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Stichwahl in Neufahrn:Respekt füreinander

Franz Heilmeier (Grüne) und Thomas Seidenberger (Freie Wähler) wollen Bürgermeister werden. Am Sonntag sind sie Konkurrenten, da sie sich gut kennen, pflegen sie aber einen fairen Umgang

Wer künftig in Neufahrn regiert, entscheidet sich am Sonntag.

(Foto: Marco Einfeldt)

Am Sonntag entscheidet sich, wie der neue Neufahrner Bürgermeister heißen wird: Franz Heilmeier (Grüne) oder Thomas Seidenberger (Freie Wähler). Heilmeier (50, Pastoralreferent) wirbt mit dem Slogan "Ich bin der Neuanfang", im ersten Wahlgang bekam er 28,97 Prozent. Seidenberger (43, Lehrer, 18 Jahre Gemeinderat, FW-Fraktionssprecher) wirft seine politische Erfahrung in die Waagschale, er erhielt 25,39 Prozent. Für die SZ erläutern beide ihre Standpunkte.

SZ: Welches Thema werden Sie im Wahlkampf-Endspurt in den Mittelpunkt stellen, um sich gegen den Konkurrenten abzugrenzen?

Seidenberger:In der vergangenen Woche habe ich in einem Brief an die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde wichtige Themen für die Zukunft unseres Heimatortes dargestellt. Auszugsweise nennen möchte ich die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen, die Unterstützung der Vereinsarbeit insbesondere im Kinder- und Jugendbereich, die Förderung der Wirtschaft und das Ziel, die fachärztliche Versorgung in Neufahrn zu verbessern. Am Wochenende werde ich ein weiteres Mal am Marktplatz den Kontakt zu den Bürgern suchen und für Anregungen und Fragen Gesprächspartner sein.

Heilmeier:Ich werde die Alternative betonen zwischen einem "Weiter so" mit dem langjährigen Fraktionssprecher des bisherigen Bürgermeisters und einem Wechsel und personellen Neuanfang mit mir an der Spitze der Gemeinde. Das hohe Zutrauen, das die Wählerinnen und Wähler mir bei der Wahl am 16. März zugesprochen haben, bestärkt mich darin, dass ein hohes Interesse an einem Neuanfang besteht. Neben neuen Plakaten und Infomaterial zur Stichwahl werden persönliche Gespräche und Kontakte in der Mitte der kommenden Tage stehen. Ich werde so möglichst oft ansprechbar sein. Dazu werden wir nochmals Infostände aufbauen, ich werde zu örtlichen Veranstaltungen gehen, und am Freitag bin ich beispielsweise im "Viva" zu finden. Nach den vielen guten Erfahrungen der vergangenen Wochen werde ich auch wieder Kurzbesuche an Haustüren machen.

Sie sind ja mit Ihrem Konkurrenten auch privat gut bekannt - wirkt sich das auf den Wahlkampf aus?

Seidenberger:Franz Heilmeier und ich kennen uns seit über 20 Jahren und wir haben in den 90er Jahren zusammen in der Pfarrei Sankt Franziskus gewirkt, er als Seelsorger und ich als Ehrenamtlicher. Ich lege Wert auf Fairness und Ehrlichkeit im Wahlkampf, und diese Einstellung ist unabhängig vom persönlichen Bezug zu einem Kandidaten.

Heilmeier: Ja, es wirkt sich aus. Auch wenn wir in verschiedenen Themen unterschiedliche Meinungen haben (zum Beispiel zum Bavariapark, zu Bürgerbeteiligungen etwa bei Ortsentwicklungen, bei Baugebietsausweisungen wie im Neufahrner Süden oder beim Flächenverbrauch in unserer Gemeinde), haben wir einen respektvollen Umgang miteinander. Dennoch stehe ich für eine deutlich andere Politik als diejenige, die mein Konkurrent seit Jahren im Gemeinderat vertritt.

Welche Chancen rechnen Sie sich am 30. März aus?

Seidenberger: Es wird wohl ein Kopf-an-Kopf-Rennen, und ich meine, dass die Chancen für den obersten Platz auf dem Siegertreppchen gut sind. Letztendlich entscheiden aber die Wählerinnen und Wähler, wer künftiger Bürgermeister sein wird.

Heilmeier:Ich rechne mir gute Chancen aus. Viele Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Gruppierungen und Parteien wollen einen Neuanfang für unsere Gemeinde. Aber es wird sicher eine knappe Entscheidung werden, sodass ich mit meinem Team um das Vertrauen möglichst vieler werbe, mir entweder noch einmal oder zum ersten Mal die Stimme für das Bürgermeisteramt zu geben.

Was ist das wichtigste Argument, warum die Wähler gerade bei Ihnen das Kreuzchen machen sollten?

Seidenberger:In meiner 18-jährigen Laufbahn als Kommunalpolitiker haben wir gemeinsam viel erreicht: die Errichtung von Kindertagesstätten und modernen Feuerwehrhäusern, die Realisierung des Ortszentrums mit neuer Bibliothek, den Ausbau und die Verlagerung der Sozialstation, Wohnbaumodelle für Einheimische und vieles mehr. Zahlreiche Projekte stehen aber noch auf der Zukunftsagenda, und ich meine, dass hier langjährige politische Erfahrung von Vorteil ist. Meine beruflichen Qualifikationen im Bereich Wirtschaft und Recht erachte ich als wertvoll für die Amtsgeschäfte eines Bürgermeisters.

Heilmeier:Ich habe umfangreiche Erfahrungen in der Leitung und Motivation von Menschen und Gruppen. Damit bringe ich Schlüsselfähigkeiten mit für die Leitung des "bunter" gewordenen künftigen Gemeinderats und für einen modernen Führungsstil, der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Arbeit stärkt. Ich mag Menschen, begegne ihnen auf Augenhöhe und greife ihre Anregungen und Anliegen auf. Ich stehe für eine Politik mit Weitblick und Umsicht und verbinde Nachhaltigkeit mit Wirtschaftsfreundlichkeit. Wer mich wählt, wählt eine neue, vorausschauende und erfolgreiche Gemeindepolitik.

Was machen Sie als Erstes, wenn Sie die Stichwahl gewinnen?

Seidenberger:Meine Lebenspartnerin Lisa umarmen und einige Worte an die Bürgerinnen und Bürger richten, die den Wahlausgang im Rathaus verfolgen.

Heilmeier: Wir werden kräftig feiern. Dann habe ich Grund, mich bei sehr vielen Menschen zu bedanken - bei meiner Frau, meiner Familie, den Wählerinnen und Wählern, meinem Wahlkampfteam und vielen Unterstützern im Hintergrund. Allen Gratulanten werde ich mein Interesse an einer guten künftigen Mitarbeit deutlich machen. Nicht zuletzt werde ich nach diesen intensiven Monaten auch einige Tage Urlaub machen.

. . . und wie geht es weiter, wenn Sie nicht Bürgermeister werden?

Seidenberger: Natürlich bleibe ich meinem bisherigen Beruf als Lehrer treu. Im September werde ich den Umzug der Beruflichen Oberschule Unterschleißheim in das neue Gebäude am Bahnhof Lohhof begleiten und weiterhin Verantwortung für den Fachbereich "Wirtschaft und Recht" übernehmen. Politisch werde ich mich auch in Zukunft für nachhaltige Projekte in unserer Gemeinde stark machen, die deren Entwicklung positiv vorantreiben.

Heilmeier:Beruflich würde ich den Fachbereich für kirchliche Konzeptarbeit weiter entwickeln. Politisch setze ich mich als Gemeinderat für eine sachorientierte, transparente und überparteiliche Arbeit für die Entwicklung unserer Gemeinde ein. Den Schwung des Wahlkampfs in unserer Ortsgruppe möchte ich nutzen für unsere weitere Stärkung und Verankerung als kompetente politische Kraft und für die Werbung vieler Interessierter, bei uns mitzumachen.