Woche der Demokratie:Bürgermeister trifft kritische Beobachter

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Woche der Demokratie: Über die Arbeit der Fürstenfeldbrucker SZ informiert sich Norbert Seidl (links) bei Kaffee und Butterbrezn in der Redaktion.

Über die Arbeit der Fürstenfeldbrucker SZ informiert sich Norbert Seidl (links) bei Kaffee und Butterbrezn in der Redaktion.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Puchheimer Rathauschef Norbert Seidl ist zu Gast bei der Fürstenfeldbrucker SZ, um sich über die Arbeit der lokalen Presse zu informieren.

Von Peter Bierl, Puchheim

"Topic - Bürgermeister vor Ort" heißt ein Format, das Norbert Seidl sich ausgedacht hat, um mit den Bürgern bei ihrer Arbeit in Kontakt zu kommen und so etwas wie Verbundenheit zu stiften. In dieser Reihe hat der Puchheimer Bürgermeister schon bei der Straßenreinigung mit den Bauhofarbeitern den Kehrbesen geschwungen oder im Kindergarten den Kochlöffel. Am Mittwoch besuchte Seidl die SZ-Redaktion in Fürstenfeldbruck. Ihm wurde allerdings kein Stift in die Hand gedrückt, sondern er bekam Butterbrezn und Käsekuchen zum Kaffee serviert.

Der Bürgermeister wollte kennenlernen, wie die tägliche Ausgabe der SZ entsteht. Das Seidl für seinen jüngsten Topic eine Redaktion ausgewählt hat, war nicht beliebig, der Termin fand im Rahmen der Reihe "Lange Woche der Demokratie" statt. Die Massenmedien wiederum spielen eine besondere Rolle. Sie sollen "einen unverzichtbaren Beitrag zum Funktionieren der Demokratie" leisten, heißt es auf der Homepage der Bundeszentrale für politische Bildung. Das steht im Spannungsverhältnis dazu, dass viele Medien private Betriebe sind, die Gewinne abwerfen müssen, um in der Konkurrenz zu bestehen.

Die Redakteure und Teamleiter Christian Hufnagel gaben Seidl einen Einblick in die tägliche Arbeit, von der Ideensammlung, Themenauswahl und Blattplanung bis hin zur digitalen Verarbeitung der Artikel. Deutlich wurden der rasche Wandel der Medien und der journalistischen Arbeit im Zeitalter der Digitalisierung. Ein weiteres Thema waren die diversen Formate einer Zeitung, die besondere Schwierigkeit von Satire und die Königsdisziplin des Kommentars.

Letzterer ist dem Puchheimer Bürgermeister besonders wichtig. Er schätzt nicht nur wie viele Leserinnen und Leser die pointierte Meinung zu politischen Fragen, sondern begreift den Kommentar auch als Feedback für die Arbeit von Kommunalpolitikern. "Wann bekommt man sonst von parteipolitisch neutraler Seite gesagt, wie das eigene Handeln eingeschätzt wird", sagt Seidl. Die Fürstenfeldbrucker Ausgabe der SZ ist für ihn auch wichtig, weil der Horizont nicht eine Kommune, sondern der gesamte Landkreis ist.

Woche der Demokratie: Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (rechts) im Gespräch mit SZ-Teamleiter Christian Hufnagel.

Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl (rechts) im Gespräch mit SZ-Teamleiter Christian Hufnagel.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Seidl bedauerte, dass dem Landkreis so etwas wie eine "Kernbotschaft" fehlt, eine Identität. Der Fliegerhorst und seine geplante Konversion als Markenzeichen könnte einen solchen Kern darstellen angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung. Darüber entwickelte sich eine Diskussion, ob eine solche Identität nicht bloß ein Marketinggag wäre, weil viele Menschen als Pendler den größten Teil des Tages anderswo verbringen, die Bindung also gar nicht so eng sein kann. Mit der Kommune als Wohnort können sich Menschen leichter identifizieren, zumal bei einem Bürgermeister, für den Identitätsbildung wichtig ist.

Die Woche der Demokratie dauert in Puchheim mehr als zwei Wochen und bietet Diskussionen, Termine von Stadtratsgremien, die Einweihung des neuen Nord-Süd-Tores am Bahnhof sowie Lesung und Ausstellung über Kurt Eisner, den ersten Ministerpräsidenten des Freistaates, sowie Wilhelm Hoegner, der das Amt nach dem Zweiten Weltkrieg ausübte.

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