Klimaschutz:Wie aus Klärschlamm Strom und Wärme werden

Klimaschutz: Auf dem Gelände der Kläranlage in Grafrath entsteht eine neue Baustelle.

Auf dem Gelände der Kläranlage in Grafrath entsteht eine neue Baustelle.

(Foto: Jana Islinger)

Der Abwasserzweckverband Obere Amper rüstet seine Kläranlage in Grafrath um. Das Millionenprojekt wird von Bund und Land gefördert - und von der Gemeinde Türkenfeld.

Von Manfred Amann, Kottgeisering

Der Zweckverband zur Abwasserbeseitigung "Obere Amper" (AZV) lässt seine Kläranlage an der Amperschlucht in Grafrath aus Klimaschutzgründen auf einen neue Technik umrüsten. Die Kosten für die sogenannte anaerobe Schlammstabilisierung, deren Umbau voraussichtlich bis Ende 2025 dauern wird, werden mit rund sechs Millionen Euro kalkuliert. Allerdings stammt die Kostenschätzung aus dem Jahre 2021, so dass aufgrund von Teuerungen, zum Beispiel bei Löhnen und Material, Mehrkosten nicht auszuschließen sind. Beim anaeroben Verfahren wird der Klärschlamm unter Luftabschluss gelagert und dadurch stabilisiert, so dass keine Geruchsbelastungen entstehen und gesundheitsgefährdende Keime abgebaut werden.

Auf die Haushalte in Grafrath, Kottgeisering und in Türkenfeld, die per Zweckvereinbarung die Kläranlage mitnutzen können, kommen laut einem Beschluss des AZV-Rates keine Sonderzahlungen zu. Der Entsorger möchte von "Verbesserungsbeiträgen" absehen. Wie der AZV-Vorsitzende, Kottgeiserings Bürgermeister Andreas Folger (BV), informiert, wird mit dem Umbau "ein wichtiger Beitrag für eine klimaneutrale Welt" geleistet, da nach der Umrüstung der Energiebedarf für die Kläranlage aus regenerativer Energie gedeckt werden kann. Die wird aus der anaeroben Stabilisierung des Klärschlamms und mittels Co-Vergärung (mit Zusatz von geeignetem Bioabfall) in einem Faulturm gewonnen wird. Ähnlich wie in einer Biogasanlage vergärt (fault) der Klärschlamm mit beigemengtem Substrat. Aus dem dabei entstehende Klärgas werden in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme produziert und gleich genutzt. "Positiver Effekt dabei ist unter anderem, dass beim Betrieb der Kläranlage kein schädliches Methangas mehr in die Atmosphäre ausgestoßen wird. Außerdem werden durch die anaerobe Schlammstabilisierung Klärschlammtransporte und damit der Ausstoß von CO₂ deutlich reduziert", erklärt Folger.

Für den AZV ist die Umrüstung finanziell eine große Herausforderung, obwohl das Projekt vom Freistaat Bayern und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit insgesamt rund einer Million Euro bezuschusst wird. Die Förderung des Bundes erfolgt laut Folger über den gemeinnützigen Projektträger Zukunft-Umwelt-Gesellschaft ZUG gGmbH. Die ZUG entwickelt, betreut und fördert im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative als Projektträgerin wichtige Projekte rund um den Schutz von Umwelt, Natur und Klima. Grundlage der Förderung des Freistaats Bayern sind die Richtlinien "Kommunaler Klimaschutz", die dazu beitragen sollen, Bayern bis spätestens 2040 zum klimaneutralen Bundesland zu machen.

Einen finanziellen Beitrag muss auch die Gemeinde Türkenfeld als Gastnutzer leisten. "Ohne diese staatliche Förderung und den Beitrag der Nachbarkommune könnten wir die Umrüstung nicht schultern", verrät der AZV-Chef und erklärt, dass die noch verbleibenden Kosten im Wesentlichen durch Rücklagen und Kredite sowie über die laufenden Gebühren gedeckt werden können. Laut Folger wurde mit den Baumeisterarbeiten bereits begonnen. Die "Maschinentechnik", der teuerste Teilbereich, werde in Kürze vergeben, so dass man planmäßig werde starten können.

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