Fürstenried Polizei nimmt drei Männer wegen des Verdachts auf "Ehrenmord" fest

War der zweite Stock dieses Hauses am Luganoweg Schauplatz für einen "Ehrenmord"? Die Polizei meint, darauf Hinweise zu haben.

(Foto: Catherina Hess)
  • Mitte Mai fand die Feuerwehr bei einem Löscheinsatz in Fürstenried eine Leiche. Der Mann war zuvor durch Gewalteinwirkung gestorben.
  • Nun hat die Polizei drei Tatverdächtige festgenommen. Sie sollen das Opfer zunächst erschossen und einen Tag später Feuer gelegt haben.
  • Nach den bisher vorliegenden Hinweisen könnte es sich um einen sogenannten Ehrenmord handeln.
Von Thomas Schmidt

Die Polizei hat drei aus dem Irak stammende Männer festgenommen, die in München einen Landsmann getötet und seine Leiche verbrannt haben sollen. Nach Angaben der Mordkommission gebe es Hinweise darauf, dass es sich bei der Tat um einen sogenannten Ehrenmord handelt. Die drei Beschuldigten sind miteinander verwandt, es handelt sich um zwei Brüder und einen Neffen.

Womöglich hatte das zum Tatzeitpunkt 35 Jahre alte Mordopfer eine Liebesbeziehung zu einem Mitglied dieser Familie. Erster Kriminalhauptkommissar Herbert Linder sprach am Mittwoch aber noch von "Vermutungen". Die drei festgenommenen Männer bestreiten bislang die Tat.

Kriminalität

Feuerwehr entdeckt erschossenen Mann in Fürstenried

Der 35-Jährige lag bereits einen Tag tot in der Wohnung, in der ein Brand schwelte. Vermutlich wurde das Feuer vorsätzlich gelegt.   Von Martin Bernstein

Bei dem Toten handelt es sich um einen gebürtigen Iraker, der 2002 nach Deutschland kam, später die deutsche Staatsbürgerschaft annahm und sich hier als Unternehmer selbständig machte. Er bot Dienstleistungen für Supermärkte an, seine Mitarbeiter befüllten Regale. Die Firma führte der 35-Jährige offenbar von zu Hause aus. In derselben Wohnung lebten auch eine 39-jährige Frau und deren sechsjähriger Sohn. Die Polizei geht davon aus, dass die Russin und das spätere Opfer ein Liebespaar waren. Ob sie zur Tatzeit noch zusammen waren, sei aber unklar. Als der Mord geschah, befanden sich die Frau und das Kind auf einer Urlaubsreise in Russland.

Die Täter schlugen zu, als ihr Opfer allein in seiner Wohnung war. Er lebte in einem fünfgeschossigen Mehrfamilienhaus am Luganoweg in Fürstenried. Weil die Ermittler später keine Einbruchsspuren entdecken konnten, gehen sie davon aus, dass der 35-Jährige seine Mörder freiwillig hereinbat. Opfer und Täter kannten sich, berichtet Hauptkommissar Linder, pflegten aber keine geschäftlichen Beziehungen. Nach derzeitigem Ermittlungsstand töteten die Männer den Geschäftsmann am 14. Mai mit mehreren Schüssen aus einer Pistole. Ein Nachbar hörte den Krach, rief die Polizei, meldete, er habe zwei Schüsse im Treppenhaus gehört. Eine Streifenbesatzung kam vorbei und sah nach dem Rechten, konnte aber nichts Verdächtiges finden. Auch der Anrufer war verschwunden. Vermutlich haben Kinder ein paar Böller gezündet, dachten sie und fuhren wieder davon.

Tags darauf kehrten die drei Männer zum Tatort zurück und zündeten den Leichnam an, berichtet jetzt die Polizei. Vermutlich wollten sie ihre Spuren durch das Feuer vernichten. Wieder griff ein Nachbar zum Telefon, dieses Mal meldete er den Brand. Einsatzkräfte der Feuerwehr rückten aus, brachen mit Gewalt die Tür zu der verrauchten Wohnung im zweiten Stock auf und fanden die verbrannte Leiche.

Schnell stellte sich heraus, dass der 35-Jährige nicht einfach nur ein Opfer der Flammen geworden war. Eine Obduktion der Leiche durch die Rechtsmedizin ergab, dass er erschossen und erst deutlich später angezündet worden war. Am Tatort sicherten die Ermittler der Mordkommission Projektile mit dem in Deutschland ungewöhnlichen Kaliber 7,63 x 25 Millimeter. Die Tatwaffe sei noch verschwunden, vermutlich handele es sich um eine russische Tokarew-Pistole oder einen entsprechenden Nachbau, berichtet Ermittler Linder. Bei Befragungen im Haus stellte sich zudem heraus, dass Zeugen drei unbekannte Männer in dem Anwesen gesehen hatten.

Wie die Fahnder die Tatverdächtigen letztlich aufspüren konnten, will Linder nicht sagen. Bereits am 1. Juni wurden ein 51-jähriger irakischer Geschäftsmann und dessen 45-jähriger Bruder, ein Friseur, in München festgenommen. Nur einen Tag später fassten Polizeikräfte im baden-württembergischen Reutlingen den dritten Verdächtigen, einen 43-jährigen Gelegenheitsarbeiter. Gegen alle drei wurden Haftbefehle erlassen wegen der Beteiligung an einem Mord und schwerer Brandstiftung. Bei ihren Vernehmungen hätten die Männer bislang widersprüchliche Angaben gemacht und die Tat geleugnet, teilt die Polizei mit.

Die Männer konnten ihre Spuren offenbar trotz des Feuers nicht vollständig vernichten. "Jeder macht einen Fehler", sagte Linder am Mittwoch. "Das Schwierige ist, den Fehler zu entdecken. Das ist uns gelungen." Ob die Beschuldigten bereits wegen anderer Verbrechen polizeibekannt und deswegen erkennungsdienstlich erfasst waren, wollte Linder weder bestätigen noch dementieren. Auch zum Tatmotiv äußerte er sich nur vorsichtig: Es könne "nicht ganz ausgeschlossen werden", so der Hauptkommissar, dass der Geschäftsmann ermordet wurde, "um die Familienehre eines der Tatverdächtigen wiederherzustellen". Nähere Angaben könne er zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen. Ein Raubmord jedenfalls erscheint unwahrscheinlich, denn gestohlen wurde augenscheinlich nichts aus der Wohnung. Viele Fragen bleiben offen, die Ermittlungen dauern an. "Wir werden alles daran setzen", betonte Thomas Baumann, Pressesprecher des Polizeipräsidiums, "diese Fragen aufzuklären."