Umbau auf dem Domberg Stilbruch

Die dunkle Holzdecke über dem Atrium des Diözesanmuseums soll erhalten bleiben - das missfällt dem Gestaltungsbeirat.

(Foto: Andreas Gebert)

Gestaltungsbeiratsvorsitzender Rudolf Hierl stört sich daran, dass bei der Sanierung des Diözesanmuseums die dunkle Holzkassettendecke im Atrium erhalten bleiben soll. Ein luftiges Glasdach wäre ihm lieber gewesen.

Von Petra Schnirch, Freising

An der Holzdecke im Atrium des Diözesanmuseums scheiden sich die Geister, das hat sich bei der Sitzung des Gestaltungsbeirats erneut gezeigt. Das Gremium befasste sich am Montag mit dem Umbau des Gebäudes, mit dem im Oktober bereits begonnen wurde. Vorsitzender Rudolf Hierl monierte, dass die dunkle Holzkonstruktion, die erhalten bleiben soll, "befremdlich" wirke. Auch am geplanten Neubau des Kardinal-Döpfner-Hauses missfällt ihm und seinen Kollegen ein entscheidender Punkt: Sie kritisierten, dass das bisherige Arrangement mit drei prägenden Innenhöfen am Domberg aufgegeben werden soll.

Um die Holzdecke des Museums war während des Planungsprozesses hart gerungen worden. Das Architekturbüro Brückner & Brückner wollte sie durch ein luftiges Glasdach ersetzen, diese Idee gefiel auch den Juroren des Architektenwettbewerbs. Der Denkmalschutz forderte jedoch, dass die Kassettendecke erhalten werden solle. Rudolf Hierl konnte dies nicht nachvollziehen, das sei "sehr, sehr untypisch" für diese Architektur. Das Museumsgebäude war von 1868 bis 1870 von Matthias Berger errichtet worden, damals als Knabenseminar. Hierl verwies auf andere Neubauten jener Zeit, die innovative Glasdächer erhalten hatten. "Das sind zwei Welten." In Freising habe ein Zimmerer "vielleicht was drauf gemacht, was ursprünglich nicht geplant war". Architekt Peter Brückner bestätigte, dass der Innenhof, so die Idee, eigentlich ein modernes Glasdach bekommen sollte. Die Holzkonstruktion sei für einige inzwischen aber ein "lieb gewonnenes" Element.

Diözesanmuseum Auferstehen aus der Schuttwüste
Diözesanmuseum

Auferstehen aus der Schuttwüste

Im Freisinger Diözesanmuseum haben die Sanierungsarbeiten begonnen. Wände werden herausgerissen, Decken entfernt, Kabel hängen bis auf den Boden herab. Museumsdirektor Christoph Kürzeder hat jedoch jetzt schon vor Augen, wie alles einmal werden soll.   Von Nadja Tausche

Auch an den Plänen zum Kardinal-Döpfner-Haus gab es Kritik

Noch deutlichere Worte fand Hierl zum Kardinal-Döpfner-Haus, an den Plänen wird derzeit gefeilt. Die U-förmige Gestaltung des Gästehaus-Neubaus, der dadurch nach Westen künftig offen sein wird, fand er "extrem fragwürdig". Auch sein Kollege Johann Spindler stört sich daran, dass die "spannende Abfolge" von Höfen und die klare Struktur am Domberg aufgegeben wird. Zudem fürchtet er, dass das Gebäude durch die Glasfassaden an dieser Stelle abends stark ausstrahlen werde. Zu den Planungen des Büros Steiner & Steiner für das Diözesanmuseum meinte er dagegen kurz und knapp: "Kompliment".

Wichtig waren sowohl dem Gestaltungsbeirat als auch den Stadträten, dass auf dem Domberg Sichtachsen entstehen. Richtung Westen ist das durch den Abriss des Oktogons der Fall, das auch zugunsten einer Anlieferzone für Museum, Depot und Gastronomie weichen musste. Nach Süden soll der Abbruch des alten Waschhauses neue Ausblicke eröffnen. In diesem Bereich sind laut Landschaftsplaner Wolf Auch Freitreppen und ein Balkon geplant, auf der Westseite des Museums entstehen eine Teeterrasse und ein Gastgarten. Der Zugang zur Stadt soll auf dieser Seite verbessert werden. Derzeit existiert dort nur eine schlechte Holzbohlentreppe. Großes Thema ist nicht nur die Barrierefreiheit im Museum, sondern auf dem ganzen Domberg. Ziel sei es, diese auch auf der Südseite von der Garage am Döpfner-Haus zum Museum zu gewährleisten - was laut Auch eine Herausforderung ist.

Weiterer Punkt waren die Bäume auf der Westseite des Dombergs, mehrere müssen gefällt werden - auch weil das Kanalnetz saniert werden muss. Stadtrat Reinhard Fiedler (Freisinger Mitte) sagte, dass bei der Neupflanzung auf die Sichtachsen Rücksicht genommen werden sollte.

Museumsleiter Christoph Kürzeder formulierte die Vision für das sanierte Gebäude: Es soll ein "offenes Haus" werden. Dies wird sich in der Raumgestaltung widerspiegeln, aber auch in bodentiefen Fenstern, die den hermetischen Charakter des Bauwerks verändern sollen. 2021 sollen die Ausstellungsräume fertig sein.