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München:Iberl-Bühnen-Chef Georg Maier ist tot

Neues Domizil der Iberl-Bühne in München, 2014

Im Jahr 1966 übernahm Georg Maier, Sohn einer Münchner Wirtsfamilie, das Gasthaus Iberl in Solln. Hier steht er mit seiner Tochter Georgia Brodka Maier auf der Bühne (links).

(Foto: Robert Haas)

In München galt Maier als Original. Für sein Theater schrieb er viele der volkstümlichen Stücke selbst, er stand als Schauspieler auf der Bühne und führte die Regie. Gelegentlich war er auch im Fernsehen zu sehen.

Von Astrid Becker und Franz Kotteder

Der Chef der Münchner Iberl-Bühne, Georg Maier, ist tot. Er ist am 1. Januar kurz nach Mitternacht nach schwerer Krankheit im Alter von 79 Jahren gestorben, teilt seine ältere Tochter, Georgia Brodka Maier, auf Facebook mit.

Maier hatte sein Theater auf den Tag genau vor 55 Jahren eröffnet, damals noch im Münchner Stadtteil Solln in der Gaststätte Iberl, die als Namensgeber fungierte und die er damals auch als Wirt gepachtet hatte. 2014 zog die Iberl-Bühne in das "Augustiner Stammhaus" in der Herzogspitalstraße um.

Maier wurde in Grünwald als Spross einer Wirtefamilie geboren. Aufgewachsen ist er aber im Schlachthofviertel, wo sein Vater 1954 das damalige Pfälzer Weinstüberl an der Thalkirchner Straße übernommen hatte. Im München der Nachkriegszeit begeisterte er sich schnell für die Musik der amerikanischen Besatzungssoldaten, für den Jazz und den Swing. Und im väterlichen Stehausschank lernte er das bayerische Personal kennen, das später in seinen Stücken eine Hauptrolle spielen sollte: Arbeiter und Stenzen, Angeber und stille Säufer. "Zwischen zwei Welten" sei er aufgewachsen, erzählte er später oft, und der Liebe zu beiden: zur Heimat der Mutter, die aus Amerika stammte, und zur eigenen bayerischen Herkunft.

Mit 24 Jahren wurde er dann selber Wirt, in der Gaststätte Iberl in Solln. Dort wollte er im Wirtshaussaal einen Jazzclub aufmachen, aber der lief überhaupt nicht. Irgendjemand riet ihm dann: "Spiel' halt dort Theater", und das machte er dann auch, mit großem Erfolg. Die meisten der volkstümlichen Stücke schrieb er selbst. Seine "Grattler-Oper" zu Blues-, Jazz- und Rock'n'Roll-Musik (Text: Gerhard Loew, Musik: Peter Michael) wurde bundesweit ein Riesenerfolg, weil er die Klischees des volkstümlichen Bauerntheaters beherzt brach mit den manchmal saugroben Texten und zeitgemäßen Themen, schmissiger Musik und einer meist aufklärerischen Botschaft. Oft stand er selbst als Schauspieler auf der Bühne und führte Regie. Unter anderem haben die beiden bekannten bayerischen Kabarettistinnen Monika Gruber und Luise Kinseher ihre Laufbahn bei ihm begonnen. Gelegentlich war Maier auch im Fernsehen zu sehen, immer wieder in Serien von Franz Xaver Bogner wie "Irgendwie und Sowieso", im "Monaco Franze" von Helmut Dietl und zuletzt in "Hindafing". In München galt er als Original.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Fassung dieses Nachrufs wurde Georg Maier die gesamte Urheberschaft der "Grattler-Oper" zugesprochen. Er steuerte zu diesem Erfolgsstück die Regiearbeit bei, der Text stammte jedoch von Gerhard Loew, die Musik von Peter Michael.

© SZ.de/abec/jsa
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