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Islamzentrum in München:Stadt sucht nach Grundstück für Moschee

Benjamin Idriz in Moschee in Penzberg, 2014

Der Imam von Penzberg, Benjamin Idriz, verfolgt seit Jahren seine Idee, in München ein Islam-Zentrum zu bauen.

(Foto: Manfred Neubauer)

"Ich habe von Ude mehr erwartet", hatte Imam Idriz in einem SZ-Interview gesagt - und damit für Ärger im Rathaus gesorgt. Nun erklärt der Münchner Oberbürgermeister den Streit für ausgeräumt. Und verspricht, einen Standort für das "Münchner Forum für Islam" vorzuschlagen.

Das Moschee-Projekt von Imam Benjamin Idriz könnte demnächst einen großen Schritt vorankommen. Nachdem der Stadt inzwischen der Raumbedarf vorliege, prüfe die Verwaltung diesen derzeit und werde dann dem Imam einen Standortvorschlag unterbreiten. Dies kündigte Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) am Montag an. Auf welcher Fläche das "Münchner Forum für Islam" (MFI) entstehen könnte, ließ er offen.

Sicher ist nur, dass der jahrelang diskutierte Standort an der Herzog-Wilhelm-Straße in der Nähe des Stachus' vom Tisch ist. Als Alternative war zuletzt das Neubauareal im Bereich Dachauer Straße/Schwere-Reiter-Straße im Gespräch.

Idriz hatte vergangene Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung die Stadt und Ude persönlich kritisiert, da ihm nach sieben Jahren der Planung noch immer kein Grundstück vorgeschlagen worden sei. "Ich habe von Ude mehr erwartet." Ohne ein konkretes Areal könne er keine Geldgeber gewinnen. Idriz, Imam der muslimischen Gemeinde in Penzberg, will in dem MFI eine repräsentative Moschee mit Islam-Akademie, Bibliothek und Museum in der Innenstadt bauen; das Projekt dürfte einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag kosten.

Geplantes islamisches Zentrum

Ein Platz in der Mitte

Ude reagierte vergangene Woche alles andere als erfreut auf das Idriz-Interview. Am Montag aber erklärte er den Konflikt mit dem Imam wieder für beendet: Zunächst hatte sich Idriz' Anwalt Hildebrecht Braun und wenig später auch der Imam selbst bei ihm entschuldigt und gewisse Äußerungen bedauert. Damit, so Ude, "ist die Sache für mich abgeschlossen". Er kritisiert seinerseits den Zeitpunkt des Interviews im Wahlkampf: Idriz selbst habe vor Monaten den Stadtrat "um Stillschweigen" gebeten. Dann sei es "nicht schlau", sich selbst nicht daran zu halten.

Atmosphärischen Störungen beheben

Braun und Idriz bestätigten, dass sie Ude geschrieben haben. Falls sich jemand von bestimmten Äußerungen in dem Interview beleidigt fühle, dann entschuldige er sich dafür, sagte der Imam. Mit dem Brief an Ude wolle er die atmosphärischen Störungen beheben. Auch räumte Idriz ein, dass er im Sommer Ude und den Stadtrat gebeten habe, gegenseitige Kritik zunächst nicht öffentlich zu äußern. Damals hatte Ude im Gespräch mit der SZ den Imam kritisiert, weil die Moschee-Planung nicht vorankomme.

Ude berichtete, er habe sich am Rande der Sicherheitskonferenz am vergangenen Wochenende mit dem Außenminister Katars getroffen. Der Golfstaat gilt als potenzieller Geldgeber für das Islam-Zentrum. Der Minister habe das weiter bestehende Interesse seines Landes an der Finanzierung bekundet und sich "sehr erfreut" darüber gezeigt, dass der Standort Herzog-Wilhelm-Straße nicht weiter verfolgt werde. Da unter dem Grundstück eine Tiefgarage liegt, gibt es Sicherheitsbedenken. Wenn die Verwaltung einen neuen Standortvorschlag präsentiert habe, sagte Ude, wolle man diesen besichtigen, dann auch mit einem offiziellen Vertreter Katars.

Katar könnte Geldgeber werden

Zur Diskussion, ob Katar als Finanzier des MFI politisch erwünscht sei, äußerte sich Ude nicht. Das Land steht international in der Kritik, seit die miserablen Lebens- und Arbeitsbedingungen von ausländischen Bauarbeitern dort bekannt wurden. Die grüne Oberbürgermeister-Kandidatin Sabine Nallinger etwa, die das MFI offensiv unterstützt, lehnt Katar als Finanzier ab. Idriz solle sich nach einem anderen Geldgeber umschauen. Ude betonte seinerseits, dass es einem muslimischem Verein wie dem MFI frei stehe, sich von jedem muslimischen Land seiner Wahl unterstützen zu lassen.

Würde sich Idriz aber einen anderen Sponsor suchen, würde er einige Diskussionen vermeiden. Idriz betont seit Jahren, dass er keinem Geldgeber Einfluss auf das MFI zugestehen werde. Nach wie vor lehnt Ude Idriz' Forderung ab, dass die Stadtspitze nach Katar reist, um persönlich mit dem Emir zu sprechen und so den diplomatischen Boden für die Finanzierung zu bereiten. Die Stadt werde "nicht auf Sponsorensuche gehen", betonte Ude. Weder auf Einladung des Emirs noch auf Kosten des Steuerzahlers werde er an den Golf fliegen: "Ich bin nicht der Bittsteller."