Fürstenfeldbruck sagt Türkgücü ab:Provinzposse zulasten eines Vereins

Lesezeit: 1 min

Fürstenfeldbruck sagt Türkgücü ab: Die Absage an Türkgücü, das SCF-Stadion nutzen zu dürfen, bringt Fürstenfeldbruck in kein gutes Licht.

Die Absage an Türkgücü, das SCF-Stadion nutzen zu dürfen, bringt Fürstenfeldbruck in kein gutes Licht.

(Foto: Carmen Voxbrunner/Carmen Voxbrunner)

Erich Raff nimmt einen Kollateralschaden in Kauf, um den örtlichen Sportclub in die Knie zu zwingen

Kommentar von Christoph Leischwitz, Fürstenfeldbruck

Warum sie jetzt nicht in Bruck spielen dürfen? "Keine Ahnung", sagt Türkgücü-Präsident Taskin Akkay, der mit seinem Fußball-Regionalliga-Team Türkgücü München in eine Provinzposse hineingeraten ist, die vor allem sein Klub ausbaden muss: Türkgücü kann das Brucker Klosterstadion nun nicht als Ausweichstadion angeben, wenige Tage vor der Deadline. Türkgücü hat nur wenige Werktage Zeit, einen Lizenzentzug abzuwenden.

SCF-Präsident Jakob Ettner ist sicherlich alles andere als unschuldig, dass der Zwist mit OB Erich Raff so verhärtet ist. Dass jetzt aber einem externen Fußballverein monatelang Hoffnung gemacht wird, um dann mit einer Absage dessen Existenz zu gefährden, nur um Ettner eins auszuwischen, das ist kindisch und fahrlässig. Es zeugt von einem schlecht ausgeprägten Sportsgeist beim ehemaligen Handballer Raff. Und es zeigt, dass der OB den Kollateralschaden in Kauf nimmt, um den SCF in die Knie zu zwingen.

Jetzt beruft sich Raff darauf, dass allein der Stadtrat Türkgücü abgelehnt habe, von Verwaltungsseite habe es doch gar keine Probleme gegeben! Eine Nebelkerze - wenn Raff Türkgücü in Bruck hätte spielen lassen wollen, wäre es nie zu einer Abstimmung im Stadtrat gekommen.

Wenn es tatsächlich ein Problem gibt, dass im Klosterstadion Regionalliga gespielt wird, dann ist dieses Problem schlicht gewollt. Türkgücü hätte alle nötigen Ausbesserungsarbeiten bezahlt und wohl auch jedes in Wahrheit unnötige Gutachten mitgetragen. In der Regionalliga ist Türkgücü wegen seiner jüngeren Mäzenaten-Vergangenheit nicht gerade beliebt, trotzdem schütteln in der Liga jetzt viele den Kopf. In der letzten Regionalliga-Saison Türkgücüs kamen im Schnitt übrigens 300 Zuschauer.

Es ist das gute Recht von Stadtratsmitgliedern, sich nicht für Fußball zu interessieren. Ihr Desinteresse könnte jedoch Imageprobleme nach sich ziehen. Im Sportbereich, aber auch politisch. Es ist schon ein wenig gedankenlos, hinter verschlossenen Türen darüber abzustimmen, ob ein von Migranten gegründeter Verein hier spielen darf oder nicht - warum macht man das Spekulationsfass überhaupt auf und gibt dem Vorwurf Raum, dass man etwas gegen so einen Verein hat? Was gab es denn zu verbergen? Was soll die ganze Aufregung um sieben Fußballspiele mit einer Handvoll Zuschauer? Da ist "keine Ahnung" noch eine der besseren Antworten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB