Initiative in Puchheim:Klimaschutz selbst gemacht

Initiative in Puchheim: Die Initiatoren des Klimanetzes Puchheim vor dem Vorzeigeobjekt des Tennisclubs.

Die Initiatoren des Klimanetzes Puchheim vor dem Vorzeigeobjekt des Tennisclubs.

(Foto: Klimanetz Puchheim/oh)

Die Initiative Klimanetz versucht Privatpersonen, Firmen und Vereine für kleine Schritte zu gewinnen, um die Treibhausgase zu reduzieren.

Von Peter Bierl, Puchheim

Das Klimanetz Puchheim ist eine Bürgerinitiative, die den Umweltschutz selbst in die Hand nehmen will. Der Ansatz ist relativ einfach. "Wir müssen weniger verbrauchen", sagt Michael Dippold, einer der Initiatoren. Deshalb spricht die Gruppe Privatleute, Vereine und Firmen an, aktiv zu werden.

Mit unterschiedlichem Erfolg: Gemeldet haben sich vorwiegend Privatpersonen, einige Vereine sowie vier von 100 Firmen. Bis Ende November 2023, nach einem halben Jahr, hatten 35 Teilnehmer freiwillige Selbstverpflichtungen abgegeben. Halten sie dies ein, würden nach Angaben Dippolds umgerechnet rund 53 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Zum Vergleich: 2022 hatte jeder Bundesbürger im Durchschnitt knapp acht Tonnen zu verantworten. "Puchheim ist nicht die Welt, aber jeder kann etwas tun", sagt Dippold. Es gehe darum, die Angebots- und Nachfragestrukturen zu verändern. Das sei "unglaublich zäh". Vielfach bekomme er zu hören, man habe doch schon einiges getan, die Heizung umgestellt oder auf Flugreisen verzichtet.

Hybrides Heizsystem im Tennisclub

Den größten Beitrag beim Puchheimer Klimanetz leistet der Tennisclub mit etwa 500 Mitgliedern, der ein Vereinsheim und eine Dreifachhalle betreibt, die das ganze Jahr in Betrieb ist. Der Club hat ein neues hybrides Heizsystem eingebaut anstelle des alten Fernwärmeanschlusses, eine Energieform, die Volker Heydkamp, der Vorsitzende, als völlig ineffektiv bezeichnet. Umgestellt wurde auf Gas- und Solarthermie, die Kosten für die Energie sanken von 10 000 auf 2000 Euro pro Jahr. Bereits 2022 wurde eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 24 Kilowatt/Peak auf dem Dach installiert, die etwa 10 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produziert.

Außerdem habe man überall Zähler eingebaut, um den Verbrauch zu messen und damit das eigene Verhalten und dessen Effekt auf den Energieverbrauch zu beobachten, berichtet Heydkamp. In diesem Jahr will der Verein in eine neue Kühltechnik für die Gastronomie investieren. Es sollen neue Schränke angeschafft und der Kühlraum erneuert werden. Der Vorsitzende kalkuliert, dass sich damit rund 10 000 Kilowattstunden Strom sparen lassen. In der Sporthalle hat man inzwischen 320 LED-Lampen installiert.

Selbst etwas tun, "ohne politisches Hickhack", bezeichnet Ronald van Hoek als Motiv. "Jeder kann etwas machen", betont er. Dadurch werde zusätzlich "ein bisschen Druck" auf die Politik ausgeübt. Er hat als Angestellter einen neuen Firmenwagen bekommen, diese würden alle drei bis fünf Jahre ausgewechselt, und sich für ein Elektroauto entschieden. Van Hoek rechnet mit sechs Liter Benzin pro 100 Kilometer, einer Jahresstrecke von 15 000 Kilometer und legt den üblichen Strommix aus Kohle, Gas, Uran und erneuerbaren Energien zugrunde. In der Summe kommt er auf eine Einsparung von 2400 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr.

Wobei van Hoek, einer der Organisatoren des Klimanetzes, einräumt, dass das nicht zu 100 Prozent stimmt: "Bei der Herstellung von neuen Autos, auch von Elektroautos, fällt immer Kohlendioxid an."

Der Beitrag von Andrea Barboni besteht darin, weniger einzukaufen. Früher zählte Shoppen zu ihrer Leidenschaft, Klamotten und Schuhe, zwei neue Paar im Monat waren die Regel. Weshalb sie jetzt an die 200 Paar Schuhe zu Hause stehen hat.

Ihre Haltung habe sich bereits während der Corona-Lockdowns gewandelt, sagt Barboni, die als Projektmanagerin bei einem Autokonzern arbeitet. Mit dem Online-Shopping konnte sie sich nicht recht anfreunden. Heute bevorzugt sie Tauschmärkte, kauft Dinge gebraucht ein und organisiert selbst Kleidertausch-Aktionen. Sie räumt allerdings ein, der Verzicht falle ihr leicht, "weil ich ohnehin schon alles habe".

Um sich vom Shoppen zu lösen, rät Barboni, mit kleinen Schritten anzufangen. Grundsätzlich solle man vor jedem Einkauf überlegen, ob die Anschaffung wirklich notwendig ist, sagt sie. Ein angenehmer Effekt sei, dass ihr mehr Geld auf dem Konto übrig bleibt. Inzwischen hält Barboni es für unsinnig, immer neue Dinge zu kaufen, wenn zu Hause schon alles in drei- oder vierfacher Ausfertigung vorhanden ist.

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