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Homosexualität:Leylas langer Kampf für die Liebe zu einer Frau

Homosexualität LGTB Christopher Street Day

Im Juli zogen viele Menschen beim CSD-Christopher Street Day durch die Münchner Innenstadt. In der türkischen Kultur kann Homosexualität selten so offen gelebt werden.

(Foto: Stephan Rumpf)

Die Mutter wollte sie zum Therapeuten schicken, der Bruder bekam Mails, er solle besser auf seine "Lesbenschwester" aufpassen. In der türkischen Kultur ist Homosexualität noch immer ein Tabu-Thema.

Heute muss Leyla Öz ( Name von der Redaktion geändert) nicht mehr auf zwei Handys zurückgreifen: Ein "normales" und ein "lesbisches" Handy, wie sie es nennt. In der Türkei ist Homosexualität noch immer ein Tabuthema. Leyla, heute 28 Jahre alt, hatte in ihrer Jugendzeit täglich Probleme damit. Dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt und nicht zu Männern, war für sie selbst und ihre Familie ein großes Thema. Was für die westliche Welt heute als selbstverständlich gilt, ist in vielen Ländern- und Kulturkreisen verboten. Für die Freiheit, eine Person unabhängig von ihrem Geschlecht lieben zu dürfen, musste sie lange kämpfen.

Heute lebt Leyla in München und arbeitet in einer Kommunikationsagentur. Sie trägt einen schwarzen Blazer. Damit wirkt sie fast wie eine Geschäftsfrau, die genau weiß, was sie will. Arbeiten macht ihr Spaß. Und berufliche Ziele hat sie sich auch gesteckt. "Mein Ziel ist es, später in der Kommunikationsabteilung eines großen Technologie-Unternehmens zu arbeiten", erklärt sie. Bereits als Kind interessierte sich Leyla für Technik. Das war schon immer ihre Leidenschaft.

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Leyla ist im Norden Deutschlands geboren und wuchs mit ihren zwei Brüdern in einer Kleinstadt auf. Ihr Großvater ist zu Beginn der Achtzigerjahre als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. 1983 folgte ihm Leylas Vater im Alter von 18 Jahren, ihre Mutter kam dann vier Jahre später im Alter von 24 Jahren nach. Als einzige Tochter hatte sie es im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern nicht immer so einfach. Oft kam es in ihrem Fall zu alltäglichen Diskussionen - sei es eine bevorstehende Party oder ein längerer Abend mit Freunden. Dann versuchte sie sich durchsetzen. Leyla ist ernst: "Ich musste mir alles erkämpfen."

Leylas Familie ist weder streng konservativ noch strikt religiös. Ihr Vater geht zum Freitagsgebet in die Moschee und ihre Mutter betet ab und an abends für das Wohl der Familie. Ihre Eltern ließen ihr und ihren Geschwistern viele Freiheiten. Weder sie noch ihre Brüder geben Religion einen großen Stellenwert in ihrem Leben. Trotzdem fühlt sie sich von ihrer Familie oft nicht verstanden.

Die Zeit mit den zwei Handys

Leyla dreht sich eine Zigarette. Den Geschmack von Selbstgedrehten mag sie lieber als von Filterzigaretten. Sie erinnert sich an ihre Schulzeit. So ein richtiges Outing hatte sie nicht, erzählt sie, aber ihre ersten Erfahrungen mit Mädchen machte sie zu jener Zeit. Damals begann für Leyla die Zeit mit den zwei Handys. Sie lacht, als sie davon erzählt, und streicht sich dabei eine Strähne aus dem Gesicht. Sie hatte ein Handy, auf dem sie für ihre Familie und ihre Freunde zu erreichen war. Und das andere Handy nutzte sie, um mit anderen lesbischen, jungen Frauen in Kontakt zu treten, die sie über Online-Communitys und Foren kennenlernte.

Aktuell ist Leyla in einer festen Beziehung. Den Namen ihrer Freundin möchte sie wie ihren eigenen Namen nicht verraten. Familie ist ihr sehr wichtig - deswegen auch die Anonymität. "Ich finde, es gehört zum Leben dazu, eine eigene Familie zu haben. Besonders mag ich den Gedanken, später ein Kind zu haben, dem ich etwas beibringen kann." Sie möchte ihm eine starke Persönlichkeit mitgeben. Das ist nicht nur in der Arbeitswelt, sondern auch in alltäglichen Situationen lebensnotwendig.