Innenstadt Wie Eataly die Schrannenhalle wieder beleben will

Die italienische Feinkostkette Eataly soll die Schrannenhalle zum Erfolg führen.

(Foto: dpa)

Vor der Neu-Eröffnung stellt die italienische Feinkostkette ihre Pläne vor. Die Stadt ist optimistisch, dass die Schrannenhalle nun endlich von den Bürgern angenommen wird.

Von Alfred Dürr

Nach verschiedenen gescheiterten Versuchen, die Schrannenhalle zu einem attraktiven Marktplatz und Treffpunkt in der Innenstadt zu machen, soll nach dem Umbau nun die italienische Feinkostkette Eataly den Erfolg bringen. Halleneigentümer Hans Hammer, der Münchner Eataly-Geschäftsführer Alexander Baermann und der Chef der städtischen Märkte, Boris Schwartz, sind vor der Wiedereröffnung der Halle am 26. November optimistisch: Diesmal klappe es bestimmt mit dem neuen Konzept. Profitieren würden alle - die Bürger und Gäste der Stadt, der Viktualienmarkt als Nachbar und natürlich auch die Schrannenhallen-Investoren.

Italienische Küche in allen Variationen

Die positive Stimmung war auf der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses (BA) Altstadt-Lehel spürbar. Dort erhielten die von Alexander Baermann vorgestellten Eataly-Pläne Beifall. Die Schrannenhalle wird sich in 16 Gastronomie-Bereiche gliedern, an denen italienische Küche in allen Variationen angeboten wird. Dann wird es eine Marktzone mit 10 000 Produkten geben.

Die Schrannenhalle wird italienisch

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Kaufen kann man in der Halle aber auch Kochbücher, Haushaltswaren oder Weine aus Italien. Eine Kochschule soll das nötige Know-how zum Selbermachen vermitteln. Die Besucher können außerdem erleben, wie Lebensmittel-Produkte, zum Beispiel Mozzarella, der typische italienische Käse, hergestellt werden.

"Wir wollen viele Ideen im Zusammenhang mit Italien aufgreifen", sagte Baermann. Dabei spiele nicht nur die Kulinarik eine Rolle. So könne zum Beispiel der Karneval von Venedig zum Thema von aufeinander abgestimmten Aktionen am Gastro-Stand, im Buchladen oder in der Kochschule gemacht werden. Eine weitere Idee ist, die Regionen Italiens mit ihren Besonderheiten zu präsentieren.

Kein elitäres Vergnügen

Ein zentraler Aspekt ist für Baermann, dass die Architektur der historischen Schrannenhalle mit ihrer filigranen und dennoch kühnen Eisenkonstruktion besser zum Vorschein komme. Erleben könne man die Halle an großen Tischen, an denen alle nach dem Biergarten-Prinzip Platz nehmen sollen: "Wir wollen alle Bevölkerungsschichten ansprechen." Der Besuch soll kein teures und elitäres Vergnügen sein. Eataly verstehe sich nicht als Kette: "Wir sind eine Familie."

Die Schranne, eine Tragikomödie

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Das Unternehmen verfügt inzwischen weltweit über 27 Filialen, davon sind 17 in Italien. Der Jahresumsatz beträgt 300 Millionen Euro. Insgesamt 4000 Mitarbeiter sind im Unternehmen beschäftigt - in München, der ersten Filiale in Deutschland, werden es 200 sein. Die Öffnungszeiten: für den Marktbereich von 9.30 bis 20 Uhr, für die Gastro-Theken bis 23 Uhr.

BA-Mitglied Norbert Weigler (Grüne) ist diese neue Entwicklung nicht geheuer. Der für München so charakteristische Viktualienmarkt bekomme durch den Nachbarn unangenehme Konkurrenz. Doch mit dieser Meinung blieb er allein. Die Viktualienmarkt-Händler seien mit dem Eataly-Konzept einverstanden, berichtete Wolfgang Püschel (SPD). Auch die Vertreter von CSU und FDP legten ein Plädoyer für die Schrannenhalle ab. Nach der langen Zeit, in der vieles nicht funktionierte, habe die Halle jetzt eine Zukunftsperspektive.

Eigentümer hofft auf neuen Publikumsmagneten

"Da nimmt niemand jemand die Butter vom Brot", sagte Eigentümer Hans Hammer. Er sei sich sicher, dass die Angebote ein Publikumsmagnet seien. Von den hohen Besucherzahlen würden auch die Stände des Viktualienmarktes etwas haben. Angesprochen darauf, ob nicht auch rein "kulturelle Veranstaltungen" stattfinden könnten, reagierte Hammer deutlich: "Kein Mensch ist an einer Halle für Lesungen oder Vernissagen interessiert." Nur die Kombination aus Kultur und Lebensmitteln funktioniere.

Märktechef Boris Schwartz sagte, "Viktualienmarkt und Schrannenhalle können sich gegenseitig befruchten". Es gebe zwar Überschneidungen beim Angebot, "aber in der Summe erwarten wir, dass für den Viktualienmarkt positive Wirkungen eintreten". Dass die Schrannenhalle aus dem Jahr 1853, die vor zwölf Jahren wiedererrichtet wurde, zum Flop werde, wünsche sich niemand.