Ausstellung:Zwischen Tradition und Moderne

Inside India's Queer Community

Transfrau Kavya Jaiswal ist Stimmbildnerin in Mumbai.

(Foto: Gina Bolle)

In Indien war die Diskriminierung von Homosexuellen bis vor kurzen noch gesetzlich verankert. Zwei junge Münchner Fotografen haben die Queer-Community dort besucht. Ihre Arbeiten zeigen sie nun in einer Ausstellung.

Von Sarah Zapf, München

Im Jahr 2018 wurde in Indien ein fast 160-Jahre altes Gesetz durch ein historisches Grundsatzurteil abgeschafft. Paragraf 377 des indischen Strafgesetzbuchs kriminalisierte lange Zeit LGBTIQ-Personen und verschärfte so die gesellschaftliche Diskriminierung und Tabuisierung.

Die Idee, das Leben von LGBTIQ-Personen in dem Land mit der Kamera einzufangen, kam dem 28-jährigen Francesco Giordano im Gespräch mit einem homosexuellen Paar aus Indien. Für seine Studienfreundin Gina Bolle, eine 30 Jahre alte Fotodesignerin, war das Interesse Interesse für einen kulturellen Austausch ebenfalls groß.

Im November 2019 reisten die zwei freischaffenden Fotografen also zusammen mit den beiden befreundeten Journalistinnen Maria Christoph und Stefanie Witterauf als Team dann nach Indien. Die vierwöchige Reise führte sie in einige der größten Städte des Landes: Mumbai im Westen, Chennai im Süden, Kalkutta im Osten und Neu-Delhi im Norden.

Aus ihren vielfältigen Eindrücken und Gesprächen vor Ort ist ein bemerkenswertes künstlerisch-fotografisches Projekt entstanden, das Fragen der Veränderungen, Hoffnungen und Träume in der Zeit nach der Gesetzesänderung nachspürt. Dafür sprach das Team mit Menschen, die ihnen ihre ganz eigene Geschichte erzählten und vertrauensvoll Einblick in ihr Leben gewährten.

Alle Porträtierten verbindet ihr nach wie vor anhaltender Kampf in einem Land zwischen Moderne und Tradition. Denn auch, wenn Diskriminierung von LGBTIQ-Personen offiziell nicht mehr erlaubt ist, lösen sich alte Strukturen und Erwartungshaltungen in indischen Familien nur sehr langsam auf. Ziel des Projekts ist es daher auch, den Kampf gegen Ungleichheit und Homophobie noch stärker global zu denken. Andere Kulturen und ihre Ansichten durch dieses und ähnliche Projekte zu zeigen, so Giordano, kann zu mehr Toleranz im eigenen Land beitragen.

Besucherinnen und Besucher erwartet eine Ausstellung, die eine Mischung aus erzählerisch-dokumentarischen und inszenierten Porträts zeigt. "Es ist ein bisschen wie ein Tagebuch", sagt Giordano, "in dem wir die Stimmung nacherzählen, die wir vor Ort gespürt haben". Neben dem visuellen Eindruck bringen Gesprächsaufzeichnungen die Porträtierten den Betrachtern näher. Ob ein ähnliches Projekt in einem anderen Land in Planung ist? "Vorerst möchte ich im Münchner Raum Porträts über Künstlerinnen und Künstler anfertigen, die sich im queeren Spektrum bewegen", sagt Giordano, aber ein nächstes Land komme sicherlich auch.

Ausstellung Inside India's Queer Community, Samstag, 10., bis Sonntag, 11. Juli, Das Zwo, Augsburger Str. 2, mehr Informationen unter insideindiasqueer.community.de

© SZ/arga/lyn
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