

Wegen einer tatsächlichen Fallzahl von 150 bis 160 Hartz-IV-Haushalten pro Mitarbeiter haben auch die Leistungssachbearbeiter im Jobcenter des Sozialbürgerhauses Neuhausen-Moosach eine Überlastungsanzeige gestellt. Wenn Kollegen krank oder in Urlaub seien, entstünden erhebliche Verzögerungen, die zu Beschwerden führten: Denn für den jeweiligen Stellvertreter verdopple sich dann die Fallzahl. "Fast jeder schleppt sich krank ins Büro", heißt es in dem Brandbrief, um nicht den Kollegen mit der Vertretung zu belasten und Rückstände bei beiden auflaufen zu lassen.

Dass sich Musati dann auch noch mit einer niedrigeren Krankheitsquote brüstet, "klingt daher für uns auch noch wie eine zusätzliche Verhöhnung". Länger überlastete Mitarbeiter würden dann schwer erkranken. Verschärft werde die Situation durch erhebliche organisatorische Mängel sowie eine immer noch unzureichende Software mit teilweise extremen Antwortzeiten. Angesichts dieser Belastung sei "kurz- bis mittelfristig ein Wechsel an eine andere Dienststelle schon aus Gründen des Selbstschutzes und der Gesunderhaltungspflicht zwingend erforderlich", schreiben die Jobcenter-Mitarbeiter.

Die Personalsituation führte jetzt im Sozialausschuss des Stadtrats fraktionsübergreifend zu großem Ärger. "Die Situation ist alles andere als befriedigend", kritisierte Constanze Söllner-Schaar (SPD), die von einem "Dauerbrenner" sprach. Brigitte Meier hat deswegen bereits an die Bundesagentur und an den Städtetag geschrieben. Sie versuchte es als Erfolg zu verkaufen, dass sich die Bundesagentur inzwischen einer Untersuchung zur Ermittlung eines bedarfsgerechten Stellenschlüssels nicht mehr verschließt.

Grünen-Fraktionschefin Gülseren Demirel wertete die Briefe dagegen als "nette Appelle - aber es passiert nichts". Die Diskussion mit der Bundesagentur verlaufe "hoffnungslos". Angesichts des "gewaltigen Personalproblems" müsse nun aber endlich etwas passieren, meinte auch Offman. Er warnte die Arbeitsagentur davor, weiter zu versuchen, die Zahlen schönzurechnen: "Das wird scheitern, denn die Mitarbeiter stimmen mit den Füßen ab und gehen."