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Am Hart:Unterdimensioniert

Gymnasium Nord Knorrstraße Collage

Ob die beiden in der Aula des Gymnasiums Nord Fangen spielen oder trainieren (Bild links), weiß man an einer Eliteschule des Sports noch weniger als anderswo. Sicher ist aber, dass die Schule zu klein ist. Dabei hat die Skulptur davor noch nicht mal Patina angesetzt.

(Foto: Florian Peljak, Robert Haas, Florian Peljak)

Die Stadt hat das Gymnasium Nord zu klein gebaut. Das kritisierten die Lokalpolitiker schon vor 15 Jahren. Jetzt soll die Schule an der Knorrstraße um eine Sporthalle und zusätzliche Klassenzimmer erweitert werden. Die Stadtviertelvertreter befürchten, dass das wieder nicht reichen wird

Von Johannes Korsche, Am Hart

Das Gymnasium Nord an der Knorrstraße ist zu klein. Seit Jahren schon wollen mehr Schülerinnen und Schüler das Gymnasium besuchen, als es dessen Kapazität zulässt. Das Referat für Bildung und Sport (RBS) will daher nun zwei weitere Gebäude auf dem Gelände unterbringen: eine doppelgeschossige Sporthalle und ein dreigeschossiges Haus für Unterrichtsräume. Das könnte verwundern, bei einer Schule, die erst 2016 eröffnet wurde.

Doch Verwunderung rufen die Erweiterungspläne bei den Mitgliedern des Milbertshofener Bezirksausschusses (BA) nicht hervor. Viel eher verweisen sie darauf, dass man "schon vor 15 Jahren" auf sie hätte hören sollen, wie Thomas Schwed (CSU) anmerkte. BA-Vorsitzender Fredy Hummel-Haslauer (SPD) spricht gar von einem "katastrophalen Fehler der Verwaltung". Es sei schon in der Planung "absehbar" gewesen, dass das Gymnasium zu klein gerate, so Hummel-Haslauer. Deshalb fordern die Stadtviertelpolitiker nun auch eine umfangreichere Erweiterung: Aus dem dreistöckigen soll ein fünfgeschossiges Gebäude werden. Auch bei der Baustellenzufahrt und der Lage des Sportplatzes wünschen sich die Stadtviertelvertreter noch Änderungen. Und schielen dabei auf das angrenzende BMW-Gelände.

Das Gymnasium Nord hat vier Züge, einer davon ist als Eliteschule des Sports angelegt. Insgesamt besuchen derzeit 920 Schüler das Gymnasium. Allein diesen September konnten 54 Schüler nicht mehr aufgenommen werden, teilt das RBS mit. Durch die geplante Erweiterung kommen künftig sechs Züge auf dem Schulgelände unter, also zwei Klassen je Jahrgangsstufe mehr. Das schöpfe "alle planungsrechtlich zulässigen Möglichkeiten" aus, so das RBS. Zusammen mit der Erweiterung des Maximilians- und des Oskar-von-Miller-Gymnasiums sowie den geplanten neuen Gymnasien in der Bayernkaserne und in Feldmoching "ist der zu erwartende Bedarf im nördlichen Stadtbereich abgedeckt". Davon ging das RBS allerdings auch bei der ursprünglichen Planung des Gymnasiums Nord aus, wie es schreibt.

Doch die BA-Mitglieder hadern nicht nur mit der Planung, sondern auch mit deren Umsetzung, zum Beispiel mit der Baustellenzufahrt. Die soll, nach derzeitiger Planung, über die Knorr- und Rathenaustraße führen. Und damit durch einen Grünstreifen mitsamt Bäumen im Norden des Schulgeländes. Die BA-Mitglieder fordern einstimmig, dass die Zufahrt über das BMW-Gelände verlaufen soll, so dass die Bäume nicht wegen eines Provisoriums weg müssten. Ebenso auf dem BMW-Gelände sollen, so der Wunsch der Stadtviertelpolitiker, jene Parkplätze unterkommen, die durch die Erweiterung nötig werden könnten. Außerdem soll der Sportplatz, der neu positioniert werden muss, auch in das BMW-Gelände hineinragen - und nicht, wie derzeit vorgesehen, in das Grün zwischen Rathenaustraße und Schulgelände, das bereits für die Zufahrt angeknabbert werden soll. Um BMW zu überreden, bittet der BA Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) um Unterstützung.

Laut RBS "fanden Gespräche mit BMW statt". Die vorgeschlagene Planung schließe das Ergebnis dieser Gespräche ein. Das betreffe auch die Baustellenzufahrt. Diese sei über das BMW-Gelände "nicht realisierbar". Zudem hätte eine Zufahrt im Süden - über den Pausenhof - eine "unzumutbare Beeinträchtigung des Schulbetriebs" bedeutet, argumentiert das RBS. Das dürfte die Stadtviertelpolitiker nicht freuen. Laut Susanne Schneider-Geyer (SPD), Vorsitzende des Unterausschuss Planung, haben sie nur einen Wunsch: "Uns ist wichtig, dass dem BA diesmal zugehört wird."

© SZ vom 29.10.2020
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