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S-Bahn-Anbindung:Tunnel zum Flughafen beschlossen

SPD und CSU haben gemeinsam den Ausbau der S8 durchgesetzt. Um die Anwohner vor Lärm zu schützen, soll der Abschnitt zwischen Daglfing und Johanneskirchen untertunnelt werden. Die Finanzierung ist allerdings noch unklar.

Der Stadtrat hat sich mit großer Mehrheit für einen Tunnel auf der Strecke der S 8 im Münchner Osten ausgesprochen. Der Freistaat plant, die Trasse viergleisig auszubauen, um den Güterverkehr vom S-Bahn-Betrieb zu entkoppeln und so Express-S-Bahnen zum Flughafen anbieten zu können.

Stammstrecke S-Bahn, München

Die Anbindung zum Flughafen soll schneller werden: Der Stadtrat hat sich für einen Tunnel auf der Strecke der S8 ausgesprochen.

(Foto: Carmen Wolf)

Um die Anwohner vor dem Lärm zu schützen, will die Stadt den Abschnitt zwischen Daglfing und Johanneskirchen im Boden vergraben - und so auch die Entwicklung des östlich der Bahnstrecke geplanten Wohngebiets ermöglichen.

Rasch allerdings dürfte der Plan nicht umgesetzt werden: Eine Fertigstellung ist nicht vor 2024 zu erwarten. Und die Finanzierung des Projekts, das 500 bis 700 Millionen Euro kosten wird, ist noch völlig offen.

Klar ist nur: Da die Stadt den Tunnel wünscht, muss sie auch für den Bau aufkommen - Freistaat und Bund übernehmen nur die Kosten, die für den Ausbau der Schienenwege an der Oberfläche anfallen. Grüne, FDP und Linke plädierten in der Debatte angesichts der hohen Kosten dafür, eine Alternative zum Tunnel intensiver zu prüfen: Ende 2011 hatten Landschaftsplaner vorgeschlagen, die Trasse nicht unter die Erde zu verbuddeln, sondern sie mit begrünten Wällen, Landschaftsbrücken und Lärmschutz-Riegelgebäuden abzuschirmen. Statt 500 Millionen würde diese Lösung die Stadt nur 125 bis 200 Millionen Euro kosten.

Das eingesparte Geld könnte, so argumentierten die kleinen Parteien, für andere Verkehrsprojekte eingesetzt werden - etwa für eine Untertunnelung des Mittleren Rings in Neuhausen und Giesing, wo Anwohner ebenso unter dem Lärm leiden und nach Tunneln rufen. "Man kann doch nicht so tun, als hätten wir nur dieses eine Projekt", sagte FDP-Fraktionschef Michael Mattar und forderte wie Grüne und Linke eine "Prioritätenliste für wichtige Verkehrsprojekte".

"Eine historische Weichenstellung"

SPD und CSU hielten dagegen, nur mit dem Tunnel lasse sich "eine historische Weichenstellung" vollziehen, so OB Christian Ude (SPD). Die Stadt will östlich der Trasse in den nächsten Jahrzehnten ein Neubaugebiet mit Wohnungen für 12.000 Menschen entwickeln. Nur wenn die Gleistrasse im Tunnel verschwinde, könne man das Gebiet optimal erschließen, so Ude. Eine Lösung an der Oberfläche sei "bei den Bürgern nicht durchsetzbar" und auf lange Sicht eine "stadtentwicklungspolitische Fehlentscheidung" - auch wenn die hohe Investitionssumme manchem Stadtrat den Schreck in die Glieder fahren lasse.

Das Planungsreferat wird nun mit dem Freistaat und der Bahn die weiteren Details aushandeln. Vor allem wird es um die Finanzierung der Planungskosten gehen, die bei etwa 85 Millionen Euro liegen. Davon wird die Stadt nach Auskunft des bayerischen Verkehrsministeriums etwa 65 Millionen Euro übernehmen müssen. Parallel dazu sollen die Gespräche mit dem Bund zur Finanzierung des viergleisigen Ausbaus geführt werden - der hat allerdings, das kritisierten die Grünen, bislang noch gar kein Geld in seinem ohnehin völlig überlasteten Verkehrshaushalt eingestellt.

Zudem gibt es noch ein weiteres Problem: Aus Sicht des Freistaats ist der Ausbau der S-8-Trasse nur sinnvoll, wenn auch die geplante zweite S-Bahn-Stammstrecke kommt. Deren Finanzierung ist ebenso ungeklärt. Ein Tunnel im Münchner Osten dürfte also noch ein paar Jahre auf sich warten lassen.