Giesing Polizei beruft sich auf laufende Ermittlungen

Später in der Nacht hätten zwei Beamte die Festgenommenen auf eine Toilette begleitet, damit diese sich erleichtern und zumindest aus dem Wasserhahn trinken konnten. Um kurz vor acht Uhr in der Früh erst sei er aus der Zelle "aufs Revier" gebracht worden. Gegen halb elf Uhr am Sonntagvormittag sei er entlassen worden - ohne Handy, aber mit einer Anzeige wegen Landfriedensbruchs.

Die Polizei wollte sich auf Anfrage der SZ nicht detailliert zu den Vorkommnissen äußern und beruft sich dabei auf die laufenden Ermittlungen. Sie bestätigt allerdings, dass "aufgrund der Vielzahl von Festnahmen eine längere Bearbeitungs- bzw. Wartezeit, die zum Teil auch bis zum nächsten Morgen dauerte, in Einzelfällen nicht zu vermeiden" gewesen sei. Die Minderjährigen - nach Polizeiangaben waren neun der Festgenommenen unter 18 Jahren - hätten aber durchaus die Möglichkeit gehabt, telefonisch mit ihren Eltern zu sprechen, "was häufig jedoch abgelehnt wurde", wie ein Polizeisprecher erklärt.

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Ansonsten teilt die Polizei lediglich mit: "Die Sicherstellung der Mobiltelefone geschah in Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft aus Gründen der Beweissicherung." Von den Handys erhoffen sich die Ermittler, Fotos von möglichen Tatorten sicherzustellen oder Verbindungen zwischen den Beschuldigten herstellen zu können. Auch könnten so womöglich diejenigen Festgenommenen ermittelt werden, die gar nicht am Tatort waren, sondern erst später in Giesing eintrafen.

Ansonsten dürfte es für die Polizei schwierig werden, herauszufinden, welcher der Beschuldigten etwas beschädigt hat. Zunächst ging die Polizei von "über 30 Tatorten" aus, an denen an jenem Abend gekritzelt, gekratzt oder geschmiert worden sein soll. Nun heißt es: "Über die genaue Anzahl der Tatorte kann erst nach Abschluss der Ermittlungen eine genaue Auskunft gegeben werden."

Einer der Beschuldigten dagegen meint, dass die meisten Schmierereien in der Umgebung der Festnahmen dort bereits "seit Wochen oder Monaten" zu sehen seien. Auch von einer gezielten Aktion oder einer Randale kann seiner Meinung nach keine Rede sein. "Wir waren dort alle Einzelpersonen, das war doch ein Konzert."

Mehrere Menschen, die vor einer Woche über Nacht festgenommen wurden, haben mittlerweile Anwälte eingeschaltet. Ein Münchner Strafverteidiger hat nach SZ-Informationen bereits Beschwerde beim Amtsgericht wegen der konfiszierten Handys eingelegt.