Rettungskräfte im Einsatz:"Das ist kein triviales Prozedere"

Rettungskräfte im Einsatz: Einsatzkräfte des THW Freising halfen in der Nacht zum Samstag dabei, das Dach des Munich Airport Centers am Flughafen zu räumen.

Einsatzkräfte des THW Freising halfen in der Nacht zum Samstag dabei, das Dach des Munich Airport Centers am Flughafen zu räumen.

(Foto: THW Freising)

Nach den heftigen Schneefällen hat das THW Freising auf acht Gebäuden im Landkreis die Schneelast geprüft und gab Entwarnung: Öffentliche Gebäude waren nicht gefährdet. Geräumt werden musste mit einem arbeitsintensiven Einsatz jedoch das Munich Airport Center am Flughafen.

Von Petra Schnirch, Freising

Es ist ein seltenes Bild im Landkreis: Nicht nur am Boden türmen sich die Schneemassen, auch auf den Dächern lastet eine 35 bis 45 Zentimeter hohe Schneeschicht. Das Technische Hilfswerk (THW) Freising hat am Wochenende sicherheitshalber Schneelastprüfungen an mehreren öffentlichen und stark frequentierten Gebäuden im gesamten Landkreis vorgenommen - und konnte danach Entwarnung geben. Kritische Werte wurden nirgendwo erreicht. Geräumt werden musste wegen seiner Größe und Form allerdings das Dach des Munich Airport Centers (MAC) am Flughafen, dort hatte die automatische Waage Alarm ausgelöst.

Beim THW seien viele Anrufe eingegangen, auch von Hausbesitzern, die sich wegen des vielen Schnees auf den Dächern ihrer Häuser Sorgen machten, sagt der Freisinger THW-Chef Michael Wüst. Die Schneehöhe aber sage nichts über die Schneelast aus, erklärt er. Die Dächer neuerer Häuser seien auf eine Belastung von 90 Kilogramm pro Quadratmeter Fläche ausgelegt. Im Landkreis waren es mit 50 bis 60 Kilo deutlich weniger, das haben die Messungen ergeben. Problematisch hätte es laut Wüst werden können, wenn es weiter geschneit oder aber, wie 2019 in Berchtesgaden, auf den Schnee geregnet hätte. Der wirke dann wie ein Schwamm.

Um sich ein Bild von der Lage zu machen, stanzte das THW auf acht Dächern im Landkreis jeweils an drei Stellen Löcher in den Schnee und entnahm einen Schneekern. "Das ist kein triviales Prozedere", erklärt Wüst. Der Schnee wird anschließend geschmolzen, um die Belastung berechnen zu können, berücksichtigt werden müssen auch Aufbauten wie Photovoltaikanlagen. Ein Liter Wasser entspricht einem Kilo Gewicht. Danach habe man davon ausgehen können, dass es "kein grundlegendes Problem" gebe, sagt Wüst.

Der Eishallen-Einsturz von Bad Reichenhall 2006 war nach seinen Worten ein Wendepunkt. Davor hätte man so ein Unglück nicht für möglich gehalten. Seitdem sei die öffentliche Hand sehr vorsichtig. In Absprache mit dem Einsatzleiter der Rettungskräfte im Landratsamt konzentrierten sich die THW-Teams auf Gebäude mit hoher Publikumsfrequenz und überprüften beispielsweise das Eisstadion in Freising, die Hopfenhalle in Nandlstadt und mehrere Verbrauchermärkte. Die Freiwillige Feuerwehr in Moosburg räumte am Samstag vorsichtshalber das Dach der Stallungen des örtlichen Reitsportvereins. Die Besitzerin habe Angst um die Pferde gehabt, schildert zweiter Kommandant Franz Jantschy, weil das Gebäude nicht mehr ganz neu sei.

Größter Einsatz des THW, der Flughafenfeuerwehr und mehrerer Freiwilliger Feuerwehren aus den Landkreisen Freising und Erding aber war das Munich Airport Center am Flughafen. Der Wintermarkt sei zwar geschlossen worden, dennoch seien dort viele Menschen unterwegs, sagt Wüst. Allein 52 Helferinnen und Helfer des THW Freising waren dort die ganze Nacht über eingebunden, von Freitag bis Samstagfrüh, um das Dach von der Schneelast zu befreien. Abgelöst wurden sie vom THW Markt Schwaben und München-West. Man müsse die Einsatzkräfte jede Stunde auswechseln, weil es sehr kalt sei, erklärt Wüst.

Die Helfer gingen grundsätzlich nur gesichert aufs Dach, sagt Wüst. Am MAC seien gespannte Drahtseile angebracht, dort könne man sich mit einer Art Klettergurt festmachen. Bei Gebäuden, an denen keine Sicherungsmöglichkeit vorhanden ist, setzt das THW einen Autokran ein, an dem sich die Einsatzkräfte befestigen können. Wenn das Risiko zu groß ist, werde ein Gebäude gesperrt. "Man darf auch nicht vergessen, das ist höllisch glatt", sagt Wüst. Räum-Aktionen wie diese seien "unfassbar anstrengend und binden unfassbar viele Kräfte".

"Es war ein sehr stressiges Wochenende"

Außerdem half das THW Freising am Samstag dabei, ein verunglücktes Räumfahrzeug in Zurnhausen aus einem Straßengraben zu bergen, mehrere Lastwagen mussten abgeschleppt werden. Auch auf dem eigenen Grundstück am Sondermüllerweg musste das Technische Hilfswerk Schnee räumen. Damit nicht genug: Parallel dazu bauten die Helferinnen und Helfer gemeinsam mit BRK, Johannitern und der Freisinger Feuerwehr Feldbetten für Geflüchtete in der Unterkunft im ehemaligen Stabsgebäude auf. "Es war ein sehr stressiges Wochenende", bilanziert Wüst.

Auch die Polizei hatte am Schnee-Wochenende viel zu tun. Insgesamt ereigneten sich nach Angaben der Polizeiinspektion Freising zwischen Freitag, sechs Uhr, und Montag, sechs Uhr, 24 Glätte-Unfälle, davon elf im Stadtgebiet Freising. Glücklicherweise blieb es überwiegend bei Blechschäden. Bei einem Unfall in Zolling erlitt ein Beifahrer leichte Verletzungen, als der Wagen von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte.

Busse aus dem westlichen Landkreis können noch nicht nach Freising fahren

Nach Rücksprache mit dem MVV sollen die Regionalbuslinien im Landkreis wieder weitgehend regulär verkehren. Auch am Dienstag aber können einige Gemeindestraßen und Nebenstrecken, die nicht ausreichend geräumt wurden, möglicherweise nicht befahren werden, sodass manche Haltestelle nicht bedient werden kann, wie das Landratsamt mitteilt.

Auch drei Staatsstraßen bleiben gesperrt, weil die Gefahr von herabfallenden Ästen oder umstürzenden Bäumen zu groß ist. Betroffen sind die Waldstrecken an den Staatsstraßen 2084 am Eberspointer Berg von der Einmündung nach Tünzhausen bis zur FS 24 nach Kranzberg, die St 2054 östlich von Haag und die St 2339 zwischen Massenhausen und Fürholzen.

Das bedeutet, dass die Buslinien 616 und 619 weiterhin nicht nach Freising fahren. Schülerinnen und Schüler aus den Gemeinden Allershausen, Hohenkammer und Kranzberg können nicht zur Schule gebracht werden.

Zur SZ-Startseite

Christbäume
:Oh Tannenbaum, wo kommst du her?

In Bayern werden jährlich rund vier Millionen Christbäume verkauft, darunter die von Lorenz Heckerl aus Mauern. Ein Besuch bei einem, der sich nicht nur in der Adventszeit mit der Tanne beschäftigt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: