Fotografie Für gute Bilder liegt sie am Ende schon mal im Dreck

Um bei Tieren den richtigen Moment einzufangen, braucht es Geduld und manchmal zermürbend viele Wiederholungen. Wenn alles nicht hilft? "Dann musst du Schluss machen", sagt Monika Wegler.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Hund will den Menschen gefallen, der Katze ist das egal: Monika Wegler fotografiert Haustiere und ist deutschlandweit bekannt.

Von Julia Bergmann

Das Fotomodell ist renitent. Sein Blick soll die Kameralinse suchen, klebt aber verzweifelt auf der Glastür zum Garten. Seine Pose hält er maximal ein paar Sekunden lang. Dann haut Kevin über die Treppe ins Obergeschoss ab. "Man kann es nicht erzwingen", sagt Monika Wegler, 69, und winkt ab - hilft ja nichts. Dass sich einer so sträubt, fotografiert zu werden, wie Maine-Coon-Kater Kevin, kommt in Weglers Beruf schon mal vor. Seit mehr als 40 Jahren lichtet die ausgebildete Fotografin ausschließlich Tiere ab. Mal sind sie folgsam, mal weniger. Ihre Bilder sind in mehreren Hundert Kalendern, Magazinen und Ratgebern, hauptsächlich im deutschsprachigen Raum erschienen.

"Eigentlich wollte ich immer Wildlife-Filmerin werden", sagt Wegler. Draußen sein, ständig auf Reisen, das pure Leben auf Film bannen. "Aber dann kamen die Ehe und die beiden Kinder. Also habe ich mich für die Haustiere entschieden." Auch nach ihrer Scheidung sieben Jahre später ist sie dabei geblieben.

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(Foto: Monika Wegler)

Geboren ist Wegler in Leverkusen, ihre Ausbildung hat sie Ende der Sechzigerjahre im Werbestudio von Agfa-Gevaert absolviert. Seit 1983 arbeitet sie freiberuflich, zuerst in München, seit 2008 in Gröbenzell. Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Wellensittiche - sie alle hatte die Fotografin vor der Kamera. Doch eine Art hat es ihr besonders angetan: die Katze. "Ich mag Katzen, weil sie so eigen sind", sagt Wegler, grüne Augen unter feuerrotem Pony.

Wer ihr eine Weile zuhört, weiß, dass mögen untertrieben ist. Sonst würden auf dem Wohnzimmerschrank wohl kaum die sterblichen Überreste von Valentin, Serafin und Amelie ruhen. Alle drei inkatzenförmigen Urnen. Valentin und Amelie in weißer Keramik, verziert mit Blümchen, Vögelchen und Schmetterling. Serafin in einem dunklen, lang gestreckten und elegant geformten Gefäß. "Für jede Katze die passende Urne", sagt Wegler. "Man kann das esoterisch finden." Sie wolle die Tiere einfach weiter bei sich haben.

Wegler kommt ins Reden, ihre Stimme ruhig und dunkel. Sie spricht gerne über ihre Katzen und deren Charaktere, beschreibt, holt aus und hält wieder inne. Dann betont sie: Viele der Vorurteile über die Tiere seien schlichtweg nicht wahr. "Man sagt ihnen nach, sie sind Einzelgänger, was nicht stimmt. Man sagt, sie sind nicht so treu wie Hunde, was auch nicht stimmt", sagt Wegler. Immerhin lebt sie seit Jahren mit ihren neun Katzen zusammen. Püppi, Selina, La Bomba, Isabella, Rosalie, Angelina, Mini, Jasper, Kevin. Mit ihnen vereint lebt Monika Wegler in einem kleinen Reihenhaus mit gesichertem Garten in Gröbenzell.

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Wenn Wegler sich abends auf die Couch setzt und liest, suchen die neun Katzen ihre Nähe. Sie legen sich neben sie und beginnen sanft zu schnurren. "Das ist wie Therapie." Würden untreue Einzelgänger so etwas tun? Trotzdem haben sie ihren eigenen Kopf. "Sie sind von allen am schwierigsten zu fotografieren." Anders als Hunde, lassen sich Katzen nur ungern trainieren. "Der Hund will den Menschen gefallen", sagt Wegler. Der Katze ist das egal.

Manchmal helfen beim Ablichten kleine Kniffe. Gutes Zureden, Lockgeräusche, ein Katzenspielzeug oder Hilfe vom Assistenten. Und dann sind da noch die 40 Jahre Erfahrung im Tierfotografiegeschäft. Wegler hat ein Gespür für die Models entwickelt. Wenn das versagt, klappt es nur noch mit Bestechung.