George Michael in München:"Wake me up before you go-go"

Der Brite George Michael gibt neuerdings den gereiften Jazz-Sänger. Mit der Neuinterpretation alter Hits. Beim Konzert in München schlug er zunächst ruhige Töne an - und wurde am Schluss dann doch ganz der Alte.

Beate Wild

Um es gleich vorwegzunehmen: Den typischen George-Michael-Hüftschwung hat er immer noch drauf. Auch mit seinen 48 Jahren kann sich der Ex-Wham-Sänger noch bewegen wie ein junger Sexgott. Und so verzückt er Frauen wie Männer am Donnerstagabend in der Münchner Olympiahalle gleichermaßen.

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Pop-Sänger George Michael mimte in München den Barjazzer - und kam beim Publikum super an damit.

(Foto: dpa (Archivbild))

Natürlich beeindruckt nicht nur das Tanztalent von George Michael an diesem Abend. Selbstverständlich ist es vor allem seine Stimme, die Gänsehaut hinterlässt und Sinne betört. Auf seiner "Symphonica"-Tour steht er mit einem 40-köpfigen Orchester vor dem Publikum und singt 25 seiner Lieblingssongs als soulig-jazzige Cover-Versionen. In schwarzem Smoking, dunkler Sonnenbrille und mit einen leicht angegrauten Bart - der seriöse Gentleman steht ihm gut.

Dabei war vor dem Konzert noch in den Schlagzeilen des Boulevards zu lesen, dass der Brite mit den griechisch-zypriotischen Wurzeln beim Drogenkonsum immer mal wieder rückfällig wird. "George Michael kifft sich durch Venedig", war da zu lesen, und man konnte auf Fotos sehen, wie er einen vermeintlichen Joint an seinen neuen Lebensgefährten, den Promi-Friseur Fadi Fawaz, weiterreicht. Doch dann steht er völlig präsent auf der Bühne, als wäre nichts gewesen. Keine Spur von stoned oder so.

George Michael liefert solide Gesangsarbeit. Die Kommunikation mit seinen Fans ist auf ein Minimum beschränkt, was aber grundsätzlich zur Natur eines Jazz-Konzerts gut passt. Und überzeugt seine Fans mit seinen ganz eigenen Interpretationen zumeist bekannter Songs.

"Roxanne" von Sting ist dabei, "My Baby Just Cares" von Nina Simone, "Going To Town" von Rufus Wainwright, "Russian Roulette" von Rihanna, "True Faith" von New Order und - ganz herzergreifend - "Love is a losing game" von Amy Winehouse, deren Fotos während des Songs auf der Leinwand hinter ihm gezeigt werden. Die aktuelle Tour bezieht sich im Übrigen auf sein 1999 erschienenes Cover-Album "Songs From The Last Century", weshalb den wahren Fans George Michael längst als Neu-Interpret bekannter Lieder bekannt ist.

Fast wie bei einem guten Bekannten

Aber auch eigene Songs streut er ein, beispielsweise "Praying for time", eines seiner ganz alten Stücke. Er trägt es so bewegend vor, dass man sich schon etwas zusammenreißen muss, um nicht rührselig zu werden. Alleine wegen dieses Songs hat es sich schon gelohnt, zu kommen.

Zwischendurch fragt man sich kurz, wieso ein solches Konzert in der riesigen Olympiahalle stattfinden muss, die ihm Übrigen komplett ausverkauft war. Die jazzigen Lieder würden besser in eine kleine, schummrige Bar passen. Geschenkt. Aber wenigstens ein etwas intimeres Ambiente, wie etwa der Circus Krone, wäre der Atmosphäre zuträglich gewesen. Man wundert sich fast, wie gut das Konzert in der großen Halle dann doch funktioniert.

Das Publikum jedenfalls feiert den Mann von der Insel. Seine Fans sind überwiegend zwischen 30 und 50. Kein Wunder, sie sind mit George Michael durch ihre Teenie- beziehungsweise Studienzeit gegangen. Es ist fast, wie einen guten alten Bekannten zu treffen.

Erst am Ende des zweistündigen Konzerts, bei der Zugabe, spielt er seine fetzigeren Hits wie "Amazing", "I'm your Man" und "Freedom". Und wenn George Michael bei den langsamen Songs gut ist, ist er bei den schnellen einfach genial.

Spätestens jetzt am Schluss kommt dann auch Bewegung in das fast schon hypnotisierte Publikum. Und George Michael fegt über die Bühne, heizt die Fans an und ist ganz in seinem Element. Getreu dem alten Wham-Motto: "Wake me up before you go-go."

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