Grundschule in der Isarvorstadt Ohne Lehrer kein Sportfest

Die Klenzeschule muss die Bundesjugendspiele und viele Unterrichtsstunden absagen - es gab zu wenige Lehrer. Das Bildungsministerium spricht von einer Sondersituation

Von Inga Rahmsdorf

Weil so viele Lehrer fehlten, ist es an der Klenzeschule in den vergangenen Wochen zu erheblichem Unterrichtsausfall gekommen. Zudem mussten die Bundesjugendspiele abgesagt werden. Die krankheitsbedingten Ausfälle seien so groß, dass die Sportveranstaltung in diesem Jahr nicht stattfinden könnte, heißt es in einer E-Mail, die der Elternbeirat an alle Eltern geschickt hat und die der SZ vorliegt. Die Situation habe sich zugespitzt, weil zu viele Lehrer an der Grundschule in der Isarvorstadt ausfielen und es nicht ausreichend Aushilfskräfte gebe, so dass knapp 30 Prozent der Unterrichts ausgefallen sei, schreiben die Elternvertreter. Daher habe sich die Schulleitung in Rücksprache mit den Elternvertretern "schweren Herzens" zur Absage der Bundesjugendspiele entschlossen. Der Schulleiter und der Elternbeirat wollen sich zu dem Thema nicht öffentlich äußern.

Das bayerische Kultusministerium hingegen bestätigt, dass in den vergangenen vier Wochen "aufgrund unvorhersehbarer Umstände nicht in allen Fällen an der Klenze-Grundschule eine Vertretung über die mobile Reserve gewährleistet werden konnte", so Kathrin Ann Gallitz, Sprecherin des Ministeriums. Die mobile Reserve besteht aus Lehrern, die kurzfristig einspringen, um Unterrichtsausfall zu vermeiden. Bayerische Grundschulen sind in staatlicher Trägerschaft, zuständig für das Personal ist also ausschließlich der Freistaat. Dass eine Grundschule ihre Bundesjugendspiele absagen musste, habe sie zuvor noch nie gehört, sagt die Sprecherin.

Der Freistaat habe im laufenden Schuljahr 2017/2018 insgesamt 2400 solcher flexibel einsetzbaren Vollzeitstellen bayernweit an Grund- und Mittelschulen zur Verfügung gestellt, erklärt Gallitz. Im kommenden Jahr sollen diese mobilen Reserven bayernweit um weitere 50 Stellen aufgestockt werden. Zudem seien im Freistaat zu Beginn des laufenden Schuljahres alle Stellen an Grundschulen besetzt worden. Zusätzlich seien im Februar 2018 alle Lehrer, die im ersten Halbjahr ausgeschieden sind, ersetzt worden. "Trotzdem lässt sich nicht restlos ausschließen, dass es in Sondersituationen zu unvorhergesehenen Engpässen kommt", so Gallitz.

Seit Beginn dieser Woche ist die Klenzeschule offenbar wieder ausreichend versorgt, und die fehlenden Lehrer wurden durch Aushilfskräfte ersetzt. Das teilt das Kultusministerium mit, und das bestätigen auch Eltern. Einige Eltern berichten jedoch, dass der Unterrichtsausfall aufgrund von fehlenden Lehrern kein Einzelfall sei und dass sie befürchten, die Situation könne sich weiter zuspitzen, auch wenn sie betonen, dass die Schulleitung und das Kollegium immer sehr engagiert und bemüht seien, die Ausfälle von Kollegen abzufangen und die Situation zu verbessern.

Die Bertelsmann-Stiftung hatte im Januar 2018 eine Studie veröffentlicht, der zufolge im Jahr 2025 deutschlandweit bis zu 35 000 Grundschullehrer fehlen werden. Der Lehrermangel sei alarmierend, hatte der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) gewarnt und das Kultusministerium aufgefordert, den Bedarf besser und langfristiger zu planen. Nicht nur in München, auch in den umliegenden Landkreisen klagen zahlreiche Grundschulen bereits über Lehrermangel.

Aufgrund gestiegener Geburtenzahlen und stärkerer Zuwanderung rechnet das Kultusministerium auch in den kommenden Jahren mit mehr Schülern an Grundschulen, heißt es in der aktuellen Lehrerbedarfsprognose. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat kürzlich 2000 weitere Lehrstellen für die kommenden Jahre angekündigt. Zudem hat Kultusminister Bernd Sibler (CSU) versprochen, in Bayern 700 zusätzliche Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen zu schaffen.

Auch in anderen Schulbereichen herrscht Lehrermangel. Von den städtischen Schulen in München sind am stärksten die Berufsschulen betroffen. Und die Stadt rechnet noch mit einem dramatisch steigenden Bedarf. Denn 46 Prozent der derzeit fast 2500 Lehrer an städtischen Berufsschulen sind älter als 50 Jahre.