MeinungInternationale AutomobilausstellungDie Chance sehen

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Von Heiner Effern

Lesezeit: 1 Min.

Bei der IAA bekamen die Autohersteller die besten Plätze der Stadt. Nun wird sich der Stadtrat mit der Frage beschäftigen, wem der öffentliche Raum gehört.
Bei der IAA bekamen die Autohersteller die besten Plätze der Stadt. Nun wird sich der Stadtrat mit der Frage beschäftigen, wem der öffentliche Raum gehört. imago-images/imago images/Smith

Bei der Aufarbeitung der IAA-Premiere wird es krachen im Stadtrat. Das ist gut so - wenn die richtigen Debatten geführt werden.

Eine riesige Automobilmesse wie die IAA in einer Stadt, die sich gerade an der großen Verkehrswende versucht, das ist auch ein großes politisches Experiment. Bei der Aufarbeitung der Premiere in München wird es im Stadtrat krachen. Das soll und darf so sein, das kann die Demokratie gut aushalten, und auch die Autoindustrie wird es müssen, wenn sie ihre größte Verkaufsshow weiter in München abhalten will. Es wird über die großen Zukunftsthemen, nicht nur der Stadt, gerungen: über die Frage, wie sich die Menschen künftig fortbewegen, ohne die Umwelt massiv zu beschädigen. Und über die Frage speziell auch in München, wem der öffentliche Raum gehört.

Dass sich diese Diskussion in München wegen der IAA noch mehr zuspitzt, dafür sorgte der Stadtrat bereits vor der Kommunalwahl 2020. Mit den Stimmen der damaligen Regierung aus CSU und SPD, aber auch die Grünen stimmten zu. Als es darum ging, dass die Autohersteller an Orten wie dem Odeons- oder Königsplatz ihre Stände aufbauen, verweigerten letztere ihre Zustimmung. Welche öffentliche Plätze betroffen sind, ist im Stadtrat lange bekannt.

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Wer auch immer sich jetzt überrascht gibt, dass die IAA auch 2023 und 2025 in der Stadt gastieren wird, und wer von Geheimverträgen raunt, sollte aufpassen, dass die Debatte nicht in die falsche Richtung läuft. Im Aufsichtsrat der Messe sitzt nicht nur Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), ihm gehören auch Stadträte von Grünen, CSU und SPD an. Und die Stadträte sollten vor allem nicht den Eindruck erwecken, als ob die Münchnerinnen und Münchner gegen die Autohersteller auf ihren Plätzen Sturm gelaufen wären. Das Kreisverwaltungsreferat zählte 13 (!) Beschwerden.

Der Stadtrat sollte sich nicht im Kleinklein zu Vertragsdetails verlieren. Die Lokalpolitiker könnten die Verkehrswende vorantreiben, im größeren Stil: Sie haben die Autohersteller noch mindestens zweimal zu Gast in der Stadt. Sie können sich an ihnen reiben, sie mit Initiativen unter Druck setzen und durch die Art, wie die Messe steigt, Einfluss nehmen. Wie die Stadträte dabei möglichst viel erreichen, darüber sollten sie streiten. Die IAA in der Verkehrswende-Stadt München - das ist nicht nur ein Experiment, sondern auch eine Chance.

© SZ vom 12.10.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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