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Influencer:Wie Münchner auf Instagram Geld verdienen

Auf der neuen Seite "lindarellade" von Linda Mutschlechner finden sich Themen wie gesundes Frühstück und Joggingrunden im Englischen Garten. Fast 100 000 Instagram-Nutzer interessiert das.

(Foto: instagram.com/lindarellade)

Junge Menschen zeigen im Netz ihr vermeintlich normales Leben. Dahinter stecken oft gut bezahlte Werbebotschaften.

Die Freundin

Den Jakobsweg laufen und dafür von einem Wanderschuhhersteller bezahlt werden. Oder mit dem Rennrad am Mittelmeer entlang: Auf dem InstagramAccount "lindarellade" dreht sich alles um Fitness, Yoga und Ernährung. Immer im Mittelpunkt: Linda Mutschlechner. Noch während sie Kultur und Sprachwissenschaften studierte, startete sie mit einer Mitbewohnerin ihren ersten Blog, in dem es um Mode ging. Auf ihrer neuen Seite "lindarellade" finden sich Themen wie gesundes Frühstück und Joggingrunden im Englischen Garten. Fast 100 000 Instagram-Nutzer interessiert das.

"Ich versuche, meine Follower immer überall mit hinzunehmen. Viele sehen in mir so was wie eine beste Freundin", sagt die 28-Jährige, die in München aufgewachsen ist. Inzwischen lebt sie davon, dass sie sich selbst im Netz vermarktet. Veröffentlicht sie ein Bild, das in Zusammenarbeit mit einem Werbepartner entstanden ist, kassiert sie dafür einen dreistelligen Betrag. Trotzdem würde sie ihre Arbeit auf Instagram nicht als ihren Hauptberuf bezeichnen: "Ich arbeite auch als PR-Beraterin und Stylistin."

Mutschlechner posiert auf ihrem Instagram-Account mal neben Wodkaflaschen mit dem Arlberg als Kulisse, mal in Yogapose am Monopteros im Englischen Garten. Gerne kommentiert sie ihre Bilder in Englisch und verpasst ihnen entsprechende Hashtags: "What I came for: Relax, Rewind, Refresh. #sundays #yogini #beachyoga". Ihre Fans reagieren mit zahlreichen Wow-Smileys. Für die Hochglanzfotos bucht Mutschlechner meist professionelle Fotografen. Den Rest macht sie selbst: Bilder bearbeiten, Kooperationen mit Firmen vorbereiten und den Kontakt mit den Fans pflegen. "Ich versuche immer, ich selbst und möglichst authentisch zu bleiben. Ich möchte meine Follower weniger beeinflussen, sondern vielmehr inspirieren", erklärt Mutschlechner im schönsten PR-Sprech. Sie weiß, was die Kunden hören wollen. Denn nah an der Zielgruppe sein, das ist auch für Unternehmen das Argument für diese Werbeform.

Die Unsichtbaren

28 600 Follower können Carina Halfen und Pia Koban auf der Plattform Instagram vorweisen.

(Foto: instagram.com/munichinside)

Ab nach Hause? Wenn ihre Kollegen Feierabend machen, geht es für Carina Halfen noch weiter. Mit ihrer Freundin Pia Koban betreibt Halfen unter dem Namen "Munichinside" seit 2014 einen Blog und eine Instagram-Seite. Das bedeutet: E-Mails beantworten, Texte schreiben und Bilder hochladen statt Feierabend. So wird ihr Kanal immer wieder um Bilder von Kaffee, Pizza und stilvoll eingerichteten Räumen erweitert. Koban und Halfen selbst sind selten zu sehen - es geht ihnen darum, München in allen Facetten zu zeigen: "Es war uns wichtig, dass nicht wir selbst im Vordergrund stehen", sagt Halfen.

Die beiden wollen ihren Lesern eine Orientierung angesichts der Vielzahl von Cafés, Start-ups und Events geben: Nicht in Touristenfallen tappen, sondern besondere Orte mit bezahlbaren Preisen finden. So etwas habe es in München nicht gegeben: "Da haben wir uns gedacht, warum machen wir's nicht einfach selber?", sagt Koban. Die beiden wollen Empfehlungen schreiben, keine Kritiken. Manchmal kooperieren die 29-jährige Koban und die zwei Jahre jüngere Halfen mit Firmen, deren Ideen sie unterstützen wollen. Dann besuchen sie eine Veranstaltung oder ein Café und berichten online darüber. Dafür zahlen die Firmen einen mittleren dreistelligen Betrag.

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Studentenjob. Koban ist heute selbständige Social-Media-Beraterin, und Halfen arbeitet bei einer Agentur. Den Beruf und "Munichinside" zu verbinden, ist nicht immer einfach. Deshalb sind sie froh, zu zweit zu sein: "Man hat immer jemanden, der einspringen kann, wenn es mal brenzlig wird", sagt Koban. Hauptberuflich wollen sie den Blog nicht betreiben, um nicht von Werbepartnern abhängig zu sein. In Zukunft aber wollen sie ihr Themenspektrum ausdehnen, zum Beispiel auf die Menschen in der Stadt. Auch neue Orte sollen dazukommen, aber Koban erklärt: "Der Fokus liegt auf München, und so soll es auch bleiben."