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E-Mobilität:Suchtfaktor Pedelec

Die Grünen-Politikerin Alexa Zierl kam über ein Preisausschreiben zu ihrem Pedelec. Inzwischen möchte sie es nicht mehr missen. Ein Erfahrungsbericht.

Diese eierlegende Wollmilchsau ersetzt das "normale" Fahrrad, das Auto und den Lieferwagen. Ein Multitalent. Alexa Zierl, 47 Jahre alte Grünen-Stadträtin und Vorsitzende des Klimawendevereins Ziel 21 im Landkreis Fürstenfeldbruck, will ihr Pedelec nicht mehr missen. Letztens machte sogar der Marketing-Mann der Stadtwerke große Augen.

In dem Fall ging es darum, wie die ganze Ausstattung für den Messestand von Ziel 21 ins Kloster Fürstenfeld kommt. Mitte März standen dort die Energietage an - und die Stadtwerke stellten dafür einen "Energie-Hometrainer" zur Verfügung, mit dessen Hilfe Glühbirnen zum Leuchten gebracht oder Wasserkocher betrieben werden. "So, dann brauchen wir jetzt nur noch einen Lieferwagen für den Transport", sinnierte also der Stadtwerkemann.

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Suchtfaktor Pedelec

Zierl schüttelte den Kopf - und brachte die verkehrstaugliche Variante der eierlegenden Wollmilchsau nebst rotem Anhänger ins Spiel. Was in kein Auto gepasst hätte, passte auf dessen Ladefläche. Mit der Kraft der zwei Herzen - also mit Hilfe des hinter der Sattelstütze montierten Akkus - surrte Zierl mit der ganzen Messeausstattung los Richtung Kloster.

2011 fanden Zierl und ihr Pedelec zueinander. Es war ein echter Glücksfall: Beim "Tag der E-Mobilität" war es der Hauptgewinn eines Preisausschreibens. Weil die ersten drei potenziellen Gewinner bei der Ziehung nicht mehr anwesend waren, kam die vierte zum Zuge: die zierliche Stadträtin. Und seither steigt diese immer öfter auf ihr Pedelec. "Das hat einen Suchtfaktor, weil es die eigenen Anstrengungen belohnt." Auf der mittleren Stufe steuert der 240 Watt leistende Motor exakt die gleiche Kraft bei wie der Fahrer - bis zum Erreichen der 25-Stundenkilometer-Marke. "Ganz nett, aber ich glaube, da wird man faul", hatte ihr Mann Christoph, 49, nach einer Proberunde noch geurteilt. Und auch im Bekanntenkreis hieß es, dass das doch wohl eher was für Senioren sei.

So etwas ringt Alexa Zierl mittlerweile nur noch ein mildes Lächeln ab. Sie wurde nicht faul, nutzte den zusätzlichen Schub vielmehr für immer größere Runden. Durchschnittlich spult sie täglich zehn Kilometer herunter. Ihre Töchter Irene und Caroline brachte sie im angekoppelten Kinderanhänger zum Kindergarten und in die Schule, säckeweise Gartenabfälle damit zum Wertstoffhof. Und im Auftrag von Ziel 21 klapperte sie schon mal Rathäuser im Landkreis ab. Bei längeren Touren nutzt sie die Gelegenheit zum "Nachtanken" und hängt den Akku an die Steckdose. Ist der voll, bringt das eine Reichweite von 40 Kilometern. Der Stromverbrauch liegt bei 0,6 Kilowattstunden pro hundert Kilometer. Das kostet ganze 18 Cent.

Im Winter kommen Spikes auf die Mäntel

Innerorts greift Alexa Zierl weiterhin meist zum "klassischen" 24-Gang-Tourenrad, und für lange Strecken steigt die vierköpfige Familie in den Zug. Darüber hinaus steht ihr ein - mittlerweile sehr selten genutztes - Auto zur Verfügung. Für längere Radtouren aber ist das Pedelec erste Wahl. Von Fürstenfeldbruck nach Maisach, Grafrath oder Germering dauert es eine halbe Stunde und damit bei Durchschnittstempo 30 kaum länger als mit dem Auto. "Man kann einfach locker dahinradeln", schwärmt Alexa Zierl. "Man ist schneller unterwegs, Steigungen machen einem gar nichts mehr aus."

Und wer sich bislang gegen das Rad entschied, weil er nicht verschwitzt im Büro ankommen wollte, der schaltet eben einen Gang zurück und fordert dem Akku im Gegenzug einen höheren Beitrag ab. Zierl hat sich gute Regenkleidung gekauft und lässt im Winter Mäntel mit Spikes aufziehen.

Bleiben da noch Wünsche offen? Alexa Zierl denkt kurz nach. E-Bike-Sharing wäre toll. Dann würde sie selbst sicher auch mal auf ein schnelleres S-Pedelec umsteigen, das bis zu 500 Watt leistet und somit bis zu 45 Kilometer pro Stunde ermöglicht. Solche Räder benötigen ein Versicherungskennzeichen und es gilt Helmpflicht. Eine vollwertige Alternative zu Zierls 240-Watt-Multitalent wäre das aber nicht - denn die höher motorisierte Variante dürfte die Grünen-Politikerin nicht mehr vor ihren roten Anhänger spannen.

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