Bauen und Wohnen:Weniger Zuzug in den Landkreis

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Bauen und Wohnen: An der Augsburger Straße in Germering entstehen neue Wohnungen.

An der Augsburger Straße in Germering entstehen neue Wohnungen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das Bevölkerungswachstum nimmt nicht mehr so stark zu, wie es noch vor Jahren prognostiziert wurde. Eine neue Karte zeigt nun, wo noch gebaut werden kann - und in welcher Gemeinde nur noch drei Grundstücke frei sind

Von Gerhard Eisenkolb, Fürstenfeldbruck

Ein auf ein Prozent pro Jahr begrenztes Bevölkerungswachstum, gesteuert über eine entsprechende Zurückhaltung bei der Ausweisung von Bauland. Das war seit Längerem für Kommunalpolitiker in etwa die Richtschnur für die langfristige Entwicklung des Landkreises. Das sieht nach wenig aus, zöge aber im Zeitraum einer Generation immer noch einen relativ stürmischen Einwohnerzuwachs um ein Drittel nach sich. Solche Zeiten dürften vorerst der Vergangenheit angehören. Über die entsprechenden Daten verfügt Christian Breu, der Geschäftsführer des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum München. Breu geht davon aus, dass die Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner im Landkreis von 2020 bis 2040 nur noch moderat um 5,3 Prozent zunehmen wird.

Das ist eine Trendwende. Schließlich bedeutet das, dass in den kommenden 20 Jahren zu den zurzeit etwa 220 000 hier lebenden Personen nur noch weitere 11 600 dazukommen könnten. Eine frühere Prognose ging noch für den Zeitraum von 2015 bis 2035 von einem Zuwachs von insgesamt 32 000 Einwohnern aus.

Mit dem neuen nach unten korrigierten Wert läge der Landkreis Fürstenfeldbruck deutlich unter dem prognostizierten Durchschnittszuwachs für die gesamte Region München. Dieser wird mit einem Bevölkerungsplus von knapp acht Prozent angegeben. Sollten sich diese Annahmen als richtig erweisen, läge Fürstenfeldbruck mit einer weiteren Ausnahme, nämlich dem Landkreis Starnberg, weit unter dem Plus aller anderen Landkreise im Speckgürtel. Kämen doch Kreise wie Dachau oder Ebersberg mit einer Zunahme von mehr als zehn Prozent auf einen etwa doppelt so hohen Wert als Fürstenfeldbruck.

Wie stark frühere Prognosen zum Bevölkerungswachstum momentan nach unten korrigiert werden, belegt der Vergleich mit der Prognose für die Jahre 2015 bis 2035 in der Region. Diese ging noch von einem Plus von 400 000 Einwohnern oder 15 Prozent in 20 Jahren aus - bei für eine solche Entwicklung nicht ausreichenden Baulandreserven. Inzwischen soll die Region von 2020 bis 2040 jedoch nur noch um 225 000 Personen wachsen.

In der Nachkriegsgeschichte erlebte der Landkreis eine Periode, in der sich die Gesamtzahl der Bewohner innerhalb von 20 Jahren annähernd verdoppelte. Zwischen 1950 und 1970 erhöhte sich die Zahl der Einwohner von 66 151 auf 118 623. Einen in absoluten Zahlen vergleichbaren Zuwachs gab es noch einmal zwischen 1970 und 1990 mit einem Plus von ebenfalls rund 60 000 Menschen auf 180 436 Einwohner.

Bauen und Wohnen: In Oberschweinbach können noch neue Baugebiete erschlossen werden.

In Oberschweinbach können noch neue Baugebiete erschlossen werden.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Daten der Statistiker

Breu beruft sich bei seinen Angaben auf die aktuellen Bevölkerungsprognosen des Bayerischen Landesamtes für Statistik. Diese hätten eine weitere positive Entwicklung zur Folge. Ziehen künftig weniger Personen zu als lange angenommen, ist dies leichter zu verkraften. So reichen die Baulandreserven der vier Städte und 19 weiteren Kommunen im Landkreis für die Schaffung des zusätzlich benötigten Wohnraums aus. Da im Landkreis im Durchschnitt in einer Wohnung 2,1 Personen leben, werden zur Unterbringung von weiteren 11 600 Menschen 5524 Wohnungen benötigt. Nach Berechnungen des Planungsverbands verfügt der Landkreis aber schon jetzt über Flächenreserven für Bauland, auf denen insgesamt weitere 12 000 Wohneinheiten für knapp 25 000 Personen errichtet werden könnten.

Nach einer aktuellen Untersuchung des Planungsverbands und konservativen Schätzungen summieren sich die derzeitigen Wohnbauflächenreserven auf 114 Hektar oder 1,14 Millionen Quadratmeter. Die meisten dieser Flächen haben einen großen Vorteil. Sie sind gut mit Bussen oder der Bahn erreichbar. So liegen beispielsweise 41 Hektar, das sind 36 Prozent, weniger als einen Kilometer vom nächstgelegenen S-Bahnhalt entfernt und sind zu Fuß gut zu erreichen. Bei weiteren 24 Hektar (21 Prozent) beträgt die Entfernung zum nächsten Bahnanschluss einen bis zwei Kilometer.

Auf einer Karte, die im Internet unter www.pv-muenchen.de/flaechenreserven zu finden ist, stellt der Planungsverband die Baulandreserven im Landkreis für jede einzelne Gemeinde in roten Flächen dar. Mit detaillierten Angaben zur genauen Größe dieser Flächen in einzelnen Gemeinden hält sich Breu zurück. Auch weil nur für einen Teil davon bereits Baurecht ausgewiesen wurde, berücksichtigt der Planungsverband bei seinen Berechnungen nur die Hälfte des hier zu realisierenden Potenzials an Wohnungen. Diese Vorsicht ist begründet. Liegt doch die Entscheidung, wo und in welcher Form in einer Kommune Wohnungen errichtet werden, allein im Ermessen der jeweiligen Gemeinde- oder Stadträte.

Unberücksichtigt bleibt bei der Ermittlung das zusätzliche Potenzial, das sich aus der Nachverdichtung der bereits bebauten Innenräume ergibt. Ein Musterbeispiel dafür, wie groß die Reserven zur Schaffung von zusätzlichem Wohnraum sind, ist die Gemeinde Gröbenzell. Nach Berechnungen der Gemeindeverwaltung verfügten alle örtlichen Bebauungspläne zusammen vor fünf Jahren über noch nicht ausgeschöpftes Baurecht für die Ansiedlung von weiteren 5000 Einwohnern. Das heißt, dass trotz des Grundsatzbeschlusses des Gemeinderats, keine neuen Baugebiete mehr auszuweisen, weiterhin die Möglichkeit für einen Einwohnerzuwachs um ein Viertel der bisherigen Bevölkerung gegeben ist.

Drei Punkte, drei Wohnhäuser

Auf der Karte des Planungsverbands sind die künftigen Siedlungsschwerpunkte mit einem Blick zu erkennen. Aber auch, dass Kottgeisering die Gemeinde im Landkreis ist, die überhaupt nicht mehr wachsen kann. Dort gibt es nur drei winzige rote Punkte für die drei Grundstücke, auf denen wohl noch je ein Wohnhaus errichtet werden könnte.

Bereits seit 2015 sinkt das Tempo des Einwohnerzuwachses. Der Planungsverband begründet diesen Trend unter anderem mit einem Rückgang der Bevölkerungszahlen im restlichen Deutschland. Damit schrumpft auch das Potenzial derjenigen, die in den Großraum München ziehen könnten. Auch die Zuwanderung aus dem Ausland war bisher ein wichtiger Faktor für den starken Einwohnerzuwachs. Seit 2018/2019 gibt es auch in diesem Bereich, der lange stark von Ausbildungs- und Wirtschaftsmigration geprägt war, einen rückläufigen Trend. Zudem steigt seit 2019 die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen in Bayern stark an. Dieses höhere Geburtendefizit geht ebenfalls in die Prognosen zur Entwicklung der Region ein.

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